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Was hat Ötzi mit der Gletscherarchäologie zu tun?

35 Jahre Ötzi-Fund bot die passende Gelegenheit für das 1. Archäologie-Forum im Ötzi-Dorf

Vor nunmehr 35 Jahren wurde Ötzi beim Tisenjoch auf 3.200 Metern von den deutschen Wanderern Erika und Helmut Simon entdeckt. Der sensationelle Fund war nicht nur Initialzündung für den Bau des Ötzi-Dorfs in Umhausen, sondern gab vor allem der Gletscherarchäologie einen kräftigen Schub. Beim 1. Archäologie-Forum im Ötzi-Dorf gaben renommierte Wissenschafter Einblicke in die neuesten Forschungen rund um den Mann aus dem Eis. Hochkarätige Vorträge luden zu spannenden Diskussionen.

16. Juni 2026
Was hat Ötzi mit der Gletscherarchäologie zu tun?<br />
Das 1. Archäologie-Forum im Ötzi-Dorf. Im Bild: Geschäftsführer Leonhard Falkner, Walter Leitner, Ötzi-Erich, Hubert Steiner, Albert Hafner, Andreas Putzer und Kurt Nicolussi (v. l.) Foto: Hirsch
Es war ein strahlender Herbsttag, als am 19. September 1991 das Ehepaar Simon beim Tisenjoch auf 3.200 Metern eine Leiche entdeckte. Der außergewöhnlich heiße Sommer ließ den Gletscher zurückgehen. Sechs Leichen gab das ewige Eis in Tirol frei: Touristen, Bergsteiger und Wanderer. Hinter der sechsten Leiche verbarg sich nicht nur ein Mordfall, sondern auch eine weltweite Schlagzeile. Gestorben vor 5.300 Jahren, im Neolithikum bzw. der Jungsteinzeit, ist Ötzi die älteste erhaltene Mumie der Welt und eine wissenschaftliche Sensation. Bis heute gilt die unscheinbare Mumie als eine der spektakulärsten Entdeckungen der Archäologie, weil sie detaillierte Einblicke in die Lebensumstände der Jungsteinzeit gibt. Mit ihm wurde ein Tor in die Vergangenheit geöffnet. 

Der Mann aus dem Eis. Aus der Steinzeit gibt es kaum archäologische Funde, detaillierte Einblicke in diese Zeit sind also schwierig. Der gute Erhaltungszustand Ötzis änderte das aber grundlegend. Fächerübergreifende Forschungen, unzählige Publikationen, weltweite Schlagzeilen und ein neuer Blick auf die Gletscherarchäologie waren die Folge. Walter Leitner, Archäologe und seit 25 Jahren wissenschaftlicher Leiter des archäologischen Freilichtparks Ötzi-Dorf: „Ohne die Zusammenarbeit, vor allem mit den Naturwissenschaften, hätten wir nie ein so umfassendes Bild von Ötzi erhalten, wie wir es heute haben. So wurden zum Beispiel seine Haare vom Landeskriminalamt in Wiesbaden untersucht.“ 

Steckbrief Ötzi. Sein Todeszeitpunkt konnte auf die Zeit um 3.200 v. Chr. datiert werden. Er war dabei vermutlich Mitte 40 Jahre alt. Die Mumie ist heute noch 1,58 Meter groß. Da der Körper beim Gefrieren schrumpfte, muss er zu Lebzeiten wohl von stattlicher Figur gewesen sein. Seine DNA wurde entschlüsselt, seine Essgewohnheiten untersucht. Seine letzte Mahlzeit bestand aus Hirsch, Steinbock, Getreide und Farn. Seine genaue Herkunft konnte im Zahnschmelz herausgelesen werden, seine Kleidung wurde untersucht und nachgebaut, seine Waffen erprobt und über seinen wohl hohen Status gerätselt, da er ein für diese Zeit unglaublich wertvolles Kupferbeil bei sich trug. Ötzi war über 50-mal tätowiert. Strichbündel aus Kohle zieren seinen Körper, die wohl medizinischen Hintergrund hatten. Nicht ohne Grund, denn seine Krankenakte ist lang: gebrochene Rippe, schwarze Lungen, Arthritis, Gefäßverkalkungen und Magengeschwüre. Doch daran ist er nicht gestorben. Ein Pfeil in seiner Schulter, der vermutlich eine Hauptschlagader zerfetzte, war die Todesursache. Ötzi ist ein Mordopfer. 

Archäologie-Forum. Der archäologische Freilichtpark Ötzi-Dorf in Umhausen bietet einen lebendigen Einblick in die jungsteinzeitliche Geschichte. Das Ötzi-Dorf ist kein Museum im herkömmlichen Sinn, sondern ein Freilichtpark, der sich der wissenschaftlichen Genauigkeit und Authentizität verschrieben hat. Das 1. Archäologie-Forum im Ötzi-Dorf in Umhausen reiht sich daher nahtlos in die bisherigen Veranstaltungen ein. Ausschlaggebend für die Idee war das 35-jährige Auffindejubiläum der Gletschermumie Ötzi. Renommierte Wissenschafter, wie Albert Hafner, Kurt Nicolussi, Andreas Putzer, Hubert Steiner und Walter Leitner, gaben Einblicke in die neuesten Forschungen. Der Bogen reichte von hochalpinen Eisfunden in den Berner Alpen, wo die ältesten Spuren 7.000 Jahre zurückreichen, über neueste Analysen zu Holzfunden, über archäologische Spuren im Umfeld der Ötzi-Fundstelle bis hin zu den letzten Stunden des Mannes im Eis. Man zog gemeinsam Resümee über viele Jahre Forschung und konnte so ein gutes Bild rund um die Gletschermumie zeichnen. Ein Forum, das nicht nur für Wissenschafter gedacht war, sondern für Geschichtsinteressierte, Archäologie-Fans und Neugierige, die mehr über eine der bedeutendsten Entdeckungen Europas erfahren möchten. „Wenn selbst ein Touristiker wie ich ins archäologische Schwärmen kommt, dann zeigt das 1. Archäologie-Forum, wie spannend das Thema sein kann“, so Leonhard Falkner, Geschäftsführer Ötzi-Dorf und Greifvogelpark. 

Forschung geht weiter. „Das Forum hat aber auch gezeigt, dass man weiter forschen muss, um das Puzzle noch besser zusammensetzen zu können“, so Hubert Steiner, Archäologe und Mitarbeiter Landesdenkmalamt Bozen. „Obwohl es viele Forschungsergebnisse gibt, bleiben noch Fragen offen. Der Mann aus dem Eis ist immer noch für Überraschungen gut“, ergänzt Walter Leitner. Hubert Steiner: „Gletscherarchäologie ist 35 Jahre nach Auffindung von Ötzi nach wie vor ein Gebot der Stunde.“ 

 

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