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Europas Grenzen überwinden …

… und über sich hinauswachsen

Zehn Jahre Erasmus+ an der HAK/HAS Imst: Bereits 360 Schülerinnen und Schüler sammelten in 13 europäischen Ländern wertvolle Auslandserfahrungen. Beim Jubiläums-Erasmusday standen neben beeindruckenden Zahlen vor allem persönliche Geschichten, Mut und die Lust auf neue Horizonte im Mittelpunkt. Manchmal braucht es nur einen kleinen Schritt, um eine große Welt zu entdecken. Manchmal aber auch den Mut zu einem Sprung ins Ungewisse. Dass sich beides lohnt, wurde am vergangenen Dienstag beim Erasmusday an der HAK/HAS Imst deutlich.

13. Oktober 2026
Europas Grenzen überwinden …
Geballte Erasmus+-Kompetenz: Koordinatorin Melanie Schöpf, Gratulant Stadtrat Richard Aichwalder, Kristin Prantl (Bildungsdirektion Tirol), HAK/HAS-Direktorin Jeannette Hausberger, Schulqualitätsmanagerin Daniela Lehmann sowie die weiteren Koordinatorinnen Monika Schonger und Petra Zmölnig-Winkler (v. l.)

Fotos: Meze
Die Schule feierte zehn Jahre Erasmus+ – ein Jahrzehnt, in dem Auslandspraktika für Hunderte Jugendliche zu weit mehr als einer willkommenen Abwechslung vom Schulalltag geworden sind. Sie eröffneten neue berufliche Perspektiven, stärkten das Selbstvertrauen und ließen junge Menschen über sprachliche, kulturelle und nicht zuletzt persönliche Grenzen hinauswachsen.

360 JUGENDLICHE IN 13 LÄNDERN. „Wir sind sehr stolz darauf, seit zehn Jahren bei Erasmus+ dabei und akkreditiert zu sein“, betonte Direktorin Jeannette Hausberger bei der Jubiläumsveranstaltung. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Insgesamt 360 Schülerinnen und Schüler der Imster Handelsakademie und Handelsschule haben bisher in 13 europäischen Ländern internationale Berufs- und Lebenserfahrung gesammelt. Von Irland über Frankreich, Spanien und Portugal bis nach Finnland, Schweden oder Malta reicht die geografische Bandbreite. Nach Einschätzung der Direktorin verfügt die HAK/HAS Imst damit über das umfangreichste Erasmus+-Angebot aller Schulen in Westtirol. Dass hinter diesen beeindruckenden Zahlen allerdings auch beträchtliche organisatorische Anstrengungen stehen, verschwieg Hausberger nicht. Allein der Antrag für die Erasmus+-Akkreditierung umfasse einen mehr als einen Zentimeter dicken Papierstapel. Die europäische Bürokratie mache eben auch vor einem so erfolgreichen Bildungsprojekt nicht halt. Umso herzlicher fiel ihr Dank an jene drei Frauen aus, die das internationale Programm an der Schule maßgeblich tragen: Petra Zmölnig-Winkler, zuständig für die Partnerschulen, Monika Schonger, verantwortlich für Anträge und Mobilitäten, sowie Melanie Schöpf, die sich um Verwaltung und Verrechnung kümmert. Als sichtbares Zeichen der Wertschätzung überreichte die Direktorin den drei engagierten Mitarbeiterinnen Blumensträuße.

EINE LEBENSERFAHRUNG, DIE BLEIBT. Wie nachhaltig ein Auslandsaufenthalt prägen kann, verdeutlichte auch Kristin Prantl von der Bildungsdirektion Tirol in ihrer Eröffnungsansprache. Sie erinnerte sich an ihre eigene Erasmus-Zeit Anfang der 2000er-Jahre, als sie ein ganzes Jahr im finnischen Vaasa verbrachte. Eine unglaubliche Lebenserfahrung, wie sie rückblickend schilderte. Damals musste noch vieles ohne Internet organisiert werden – von der Reiseplanung bis zur Bewältigung des Alltags in einem fremden Land. Was heute mit wenigen Klicks erledigt werden kann, erforderte seinerzeit ein gehöriges Maß an Eigeninitiative und Improvisationstalent. Die Begeisterung für den europäischen Austausch hat Prantl bis heute nicht verloren. Seit zwei Jahren ist auch die Bildungsdirektion Tirol Erasmus+-akkreditiert, um insbesondere kleinere Schulen bei der Organisation und Abwicklung entsprechender Projekte zu unterstützen. Ihre persönlichen Erfahrungen wollte Prantl beim Erasmusday an die zahlreichen anwesenden Jugendlichen weitergeben, unter denen sich bereits etliche befanden, die selbst schon Erasmus-Luft geschnuppert hatten.

DER SPRUNG AUS DER KOMFORTZONE. Ein besonders anschauliches Bild für den Mut zum Auslandsaufenthalt fand Richard Aichwalder, der die Stadt Imst bei der Jubiläumsveranstaltung vertrat. Er verglich die Entscheidung für ein Erasmus+-Praktikum mit einem Sprung vom Fünf-Meter-Brett. Wer oben stehe und in die Tiefe blicke, müsse zunächst seine Bedenken überwinden. Habe man den Sprung aber erst einmal gewagt und erfolgreich hinter sich gebracht, stelle sich ein Gefühl der Befreiung ein. Genauso verhalte es sich mit dem Schritt aus der gewohnten Umgebung hinaus in ein fremdes Land: Wer seine Komfortzone verlasse, werde nicht selten mit Erfahrungen belohnt, die weit über den eigentlichen Anlass hinausreichen.

FÜNFMAL ERASMUS – UND NOCH LANGE NICHT GENUG. Wie sehr das Erasmus-Fieber an der HAK/HAS Imst um sich gegriffen hat, zeigt das Beispiel von Hanna. Die Schülerin ist gewissermaßen die Rekordhalterin der Schule: Bereits fünfmal hat sie an einem Erasmus-Auslandsaufenthalt teilgenommen, und unmittelbar nach der Matura soll die sechste Reise folgen. Besonders Paris und Malta seien ihr in Erinnerung geblieben, erzählte die weitgereiste Jugendliche. Doch auch alle anderen Aufenthalte hätten ihr wertvolle Erfahrungen und neue Einblicke beschert. Bemerkenswert ist dabei auch die finanzielle Seite: Dank der EU-Förderung seien die Auslandspraktika für sie de facto ohne zusätzliche Kosten möglich gewesen. Selbst im für sein hohes Preisniveau bekannten Nizza an der Côte d’Azur sei sie mit den Erasmus+-Mitteln ausgekommen – freilich unter der Voraussetzung eines entsprechend sparsamen Lebensstils. Gerade dieser Aspekt ist der Schule ein besonderes Anliegen. Internationale Berufserfahrung soll schließlich keine Frage des elterlichen Geldbeutels sein. Das europäische Förderprogramm ermöglicht es auch Jugendlichen aus finanziell weniger privilegierten Familien, berufliche und persönliche Erfahrungen jenseits der Landesgrenzen zu sammeln.

AUS EINER CHANCE WURDE GELEBTE SCHULKULTUR. Die HAK/HAS Imst hat sich dabei insbesondere auf zweiwöchige Auslandspraktika spezialisiert. Neben gemeinsamen, von Lehrpersonen begleiteten Aufenthalten – etwa in Irland, Italien oder Frankreich – können die Jugendlichen auch während der Sommerferien eigenständig ein gefördertes Praktikum absolvieren. Gerade dieses freiwillige Angebot wird zunehmend angenommen. Was vor zehn Jahren als zusätzliche Ausbildungsmöglichkeit begann, ist längst zu einem festen Bestandteil der Schulkultur geworden. Jugendliche erzählen ihren Mitschülern von ihren Erlebnissen, geben Erfahrungen weiter und machen anderen Mut, selbst den Schritt ins Ausland zu wagen. Dass internationale Mobilität weit mehr vermittelt als Fremdsprachenkenntnisse oder berufliches Fachwissen, wurde beim Jubiläum immer wieder deutlich. Es geht auch darum, Verantwortung zu übernehmen, sich in unbekannten Situationen zurechtzufinden, kulturelle Unterschiede zu verstehen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Nach zehn Jahren, 360 teilnehmenden Jugendlichen und 13 bereisten Ländern ist an der HAK/HAS Imst jedenfalls noch lange kein Ende der europäischen Entdeckungsreisen in Sicht. Und vielleicht ist es gerade das schönste Ergebnis dieses Bildungsprojekts: Aus anfänglicher Unsicherheit wird Selbstvertrauen, aus Fremde Vertrautheit – und aus einem mutigen ersten Schritt nicht selten die Lust auf ein ganzes Leben voller neuer Erfahrungen.

 
Europas Grenzen überwinden …
Fernweh inklusive: Beim Erasmusday an der HAK/HAS Imst machten Jugendliche mit ihren persönlichen Auslandserfahrungen Lust auf berufliche Abenteuer jenseits der Landesgrenzen.

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