„Ich bin zwar nicht reich an Geld, aber reich an Menschen“
Ein Porträt von Cengiz Akyol
Cengiz empfängt mich in seiner Wohnung in Mötz mit einem fröhlichen Grinsen und festem Händedruck – ein herzlicher Empfang, den seine Stammgäste nur zu gut kennen. Bevor wir Platz nehmen, zeigt er mir stolz sein Firmenhandy. Über 2.000 Kontakte sind darin gespeichert. „Wenn die Leute höflich und nett zu mir sind, dann speichere ich sie als fixen Kontakt und sie werden zu meinen Stammkunden“, erklärt er. „Für diese Stammkunden bin ich zu jeder Uhrzeit erreichbar und fahre überallhin. Ihr Vertrauen darf ich nicht enttäuschen.“ Daraufhin stellt er mir Hilal vor, seine Tochter. Augenzwinkernd nennt er sie seine „Chefin“. Sie fährt tagsüber Taxi und leitet als Geschäftsführerin die wirtschaftlichen Belange des Unternehmens. Mit einem Stück ihres selbst gebackenen Kuchens und einer Tasse Kaffee setzen wir uns an den Tisch. Dann beginnt Cengiz zu erzählen – von seiner Lebensreise und von den vielen Taxifahrten, die Teil dieser Reise geworden sind.
20. August 2025
Cengiz und Tochter Hilal, die gemeinsam den Familienbetrieb steuern und Tag für Tag Menschen im Tiroler Oberland verbinden.
RS-Fotos: Hofer
RS-Fotos: Hofer
Vor beinahe sechzig Jahren wird Cengiz in der Stadt Turhal, Türkei, geboren. Nach seiner Ausbildung an der Handelsakademie tritt er den Militärdienst an. Mit sichtbarem Stolz zeigt er Fotos seines jüngeren Ichs: sportlich, kräftig, der Blick ernst, in militanter Haltung. Über Umwege – und mit der Unterstützung seiner Schwester und seines Schwagers – führt ihn sein Lebensweg ins Tiroler Oberland. Dort beginnt er im Hotel Holzleiten als Abwäscher. Wie ein roter Faden zieht sich Dankbarkeit durch seine Erzählung: Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die ihm geholfen haben. Eine dieser Personen ist „Frau Stecher“, die Eigentümerin des Hotels, die ihn bei bürokratischen Wegen unterstützte und ihm vieles erleichterte. In den darauffolgenden Jahren eröffnet er den ersten türkischen Supermarkt in Telfs, betreibt einen Kiosk-Imbiss in Nassereith, gründet eine Imbiss-Trafik-Kombination in Ehrwald, arbeitet als Glaser und handelt mit Marmor und Granit. Er erzählt von wirtschaftlichen Höhepunkten, aber auch von Widerständen und Missgeschicken. Schnell wird klar: Cengiz ist nicht nur ein Tausendsassa, sondern auch ein unerschütterlicher Optimist. Das Wort „aufgeben“ existiert in seinem Sprachschatz nicht.
FAMILIENSACHE. 2006 setzt er sich zum ersten Mal auf die Lenkerseite eines Taxis – und findet seine wahre Berufsliebe. Zunächst arbeitet er als Angestellter bei verschiedenen Taxiunternehmen der Region. Später baut er eine Partnerschaft mit einem regionalen Taxiunternehmen auf. Nach Jahren als Angestellter macht er sich 2018 gemeinsam mit seiner Tochter Sena selbstständig. Seit zwei Jahren hat Hilal die Geschäftsführung von ihrer Schwester übernommen. Sie hat einen mehrwöchigen Kurs absolviert, je eine schriftliche und eine mündliche Prüfung abgelegt, um die Taxi-Konzession zu erhalten. Viele Tagesschichten fährt sie selbst. „Manche unserer Stammkunden wollen trotzdem nur mit meinem Papa mitfahren“, erzählt Hilal schmunzelnd, „sie sagen dann, dass es für sie nur den Cengiz gibt.“ Mit sichtbarem Stolz erwähnt Cengiz, dass sein Unternehmen ein echtes Familienkonstrukt ist. Nicht nur er und Hilal sind involviert, auch andere seiner fünf Kinder bringen sich ein. Sein Sohn Islam fährt beispielsweise neben seinem Vollzeitjob als Versicherungskaufmann und Verkaufsleiter immer wieder Aushilfsschichten.
MENSCHENREICH. Cengiz beschreibt seine Kundschaft wie eine Kette, in der jedes Glied eine Person darstellt: Menschen, die nach der Arbeit nach Hause wollen, zwischen Terminen pendeln oder nach einer durchzechten Nacht beim Zeltfest sicher ans Ziel gebracht werden möchten. „Die Kunden vertrauen mir, deshalb versuche ich, allen ihren Wünschen nachzukommen und immer zuverlässig zu sein“, sinniert er, ein zufriedenes Grinsen im Gesicht. Auf die Frage, wie lange er mit fast 60 Jahren noch Taxi fahren möchte, antwortet er ohne Zögern: „Noch sehr lange. Ich liebe das Taxifahren, den Kontakt zu den Menschen, die verschiedenen Erlebnisse – jeder Tag ist anders.“ Wie viele Fahrgäste Cengiz in all den Jahren befördert hat, kann er nicht genau sagen. Er schätzt zwischen 20.000 und 30.000. „Das Schönste am Taxifahren ist, Menschen kennenzulernen. Ich bin zwar nicht reich an Geld, aber reich an Menschen – ich bezeichne mich deshalb stets als ,menschenreich‘.“ Die Frage, ob das nächtliche Leben eines Taxifahrers anstrengend sein kann, verneint Cengiz entschieden. Er habe noch nie ein ernsthaftes Problem mit einem Kunden gehabt. Außerdem sei er nachtaktiv und könne sich gar nicht mehr vorstellen, zu gewöhnlichen Zeiten schlafen zu gehen.
DANKBARKEIT ALS LEITMOTIV. Dankbarkeit als Leitmotiv. Zum Schluss unseres Gesprächs frage ich ihn, was das Tiroler Oberland für ihn so besonders macht – die Region, deren Straßen er unzählige Male befahren hat, deren Orte und Menschen ihm vertraut sind wie ein zweites Zuhause. Cengiz hält inne, seine Miene wird ernst. „Die Leute“, sagt er, sichtlich berührt. „Ich bin jedem in dieser Region unglaublich dankbar. Ohne die vielen schönen Begegnungen wäre ich nicht der, der ich heute bin. Meine Leidenschaft, Taxi zu fahren, wäre ohne sie nichts wert.“ Es ist ein Satz, der hängen bleibt. Einer, der das Wesen von Cengiz Akyol in wenigen Worten zusammenfasst: ein Mann, der seinen Reichtum nicht in Euros misst, sondern in den Begegnungen, die er auf den Straßen Tirols sammelt – Tag für Tag, Fahrt für Fahrt.
FAMILIENSACHE. 2006 setzt er sich zum ersten Mal auf die Lenkerseite eines Taxis – und findet seine wahre Berufsliebe. Zunächst arbeitet er als Angestellter bei verschiedenen Taxiunternehmen der Region. Später baut er eine Partnerschaft mit einem regionalen Taxiunternehmen auf. Nach Jahren als Angestellter macht er sich 2018 gemeinsam mit seiner Tochter Sena selbstständig. Seit zwei Jahren hat Hilal die Geschäftsführung von ihrer Schwester übernommen. Sie hat einen mehrwöchigen Kurs absolviert, je eine schriftliche und eine mündliche Prüfung abgelegt, um die Taxi-Konzession zu erhalten. Viele Tagesschichten fährt sie selbst. „Manche unserer Stammkunden wollen trotzdem nur mit meinem Papa mitfahren“, erzählt Hilal schmunzelnd, „sie sagen dann, dass es für sie nur den Cengiz gibt.“ Mit sichtbarem Stolz erwähnt Cengiz, dass sein Unternehmen ein echtes Familienkonstrukt ist. Nicht nur er und Hilal sind involviert, auch andere seiner fünf Kinder bringen sich ein. Sein Sohn Islam fährt beispielsweise neben seinem Vollzeitjob als Versicherungskaufmann und Verkaufsleiter immer wieder Aushilfsschichten.
MENSCHENREICH. Cengiz beschreibt seine Kundschaft wie eine Kette, in der jedes Glied eine Person darstellt: Menschen, die nach der Arbeit nach Hause wollen, zwischen Terminen pendeln oder nach einer durchzechten Nacht beim Zeltfest sicher ans Ziel gebracht werden möchten. „Die Kunden vertrauen mir, deshalb versuche ich, allen ihren Wünschen nachzukommen und immer zuverlässig zu sein“, sinniert er, ein zufriedenes Grinsen im Gesicht. Auf die Frage, wie lange er mit fast 60 Jahren noch Taxi fahren möchte, antwortet er ohne Zögern: „Noch sehr lange. Ich liebe das Taxifahren, den Kontakt zu den Menschen, die verschiedenen Erlebnisse – jeder Tag ist anders.“ Wie viele Fahrgäste Cengiz in all den Jahren befördert hat, kann er nicht genau sagen. Er schätzt zwischen 20.000 und 30.000. „Das Schönste am Taxifahren ist, Menschen kennenzulernen. Ich bin zwar nicht reich an Geld, aber reich an Menschen – ich bezeichne mich deshalb stets als ,menschenreich‘.“ Die Frage, ob das nächtliche Leben eines Taxifahrers anstrengend sein kann, verneint Cengiz entschieden. Er habe noch nie ein ernsthaftes Problem mit einem Kunden gehabt. Außerdem sei er nachtaktiv und könne sich gar nicht mehr vorstellen, zu gewöhnlichen Zeiten schlafen zu gehen.
DANKBARKEIT ALS LEITMOTIV. Dankbarkeit als Leitmotiv. Zum Schluss unseres Gesprächs frage ich ihn, was das Tiroler Oberland für ihn so besonders macht – die Region, deren Straßen er unzählige Male befahren hat, deren Orte und Menschen ihm vertraut sind wie ein zweites Zuhause. Cengiz hält inne, seine Miene wird ernst. „Die Leute“, sagt er, sichtlich berührt. „Ich bin jedem in dieser Region unglaublich dankbar. Ohne die vielen schönen Begegnungen wäre ich nicht der, der ich heute bin. Meine Leidenschaft, Taxi zu fahren, wäre ohne sie nichts wert.“ Es ist ein Satz, der hängen bleibt. Einer, der das Wesen von Cengiz Akyol in wenigen Worten zusammenfasst: ein Mann, der seinen Reichtum nicht in Euros misst, sondern in den Begegnungen, die er auf den Straßen Tirols sammelt – Tag für Tag, Fahrt für Fahrt.






