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„Katharina Lanz‘ bewaffnete Nachfolgerinnen“

Diskussion über „Schützinnen“ im „Bund der Tiroler Schützenkompanien“

Wie in Schützenkreisen hinlänglich bekannt, geht die Tiroler Schützentradition auf Kaiser Maximilian I. zurück. Am meisten in Verbindung gebracht wird dieses Erbe allerdings mit den Tiroler Freiheitskämpfen und mit Andreas Hofer. Schon zu dieser Zeit waren Frauen direkt oder indirekt in Kampfhandlungen involviert. Man denke nur an das „Mädchen von Spinges“, Katharina Lanz, und an die beiden Tiroler Patriotinnen Therese von Sternbach und Giuseppina Negrelli. Nicht bekannt ist allerdings, ob einst von Frauen generell Schusswaffen benutzt worden sind. Nun aber entbrannte eine Diskussion, ob bei den Tiroler Schützen Mitglieder der Damenwelt mit Gewehren bewaffnet werden sollen.

9. September 2025
„Katharina Lanz‘ bewaffnete Nachfolgerinnen“<br />
„Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren!“ Landeskommandant Major Thomas Saurer bei seinen Ausführungen zum aktuellen Thema „Schützinnen“. Neben ihm: Viertel- und Regimentskommandant Major Hubert Juen Foto: Archiv: Krismer
Am letzten Freitag tagten das „Schützenviertel Oberland“ und das „Oberinntaler Schützenregiment“ in Galtür (Bericht: Seite 24). Dabei kam auch das von den zwei Oberländer Schützenkompanien Fließ und Ladis eingebrachte Ansuchen, Frauen als Gewehrschützinnen ausrücken zu lassen, zur Sprache. Ausführungen dazu kamen von Landeskommandant Major Thomas Saurer: „Wir wurden bereits mit Zurufen von außen konfrontiert. Von ‚Frauenversteher‘, über ‚führungsschwach‘, bis hin zu ‚mutig, sich dem Thema zu stellen‘, habe ich persönlich alles gehört. Mit plakativen, reißerischen Schlagzeilen versucht man, von außen Stimmung zu machen, unsere Gemeinschaft zu spalten; aber an euch, Schützen und Marketenderinnen, wir dürfen das nicht zulassen. Es ist unser Nachdenkprozess und wir lassen uns nicht auseinanderdividieren, nur weil wir uns einem herausfordernden Thema stellen müssen. Ganz im Gegenteil, gerade in solchen Momenten ist es wichtig, Stärke zu zeigen“. Warum kann man so etwas nicht zentral absagen? So der Landeskommandant weiter auf diese Frage: „Es widerspricht unseren demokratischen Grundsätzen. Gerade jetzt bedarf es Besonnenheit, Offenheit und Begegnung auf Augenhöhe“. Saurer wurde auch gefragt, warum es überhaupt einen Dialog oder eine Meinungsbildung braucht, oder ob das nicht frei entschieden werden kann? Er erinnerte an die einstige Diskussion über „die Tiroler Schützen in der NS-Zeit“: „Auch dieses Thema musste eingehend aufgearbeitet werden, obwohl immer wieder laut wurde, dass die Erörterung dieser Angelegenheit nicht mehr erwünscht sei. Die Aufarbeitung ergab jedoch, dass am Ende diese Sache erledigt war. So soll es auch in dieser aktuellen Causa der Fall sein!“ Eine Meinungsäußerung dazu und ob ja oder nein, konnte keinem der Befragten entlockt werden – allenfalls ein verschmitztes Lächeln.

FRAGEN ÜBER FRAGEN. Dieser Vorschlag wirft aber einige Fragen auf: Ist ein ausreichendes Interesse von Seiten der Damenwelt überhaupt gegeben? Schlüpfen die Schützinnen in eine Lederhose, oder bekleiden sie sich mit der für Frauen üblichen Dirndltracht? Bleiben sie Schützinnen, oder können sie auch in einen Offiziersrang befördert werden und bekommen einen Säbel umgeschnallt? Falls ja, nennen sie sich dann Frau Leutnant, Frau Oberleutnant, Frau Hauptmann oder Frau Major, oder gar Leutnantin, Oberleutnantin, Hauptmännin oder Hauptfrau, oder Majorin? Bekommen sie als Letzteres das Oberkommando einer Schützenkompanie, eines Schützenbataillons, eines Schützenregiments und eines Schützenviertels übertragen? Und werden am Ende sogar Schützen zu Marketender?

DIE GRÜNEN. So nebenbei verwirrend ist allerdings, dass sich ausgerechnet die Grünen mit der Landtagsabgeordneten Zeliha Arslan für eine Gewehrbewaffnung der Frauen bei den Tiroler Schützen starkmachen, wenngleich man von dieser politischen Partei eher geneigt ist zu glauben, dass sie gegen Waffen ist. Oder geht es da mehr um die Gleichberechtigung der Frauen und den Bruch einer traditionsreichen Männerdomäne? „Ein Schelm, der Böses dabei denkt!“

EIN BLICK ZURÜCK. Eingangs erwähnt sind Katharina Lanz, Therese von Sternbach und Giuseppina Negrelli. Erwähnung finden muss aber auch eine Frau aus Karres: Juliana Krismer, Schwester von Priester Stephan Krismer (im Volksmund „Karrer Stöffele“). Sie soll 1809 in der Schlacht am „Giggler-Tobl“ einem bayrischen Offizier ins Knie geschossen haben. In dieser Schlacht – für die Stephan Krismer von den Paznauner Bauern den Oberbefehl erteilt bekam – kämpften auch über hundert einheimische Frauen und Mädchen, die sich mit bäuerlichem Werkzeug bewaffnet hatten. Juliana Krismer trat später in das von ihrem Bruder gegründete Kloster in Imst ein und gab sich den Ordensnamen Peter Paulina. Sie starb dort am 6. April 1858 mit 77 Jahren und ist am Imster
Pfarrfriedhof begraben.
„Katharina Lanz‘ bewaffnete Nachfolgerinnen“<br />
Die „Katharina Lanz Medaille“. Sie geht zurück auf die Tiroler Volksheldin, die im Zuge der Tiroler Freiheitskämpfe 1797 in Spinges gegen die napoleonischen Truppen gekämpft hat. Sie wird an Marketenderin für Verdienste im „Bund der Tiroler Schützenkompanien“ vergeben. Foto: Archiv: Krismer

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