Artikel teilen
Artikel teilen >

KOMMENTAR: Menschen abbauen ist leichter als Bürokratie

23. Juli 2026
KOMMENTAR: Menschen abbauen ist leichter als Bürokratie
Die geplanten Schließungen von ÖGK-Servicestellen sorgen für Kritik – besonders in den Regionen, wo persönliche Ansprechpartner zunehmend wegfallen. Foto: Martin Grüneis
Das Loch im Staatshaushalt ist gewaltig. Und wie jedes gute Staatsprojekt wird es Jahr für Jahr professionell verwaltet – nur leider nicht kleiner. Plötzlich werden wieder Rechnungshofberichte entstaubt und längst bekannte Einsparungsempfehlungen des Fiskalrates als neue Entdeckung verkauft. Also sperren wir Bezirksgerichte, ÖGK-Stellen oder Finanzämter zu. Was kommt als Nächstes? Bezirkshauptmannschaften? Polizeiposten? Vielleicht spart man irgendwann auch die Ortstafeln ein – Google Maps weiß ohnehin, wo wir wohnen.

Dabei wäre gerade jetzt das Gegenteil notwendig. In einer Welt, in der selbst das Einloggen bei der ID Austria zur Mutprobe geworden ist, braucht es Menschen aus Fleisch und Blut. Ansprechpartner, die helfen, wenn digitale Formulare kapitulieren, Passwörter verschwinden oder Behörden-Deutsch wieder einmal eine Fremdsprache wird. Und nein: Nicht nur Pensionisten geraten dabei an ihre Grenzen.

Machen Sie ein Jahr Sabbatical im Dschungel. Ohne Handy, ohne Updates, ohne QR-Codes. Nach Ihrer Rückkehr werden Sie selbst als aktuell noch eingefleischter IT-Profi dankbar sein, wenn Ihnen ein physisch greifbares Exemplar der Spezies Mensch erklärt, wie Sie Ihre Chefarztbewilligung für das Medikament gegen die eingefangene Virusvariante beantragen – oder wie Sie ein Exekutionsverfahren bereinigen, weil in zwölf Monaten vielleicht die eine oder andere Rechnung versehentlich liegen geblieben ist.

Gespart werden muss. Daran führt kein Weg vorbei. Aber vielleicht sollte man dort beginnen, wo Österreich seit Jahrzehnten Weltmeister ist: bei seinen Doppel- und Dreifachstrukturen.
Kabarettist Klaus Eckel macht sich seit Jahren darüber lustig, dass Österreich neun verschiedene Bestattungsgesetze, Feuerwehrgesetze, Jugendschutzgesetze oder Imkereivorschriften braucht. Frei nach dem Motto, steirische Bienen bellen, während Ötztaler Bienen im UNESCO-geschützten Dialekt summen und ein Brand in Vorarlberg vermutlich im Burgenland als Hochwasser gilt.

So überspitzt das klingt: Der Witz trifft einen wahren Kern. Bevor wir die letzten Serviceeinrichtungen in den Regionen zusperren, wäre es vielleicht klüger, dort aufzuräumen, wo neunmal geregelt wird, was einmal völlig reichen würde. Das spart Geld – und kostet die Menschen nicht den letzten greifbaren Ansprechpartner.

Niki Meze
GF Stv.
RUNDSCHAU

Aktuelle Artikel

Kommentare

0 Posts
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.