Gefährdetes Naturjuwel
Umdenken notwendig, um den Piburger See zu erhalten
Der idyllische Piburger See ist sowohl bei Gästen aus nah und fern als auch bei Einheimischen ein beliebtes Ausflugsziel. Das Gewässer wurde bereits 1929 als Naturdenkmal unter Schutz gestellt und zählt damit zu den ältesten Schutzgebieten Tirols. Doch klimatische Veränderungen und das Verhalten einzelner Besucherinnen und Besucher setzen dem sensiblen Ökosystem zunehmend zu. Nun rufen die Gemeinde, das Land und der Naturpark Ötztal eindringlich zum Umdenken auf, damit dieser wunderschöne See auch den künftigen Generationen in dieser Form erhalten bleib
1. Juli 2025
Bürgermeister Hansjörg Falkner, Landesrat René Zumtobel und Naturpark Ötztal-Geschäftsführer Thomas Schmarda (v. l.) appellieren an die Vernunft der Menschen, um das einzigartige Naturjuwel Piburger See auch für künftige Generationen zu schützen. RS-Foto: Grüneis
Seit Generationen zieht der Piburger See Badende und Erholungssuchende an. Schon einmal litt das Gewässer unter einer massiven Nährstoffbelastung, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind. Damals wurden entsprechende Maßnahmen eingeleitet, darunter die Installation eines sogenannten Olszewski-Rohrs, durch das sauerstoffarmes und nährstoffreiches Tiefenwasser abgeleitet wird. Diese Maßnahmen zeigten Wirkung.
DEM SEE GEHT DER SAUERSTOFF AUS. Inzwischen sind jedoch erneut negative Veränderungen zu verzeichnen: Eine Untersuchung des Instituts für Ökologie der Universität Innsbruck aus dem Jahr 2024 zeigt, dass die mit Sauerstoff angereicherte Schicht nur noch etwa zehn bis zwölf Meter unter die Oberfläche reicht. Darunter liegt eine Zone, in der nahezu kein Sauerstoff mehr vorhanden ist – der Piburger See erreicht eine Tiefe von bis zu 24 Metern. Setzt sich die Entwicklung fort, wird irgendwann ein Punkt ohne Wiederkehr erreicht. Der See würde dann aus gewässerökologischer Sicht kippen – mit schwerwiegenden Folgen für das Ökosystem.
BEWUSSTSEIN SCHAFFEN. Es gibt viele Bausteine, die zur aktuellen Entwicklung beitragen. Die Ursachen sind durch Studien der Universität Innsbruck hinlänglich erforscht. Dazu zählen vor allem die sich verändernden klimatischen Bedingungen mit steigenden Wassertemperaturen und niederschlagsarmen Perioden. Verstärkt werden die negativen Einflüsse jedoch durch das rücksichtslose Verhalten mancher Besucherinnen und Besucher. Anstatt die offizielle Badeanstalt zu nutzen, suchen sich viele einen Platz im sensiblen Uferbereich. Dabei wird die Vegetation zerstört, das Erdreich lockert sich – und mit ihm gelangen zusätzliche Nährstoffe in den See. Zudem werden jährlich Tonnen an Müll rund um den See und aus dem Wasser gesammelt. „Wir möchten niemanden abschrecken, sondern Bewusstsein schaffen“, so Bürgermeister Hansjörg Falkner. An diesem Punkt brauche es einen gemeinsamen Schulterschluss, betont Landesrat René Zumtobel. Auch er setzt auf Information statt Verbote: Es braucht eine Veränderung im Verhalten, die Natur hat ihre Grenzen. Um die Bevölkerung zu informieren, findet eine breit angelegte Informationskampagne statt. Wenn alle anderen Möglichkeiten erschöpft sind, wäre die Verordnung eines Betretungsverbots im Uferbereich die letzte Option.
WEITERES OLSZEWSKI-ROHR ANGEDACHT. In einem umfangreichen Projekt zur Qualitätsverbesserung, das 2023/24 durchgeführt wurde, haben Fachleute gemeinsam mit dem Naturpark konkrete Maßnahmen definiert: Durch jährlichen Schilf- und Rohrkolbenschnitt sowie das gezielte Umsiedeln von Seerosen aus bestimmten Buchten werden natürliche Filtermechanismen aktiviert. Gäste sollen ausschließlich die vorhandenen Sanitäranlagen benutzen – um Urin- und Nährstoffeinträge in den See zu vermeiden. „WC statt See“, so Naturpark Ötztal-Geschäftsführer Thomas Schmarda. Auch die Landwirtschaft wird in die Verantwortung genommen. Das Wildbaden abseits der offiziellen Badeanlage soll unterbunden werden. Ziel ist die Regeneration der sensiblen Ufervegetation. Die Installation eines weiteren Olszewski-Rohres steht zur Diskussion, um die Tiefenzirkulation zu verstärken und die Sauerstoffsituation zu stabilisieren. Dazu sind jedoch exakte Berechnungen erforderlich.
INFRASTRUKTUR STÖSST AN SEINE GRENZEN. Durch das hohe Besucheraufkommen stößt auch die Infrastruktur zunehmend an ihre Grenzen. Teilweise ist es Einsatzfahrzeugen nicht mehr möglich, ungehindert durchzukommen. Eine beim Bauhof installierte Informationstafel zeigt an, ob noch Parkplätze verfügbar sind – entfaltet jedoch nicht die erhoffte Wirkung, wie Bürgermeister Falkner berichtet. Ergänzend bietet der Ötztal Tourismus auf seiner Website einen Live-Status inklusive Live-Bild an – ein Service, der Gästen bereits vor der Anreise helfen soll, die Situation besser einzuschätzen.
DEM SEE GEHT DER SAUERSTOFF AUS. Inzwischen sind jedoch erneut negative Veränderungen zu verzeichnen: Eine Untersuchung des Instituts für Ökologie der Universität Innsbruck aus dem Jahr 2024 zeigt, dass die mit Sauerstoff angereicherte Schicht nur noch etwa zehn bis zwölf Meter unter die Oberfläche reicht. Darunter liegt eine Zone, in der nahezu kein Sauerstoff mehr vorhanden ist – der Piburger See erreicht eine Tiefe von bis zu 24 Metern. Setzt sich die Entwicklung fort, wird irgendwann ein Punkt ohne Wiederkehr erreicht. Der See würde dann aus gewässerökologischer Sicht kippen – mit schwerwiegenden Folgen für das Ökosystem.
BEWUSSTSEIN SCHAFFEN. Es gibt viele Bausteine, die zur aktuellen Entwicklung beitragen. Die Ursachen sind durch Studien der Universität Innsbruck hinlänglich erforscht. Dazu zählen vor allem die sich verändernden klimatischen Bedingungen mit steigenden Wassertemperaturen und niederschlagsarmen Perioden. Verstärkt werden die negativen Einflüsse jedoch durch das rücksichtslose Verhalten mancher Besucherinnen und Besucher. Anstatt die offizielle Badeanstalt zu nutzen, suchen sich viele einen Platz im sensiblen Uferbereich. Dabei wird die Vegetation zerstört, das Erdreich lockert sich – und mit ihm gelangen zusätzliche Nährstoffe in den See. Zudem werden jährlich Tonnen an Müll rund um den See und aus dem Wasser gesammelt. „Wir möchten niemanden abschrecken, sondern Bewusstsein schaffen“, so Bürgermeister Hansjörg Falkner. An diesem Punkt brauche es einen gemeinsamen Schulterschluss, betont Landesrat René Zumtobel. Auch er setzt auf Information statt Verbote: Es braucht eine Veränderung im Verhalten, die Natur hat ihre Grenzen. Um die Bevölkerung zu informieren, findet eine breit angelegte Informationskampagne statt. Wenn alle anderen Möglichkeiten erschöpft sind, wäre die Verordnung eines Betretungsverbots im Uferbereich die letzte Option.
WEITERES OLSZEWSKI-ROHR ANGEDACHT. In einem umfangreichen Projekt zur Qualitätsverbesserung, das 2023/24 durchgeführt wurde, haben Fachleute gemeinsam mit dem Naturpark konkrete Maßnahmen definiert: Durch jährlichen Schilf- und Rohrkolbenschnitt sowie das gezielte Umsiedeln von Seerosen aus bestimmten Buchten werden natürliche Filtermechanismen aktiviert. Gäste sollen ausschließlich die vorhandenen Sanitäranlagen benutzen – um Urin- und Nährstoffeinträge in den See zu vermeiden. „WC statt See“, so Naturpark Ötztal-Geschäftsführer Thomas Schmarda. Auch die Landwirtschaft wird in die Verantwortung genommen. Das Wildbaden abseits der offiziellen Badeanlage soll unterbunden werden. Ziel ist die Regeneration der sensiblen Ufervegetation. Die Installation eines weiteren Olszewski-Rohres steht zur Diskussion, um die Tiefenzirkulation zu verstärken und die Sauerstoffsituation zu stabilisieren. Dazu sind jedoch exakte Berechnungen erforderlich.
INFRASTRUKTUR STÖSST AN SEINE GRENZEN. Durch das hohe Besucheraufkommen stößt auch die Infrastruktur zunehmend an ihre Grenzen. Teilweise ist es Einsatzfahrzeugen nicht mehr möglich, ungehindert durchzukommen. Eine beim Bauhof installierte Informationstafel zeigt an, ob noch Parkplätze verfügbar sind – entfaltet jedoch nicht die erhoffte Wirkung, wie Bürgermeister Falkner berichtet. Ergänzend bietet der Ötztal Tourismus auf seiner Website einen Live-Status inklusive Live-Bild an – ein Service, der Gästen bereits vor der Anreise helfen soll, die Situation besser einzuschätzen.
Martin Grüneis 



