Ernst geht nicht in die Verlängerung
Maximilian Riml folgt nach 40 Jahren auf Ernst Schöpf – Gemeinderat wählte den 28-Jährigen einstimmig zum Bürgermeister
Vier Jahrzehnte lang prägte Ernst Schöpf die Entwicklung der Gemeinde Sölden wie kaum ein anderer. Am Montag legte der Langzeitbürgermeister sein Amt nieder. Bereits einen Tag später stellte der Gemeinderat die Weichen für die Zukunft: Maximilian Riml wurde am Dienstag, dem 1. September, einstimmig zum neuen Bürgermeister gewählt. Zum Vizebürgermeister bestimmte der Gemeinderat den Obergurgler Bernhard Gamper.
7. September 2026
Hatte wenige Tage zuvor noch ÖRM-Sieger Jack Burke sein „Ja“ erhalten, fiel nur einen Steinwurf entfernt erneut ein entscheidendes Wort. Auf die Frage von Gemeinderat Makarius Fender, ob er das Amt annehme, antwortete Maximilian Riml klar und deutlich mit „Ja“. Foto: Hablitzel
Mit dem Rücktritt von Ernst Schöpf ging in Sölden eine außergewöhnlich lange politische Ära zu Ende. 40 Jahre lang stand er an der Spitze der flächenmäßig größten Gemeinde Österreichs. Nun übernimmt mit Maximilian Riml ein Vertreter der „next Generation” – wie Ernst Schöpf bei seiner Rücktrittsankündigung im Mai meinte – die Verantwortung.
einstimmig. Die Wahl im Sölder Gemeinderat verlief eindeutig. Für das Bürgermeisteramt gab es keinen Gegenkandidaten, Riml erhielt die Zustimmung aller Mandatare. Bei der anschließenden Wahl des Vizebürgermeisters setzte sich Bernhard Gamper mit zehn Stimmen gegen Dominik Linser von der Liste „zsomm” durch, der fünf Stimmen erhielt. Unter den Gästen der Sitzung befand sich auch der Milser Bürgermeister und ÖVP-Bezirksparteiobmann Bernhard Schöpf. Besonders aufmerksam verfolgte jedoch einer das Geschehen: Ernst Schöpf selbst nahm nach seinem Rücktritt in der ersten Reihe des Publikumsbereichs Platz und erlebte dort die Wahl seines Nachfolgers mit.
„Rucksack voller Nerven“. Nach der Entscheidung gratulierte der scheidende Bürgermeister Maximilian Riml persönlich und gab diesen einen ebenso kurzen und wohl treffenden Wunsch mit auf den Weg: „Ich wünsche dir einen Rucksack voller Nerven.“ Auch Bezirksparteiobmann Bernhard Schöpf gratulierte dem neuen Gemeindechef. Für Riml beginnt damit eine neue politische Aufgabe, allerdings keineswegs auf unbekanntem Terrain. Der 28-Jährige war bereits rund viereinhalb Jahre Vizebürgermeister und gehörte der Bürgermeisterliste von Ernst Schöpf an. Zuvor hatte er seine kommunalpolitische Laufbahn als Ersatzgemeinderat begonnen.
Jung und fest verwurzelt. Maximilian Franz Riml vulgo „Vizensn” ist verheiratet und Vater von drei Söhnen. Schon kurz nach seiner Ausbildung zum Seilbahntechniker bei den Bergbahnen Sölden übernahm er gemeinsam mit seiner Frau den elterlichen Beherbergungsbetrieb. Seit 2013 engagiert sich Riml zudem bei der Bergrettung und ist auch in weiteren Vereinen aktiv. Damit übernimmt ein junger, aber auf Gemeindeebene bereits erfahrener Sölder das Bürgermeisteramt. Bis zur nächsten Gemeinderatswahl kann Riml nun zeigen, wie er die Gemeinde führen und eigene Schwerpunkte setzen will. „Bis dahin wird gearbeitet,” so der neue Ortschef.
Erste große Aufgaben. Ein weitgehend geordnetes Gemeindeamt und solide Finanzen bilden die Ausgangslage für den neuen Bürgermeister. Dennoch warten einige größere Themen. Dazu zählen noch verbliebene Hochwasserschäden im Bereich der Kläranlage sowie vor allem die Zukunft der Freizeit Arena. Das Sport- und Freizeitzentrum schreit förmlich nach einem „Facelifting”. Die Gemeinde wird sich daher weiterhin damit beschäftigen müssen wie es mit der – ebenfalls „Rücktrittsreifen” – Freizeit Arena weitergeht. Beim Thema Après-Ski setzte Riml bislang auf einen ausgleichenden Kurs. Neben den Interessen der Tourismusbetriebe rückte er auch die Anliegen der Anrainer und der Bevölkerung in den Vordergrund – eine Haltung, die ihm vor Ort einige Sympathien einbrachte.
40 Jahre an der Spitze. Mit Ernst Schöpf verabschiedet sich einer der längstgedienten Bürgermeister Österreichs aus dem Amt. 1986 wurde er im Alter von nur 25 Jahren zum Gemeindechef gewählt und war damals der jüngste Bürgermeister des Landes. Seither entwickelte sich Sölden zu einer der bekanntesten Tourismusgemeinden Österreichs. Mit einer Fläche von fast 467 Quadratkilometern ist die Ötztaler Gemeinde sogar größer als die Bundeshauptstadt Wien, die knapp 415 Quadratkilometer umfasst. In Schöpfs Amtszeit fiel auch der Fund des „Ötzi“ im Jahr 1991. Erst später stellte sich heraus, dass die Fundstelle nur wenige Meter außerhalb Tirols auf Südtiroler Gebiet lag.
Auch schwere Jahre. Die vier Jahrzehnte waren jedoch nicht nur von touristischer und wirtschaftlicher Entwicklung geprägt. Mehrfach wurde die Gemeinde von schweren Unglücken erschüttert. 2001 kam eine vierköpfige Familie ums Leben, nachdem ihr Fahrzeug auf der Straße nach Obergurgl von einer Lawine verschüttet worden war. Gegen Schöpf als Leiter der Lawinenkommissionen und weitere Verantwortliche wurde wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Sie wurden später freigesprochen.Vier Jahre danach ereignete sich ein weiteres schweres Unglück: Ein von einem Hubschrauber herabfallender Betonkübel traf eine besetzte Gondel. Neun Menschen, darunter mehrere junge Personen, verloren dabei ihr Leben.
Politisch nicht immer bequem. Auch auf Landesebene machte Ernst Schöpf politische Karriere. Unter Landeshauptmann Wendelin Weingartner gehörte er dem Tiroler Landtag an und wurde zeitweise für höhere politische Ämter gehandelt. Gleichzeitig scheute Schöpf Auseinandersetzungen mit der eigenen Partei nicht. Besonders in der Diskussion um die Gemeindeguts-Agrargemeinschaften vertrat er wiederholt eigenständige Positionen. Viele Jahre stand er außerdem dem Tiroler Gemeindeverband vor. Das Ende dieser Tätigkeit war eng mit der Insolvenz der GemNova verbunden. Das 2010 gegründete Dienstleistungsunternehmen des Gemeindeverbandes musste 2023 Insolvenz anmelden. Die strafrechtliche Aufarbeitung ist noch nicht abgeschlossen. Schöpf legte in der Folge die Funktion als Gemeindeverbandspräsident zurück und verließ später auch die ÖVP. „Mein Bedarf an Hinterfotzigkeiten ist gedeckt,” meinte ein enttäuschter Schöpf damals.
Generationswechsel vollzogen. Nun endet nach 14.756 Tagen auch seine Zeit an der Spitze der Gemeinde Sölden. Dass er einmal vier Jahrzehnte Bürgermeister bleiben würde, sei ursprünglich nie Teil seiner Lebensplanung gewesen. Mit Maximilian Riml ist nun die Nachfolge innerhalb des Gemeinderates geregelt. Die erste Sitzung nach dem Wechsel verlief sachlich, geordnet und ohne politischen Scharmützeln. Neben der Bürgermeister- und Vizebürgermeisterwahl beschäftigte sich das Gremium unter anderem noch mit Grundstücksangelegenheiten, der Sanierung des Sportplatzes in Zwieselstein sowie Wohnungsvergaben. Für Sölden, der flächenmäßig größten Gemeinde Österreichs beginnt damit nach 40 Jahren ein neues politisches Kapitel.
einstimmig. Die Wahl im Sölder Gemeinderat verlief eindeutig. Für das Bürgermeisteramt gab es keinen Gegenkandidaten, Riml erhielt die Zustimmung aller Mandatare. Bei der anschließenden Wahl des Vizebürgermeisters setzte sich Bernhard Gamper mit zehn Stimmen gegen Dominik Linser von der Liste „zsomm” durch, der fünf Stimmen erhielt. Unter den Gästen der Sitzung befand sich auch der Milser Bürgermeister und ÖVP-Bezirksparteiobmann Bernhard Schöpf. Besonders aufmerksam verfolgte jedoch einer das Geschehen: Ernst Schöpf selbst nahm nach seinem Rücktritt in der ersten Reihe des Publikumsbereichs Platz und erlebte dort die Wahl seines Nachfolgers mit.
„Rucksack voller Nerven“. Nach der Entscheidung gratulierte der scheidende Bürgermeister Maximilian Riml persönlich und gab diesen einen ebenso kurzen und wohl treffenden Wunsch mit auf den Weg: „Ich wünsche dir einen Rucksack voller Nerven.“ Auch Bezirksparteiobmann Bernhard Schöpf gratulierte dem neuen Gemeindechef. Für Riml beginnt damit eine neue politische Aufgabe, allerdings keineswegs auf unbekanntem Terrain. Der 28-Jährige war bereits rund viereinhalb Jahre Vizebürgermeister und gehörte der Bürgermeisterliste von Ernst Schöpf an. Zuvor hatte er seine kommunalpolitische Laufbahn als Ersatzgemeinderat begonnen.
Jung und fest verwurzelt. Maximilian Franz Riml vulgo „Vizensn” ist verheiratet und Vater von drei Söhnen. Schon kurz nach seiner Ausbildung zum Seilbahntechniker bei den Bergbahnen Sölden übernahm er gemeinsam mit seiner Frau den elterlichen Beherbergungsbetrieb. Seit 2013 engagiert sich Riml zudem bei der Bergrettung und ist auch in weiteren Vereinen aktiv. Damit übernimmt ein junger, aber auf Gemeindeebene bereits erfahrener Sölder das Bürgermeisteramt. Bis zur nächsten Gemeinderatswahl kann Riml nun zeigen, wie er die Gemeinde führen und eigene Schwerpunkte setzen will. „Bis dahin wird gearbeitet,” so der neue Ortschef.
Erste große Aufgaben. Ein weitgehend geordnetes Gemeindeamt und solide Finanzen bilden die Ausgangslage für den neuen Bürgermeister. Dennoch warten einige größere Themen. Dazu zählen noch verbliebene Hochwasserschäden im Bereich der Kläranlage sowie vor allem die Zukunft der Freizeit Arena. Das Sport- und Freizeitzentrum schreit förmlich nach einem „Facelifting”. Die Gemeinde wird sich daher weiterhin damit beschäftigen müssen wie es mit der – ebenfalls „Rücktrittsreifen” – Freizeit Arena weitergeht. Beim Thema Après-Ski setzte Riml bislang auf einen ausgleichenden Kurs. Neben den Interessen der Tourismusbetriebe rückte er auch die Anliegen der Anrainer und der Bevölkerung in den Vordergrund – eine Haltung, die ihm vor Ort einige Sympathien einbrachte.
40 Jahre an der Spitze. Mit Ernst Schöpf verabschiedet sich einer der längstgedienten Bürgermeister Österreichs aus dem Amt. 1986 wurde er im Alter von nur 25 Jahren zum Gemeindechef gewählt und war damals der jüngste Bürgermeister des Landes. Seither entwickelte sich Sölden zu einer der bekanntesten Tourismusgemeinden Österreichs. Mit einer Fläche von fast 467 Quadratkilometern ist die Ötztaler Gemeinde sogar größer als die Bundeshauptstadt Wien, die knapp 415 Quadratkilometer umfasst. In Schöpfs Amtszeit fiel auch der Fund des „Ötzi“ im Jahr 1991. Erst später stellte sich heraus, dass die Fundstelle nur wenige Meter außerhalb Tirols auf Südtiroler Gebiet lag.
Auch schwere Jahre. Die vier Jahrzehnte waren jedoch nicht nur von touristischer und wirtschaftlicher Entwicklung geprägt. Mehrfach wurde die Gemeinde von schweren Unglücken erschüttert. 2001 kam eine vierköpfige Familie ums Leben, nachdem ihr Fahrzeug auf der Straße nach Obergurgl von einer Lawine verschüttet worden war. Gegen Schöpf als Leiter der Lawinenkommissionen und weitere Verantwortliche wurde wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Sie wurden später freigesprochen.Vier Jahre danach ereignete sich ein weiteres schweres Unglück: Ein von einem Hubschrauber herabfallender Betonkübel traf eine besetzte Gondel. Neun Menschen, darunter mehrere junge Personen, verloren dabei ihr Leben.
Politisch nicht immer bequem. Auch auf Landesebene machte Ernst Schöpf politische Karriere. Unter Landeshauptmann Wendelin Weingartner gehörte er dem Tiroler Landtag an und wurde zeitweise für höhere politische Ämter gehandelt. Gleichzeitig scheute Schöpf Auseinandersetzungen mit der eigenen Partei nicht. Besonders in der Diskussion um die Gemeindeguts-Agrargemeinschaften vertrat er wiederholt eigenständige Positionen. Viele Jahre stand er außerdem dem Tiroler Gemeindeverband vor. Das Ende dieser Tätigkeit war eng mit der Insolvenz der GemNova verbunden. Das 2010 gegründete Dienstleistungsunternehmen des Gemeindeverbandes musste 2023 Insolvenz anmelden. Die strafrechtliche Aufarbeitung ist noch nicht abgeschlossen. Schöpf legte in der Folge die Funktion als Gemeindeverbandspräsident zurück und verließ später auch die ÖVP. „Mein Bedarf an Hinterfotzigkeiten ist gedeckt,” meinte ein enttäuschter Schöpf damals.
Generationswechsel vollzogen. Nun endet nach 14.756 Tagen auch seine Zeit an der Spitze der Gemeinde Sölden. Dass er einmal vier Jahrzehnte Bürgermeister bleiben würde, sei ursprünglich nie Teil seiner Lebensplanung gewesen. Mit Maximilian Riml ist nun die Nachfolge innerhalb des Gemeinderates geregelt. Die erste Sitzung nach dem Wechsel verlief sachlich, geordnet und ohne politischen Scharmützeln. Neben der Bürgermeister- und Vizebürgermeisterwahl beschäftigte sich das Gremium unter anderem noch mit Grundstücksangelegenheiten, der Sanierung des Sportplatzes in Zwieselstein sowie Wohnungsvergaben. Für Sölden, der flächenmäßig größten Gemeinde Österreichs beginnt damit nach 40 Jahren ein neues politisches Kapitel.
Christoph Hablitzel 





