Artikel teilen
Artikel teilen >

Ewig lockt die Putenfarm

Neuerliches Bauansuchen für umstrittenen Geflügelstall in Obsteig

Nachdem das von den Anrainern massiv bekämpfte Bauprojekt eines Hühnerbauern im Obsteiger Weiler Wald vom Verfassungsgerichtshof gestoppt wurde, hat der Bauwerber nun erneut ein Bauansuchen an den Bürgermeister gestellt. Dieses wird nun geprüft.

28. Juli 2026
Ewig lockt die Putenfarm<br />
Der Widerstand gegen das erneut eingereichte Bauansuchen bleibt groß, wie diese Protestaktion zeigt.
Foto: privat
Schon vor dem ersten Bauansuchen und der zunächst positiven Widmung durch den Gemeinderat gingen die Bewohner des von Landwirtschaft geprägten und am Landschaftsschutzgebiet gelegenen Obsteiger Weilers Wald auf die Barrikaden: Man hätte bereits mit dem bestehenden Hühnerstall des Bauwerbers Probleme und wolle auf keinen Fall eine große Geflügelfarm mit tausenden Puten, so die einhellige Meinung der überwiegenden Mehrheit der dortigen Bewohner. Nachdem die Causa mehrere Instanzen durchlief und der Verfassungsgerichtshof der Widmung schließlich die rote Karte erteilte, wurde aus dem Grundstück ein sogenannter „weißer Fleck“, sprich eine Fläche ohne Widmung, um die sich in weiterer Folge die Gemeinde zu kümmern hätte. Das Land hielt sich schadlos und erklärte die Angelegenheit zur Sache der Kommune, die wiederum einer neuerlichen Widmung die Absage erteilte. Der Bauwerber hatte trotz anhängiger Beschwerde eines Anrainers bereits mit dem Bau begonnen – „auf eigene Gefahr“, wie damals Bezirkshauptfrau Eva Loidhold im noch schwebenden Verfahren warnte.

THE SAME PROCEDURE. Dann passierte monatelang nichts, bis der Bauwerber sein Ansuchen am 10. Juni dieses Jahres zurückzog und damit dem unter Umständen negativen Urteil zuvorkam und sich so die Möglichkeit eines neuerlichen Ansuchens offenhielt. Und tatsächlich trudelte nun wieder ein Bauansuchen im Gemeindeamt ein, über das nun Bürgermeister Erich Mirth
als Bauinstanz entscheiden muss. „Beim ersten schnellen Drüberschauen ist das Bauansuchen dasselbe wie beim ersten Mal“, meint der Dorfchef, der das Begehren nun wie jedes andere seiner Art abhandeln möchte. Derzeit wartet er auf die Gutachten der Landesstelle für Brandverhütung und des hochbautechnischen Sachverständigen und wird dann entscheiden: „Ich mache meinen Job, wie es sich gehört. Wenn die Gutachten da sind, wird die Bauverhandlung ausgeschrieben.“ Aber eigentlich müsste laut Tiroler Bauordnung unverzüglich (längstens jedoch innerhalb von sechs Monaten nach dem Inkrafttreten der Aufhebung) die Widmungsfestlegung erfolgen, wie es auch in der Novellierung vom 6. Juli festgelegt ist. Sprich, der Gemeinderat müsste schleunigst über die Widmung entscheiden und den Beschluss der Landesregierung zur aufsichtsbehördlichen Genehmigung vorlegen.

KEIN FRIEDE IM WEILER. Im Rahmen des Widmungsverfahrens werden erneut die Nachbarn Stellungnahmen abgeben können. Und wie die aussehen werden, scheint schon jetzt klar: „Der ganze Prozess mit dem erneuten Bauansuchen, Wochen nachdem selbiges im Zuge des Gerichtsverfahrens zurückgezogen wurde, ist schlichtweg absurd. Besonders fragwürdig ist dabei, dass sämtliche Gutachten im Zuge des Gerichtsverfahrens gratis für den Betreiber erstellt wurden, die er nun für das neuerliche Ansuchen nützt“, äußert Anrainerin Isolde Woolley ihren Unmut über das neuerliche Ansuchen und kündigt an: „Wir werden das Vorhaben weiter zu bekämpfen wissen, denn es geht um das Wohl des gesamten Weilers, der bereits massiv unter der Geflügelmast in der Weilermitte leidet.“ Der Projektwerber war indes zu keiner Stellungnahme bereit.

Aktuelle Artikel

Kommentare

0 Posts
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.