Wiederherstellung läuft auf Hochtouren
Nach Unwetter: Kläranlage in Sölden teilweise wieder in Betrieb – die Wasserqualität der Ötztaler Ache im Fokus
Nach der Vermurung der Kläranlage in Sölden-Kaisers ist die Abwasserreinigung weiterhin nur eingeschränkt möglich. Auslöser war ein ungewöhnlich starkes Gewitter am 29. Juli, das innerhalb nur einer Stunde massive Schäden an einem der größten Klärwerke Tirols verursachte. Die Gemeinde arbeitet an der schrittweisen Wiederinbetriebnahme, Experten empfehlen zusätzliche Messungen der Wasserqualität. Das Land Tirol verstärkt vorsorglich Monitoring.
25. August 2026
Der „Auslöser“ der Katastrophe: Der an sich harmlose Wütenbach in Kaisers machte am 29. Juli 2026 – wieder einmal – seinem Namen alle Ehre ... Foto: Land Tirol/Brandhuber
Nach einem ungewöhnlich starken Gewitter am 29. Juli, das innerhalb nur einer Stunde zu massiven Vermurungen und schweren Schäden führte, ist die Kläranlage in Sölden nach wie vor stark beeinträchtigt. Zwar konnte inzwischen die Siebanlage wieder in Betrieb genommen werden, eine vollständige Reinigung der Abwässer ist derzeit jedoch noch nicht möglich. Dadurch können unter anderem Nährstoffe, Medikamentenrückstände und Krankheitserreger in die Ötztaler Ache gelangen. Die Kläranlage ist für rund 75.000 Einwohnerwerte ausgelegt. Wie stark sich die derzeitigen Einleitungen auf die Ache auswirken, hängt wesentlich von der Wasserführung und damit von der Verdünnung ab.
Derzeit hohe Wasserführung. Seitens der Gemeinde wird auf die aktuell große Wassermenge der Ötztaler Ache verwiesen. Söldens Vizebürgermeister Maximilian Riml erklärt: „Die Ötztaler Ache führt derzeit im Schnitt über 3.000.000 m³ Wasser pro Tag. Die Abwassermenge aus Sölden beträgt im Vergleich dazu derzeit ca. 5.000 m³ pro Tag.“ Gleichzeitig laufen die Arbeiten an der beschädigten Kläranlage weiter. „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Wiederinstandsetzung der Kläranlage. Unsere Mitarbeiter leisten gemeinsam mit den beauftragten Fachfirmen derzeit Außergewöhnliches, um die stufenweise Wiederherstellung so rasch wie möglich voranzutreiben. Ein erster Erfolg ist uns dabei schon letzte Woche mit der Wiederinbetriebnahme der Siebanlage gelungen.“ Für den weiteren Fortschritt seien vor allem „die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und entsprechende Liefertermine“ entscheidend.
Situation im Herbst beobachten. Mit sinkender Wasserführung im Herbst könnte die Verdünnung allerdings deutlich geringer ausfallen. Gleichzeitig steigt mit Beginn der Wintersaison das Abwasseraufkommen in Sölden wieder an. Gewässerökologe Gabriel Singer vom Institut für Ökologie der Universität Innsbruck sieht deshalb weitere Untersuchungen als sinnvoll an. Er betont: „Die ernsthaften Bemühungen in Sölden finde ich durchaus angebracht. Verdünnung lindert das Problem beträchtlich, sie lässt es aber leider nicht verschwinden. Die Ötztaler Ache fließt derzeit mit ca.
30 m3/s. Nimmt man den kompletten Ausfall einer vollausgelasteten Kläranlage mit 75.000 Einwohnerwerten an, dann liefert die Ache ca. 200-mal so viel Wasser wie der erwartbare Abwasserstrom. Eine grobe Hochrechnung würde in etwa eine 30-fache Überschreitung des Grenzwerts für Badewasserqualität ergeben. Eine Wiederinbetriebnahme der Anlage ist eher erst in Monaten zu erwarten, die Auslastung der Kläranlage wird mit Beginn der Wintersaison wohl ansteigen und gleichzeitig der Abfluss der Ötztaler Ache auf ca. 5 m3/s sinken.“ Auch vom Baden – ob das in einem reißenden Fluss überhaupt jemand macht? – in der Ötztaler Ache rät der Experte derzeit ab und sagt weiters: „Dies sind natürlich alles nur Hochrechnungen mit Kennzahlen. Aber ich denke, das wäre Grund genug, tatsächliche Messungen flussab der KA Sölden zu veranlassen. Damit wäre dann eine seriöse Risikoabschätzung möglich.“
unermüdlicher einsatz. Die Gemeinde Sölden arbeitet nach wie vor auf Hochdruck, um die möglichst rasche Wiederherstellung der Anlage zu ermöglichen. Riml: „Wir konzentrieren uns darauf, Lösungen umzusetzen, die notwendigen Arbeiten voranzutreiben und die Kläranlage Schritt für Schritt wieder vollständig in Betrieb zu nehmen.“
vorsorgliche maßnahmen. Das Land Tirol hat nun vorsorglich das Gewässermonitoring verstärkt. „Die Auswertung dieser entnommenen Proben ergab aus wasserwirtschaftlicher Sicht nach wie vor keinen Hinweis auf eine kritische Belastung“, erklärt Markus Federspiel, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes. Zusätzliche mikrobiologische Untersuchungen weisen allerdings auf erhöhte Keimzahlen hin. Die Bezirkshauptmannschaft Imst verhängte daher vorsorglich ein Schifffahrtsverbot von der Brandachbrücke talauswärts bis zur Mündung. Betroffen sind insbesondere Rafting und Kanufahren. „Wir haben noch keine endgültigen Ergebnisse der zusätzlich durchgeführten mikrobiologischen Untersuchung. Aktuell liegen nur erste Probeauswertungen vor, die aufgrund der anhaltenden Ausnahmesituation erhöhte Keimzahlen vorweisen. Diese mögliche bakterielle Belastung ist ernst zu nehmen“, erklärt Gesundheitsdirektorin Theresa Geley und führt weiter aus: „Auswirkungen auf das Trinkwasser der Region sind nach aktuellem Kenntnisstand wie bereits in den vergangenen Wochen kommuniziert nicht zu erwarten. Baden und Wassersport in der Ache und die damit verbundene Gefahr des Schluckens bzw. Einatmens von Wasser könnten nach den nun vorliegenden Teilergebnissen der zusätzlichen Untersuchung jedoch Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Dies gilt besonders für Kinder, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, ältere Menschen und Schwangere. Daher soll in der Ötztaler Ache aktuell nicht gebadet oder Wassersport betrieben werden. Auch Hunde und andere Haustiere sollten nicht ins Gewässer gelassen werden bzw. daraus trinken. Bei Kontakt mit dem Wasser wird eine anschließende gründliche Reinigung der betroffenen Körperregionen und der betroffenen Kleidung sowie das sorgfältige Waschen der Hände mit Seife empfohlen.“
keine panik. Das Trinkwasser im Ötztal ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht betroffen. Die Wasserproben zeigen abgesehen von der möglichen bakteriellen Belastung keine gewässerökologisch kritischen Auffälligkeiten. „Schließlich haben wir die Ergebnisse der aktuellen Proben auch mit Messungen aus den vergangenen Jahren verglichen. Auch im Vergleich mit diesen langjährigen Untersuchungsergebnissen zeigen die aktuellen Messungen keine gewässerökologischen Auffälligkeiten“, so Federspiel. Direkt unterhalb der Einleitungsstelle wurden erhöhte Nährstoffkonzentrationen festgestellt. Durch die hohe Wasserführung werden diese flussabwärts stark verdünnt. „Geschätzt entsteht pro Tag eine Abwassermenge von rund 4.000 bis 6.000 Kubikmetern, die in die Ache fließt. Im Bereich Sölden führt die Ache rund 35 Kubikmeter Wasser pro Sekunde im Tagesmittel. Damit verdünnt sich das Abwasser in der Ache mit dem Faktor von rund 500 bis 700“, so Federspiel.
Derzeit hohe Wasserführung. Seitens der Gemeinde wird auf die aktuell große Wassermenge der Ötztaler Ache verwiesen. Söldens Vizebürgermeister Maximilian Riml erklärt: „Die Ötztaler Ache führt derzeit im Schnitt über 3.000.000 m³ Wasser pro Tag. Die Abwassermenge aus Sölden beträgt im Vergleich dazu derzeit ca. 5.000 m³ pro Tag.“ Gleichzeitig laufen die Arbeiten an der beschädigten Kläranlage weiter. „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Wiederinstandsetzung der Kläranlage. Unsere Mitarbeiter leisten gemeinsam mit den beauftragten Fachfirmen derzeit Außergewöhnliches, um die stufenweise Wiederherstellung so rasch wie möglich voranzutreiben. Ein erster Erfolg ist uns dabei schon letzte Woche mit der Wiederinbetriebnahme der Siebanlage gelungen.“ Für den weiteren Fortschritt seien vor allem „die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und entsprechende Liefertermine“ entscheidend.
Situation im Herbst beobachten. Mit sinkender Wasserführung im Herbst könnte die Verdünnung allerdings deutlich geringer ausfallen. Gleichzeitig steigt mit Beginn der Wintersaison das Abwasseraufkommen in Sölden wieder an. Gewässerökologe Gabriel Singer vom Institut für Ökologie der Universität Innsbruck sieht deshalb weitere Untersuchungen als sinnvoll an. Er betont: „Die ernsthaften Bemühungen in Sölden finde ich durchaus angebracht. Verdünnung lindert das Problem beträchtlich, sie lässt es aber leider nicht verschwinden. Die Ötztaler Ache fließt derzeit mit ca.
30 m3/s. Nimmt man den kompletten Ausfall einer vollausgelasteten Kläranlage mit 75.000 Einwohnerwerten an, dann liefert die Ache ca. 200-mal so viel Wasser wie der erwartbare Abwasserstrom. Eine grobe Hochrechnung würde in etwa eine 30-fache Überschreitung des Grenzwerts für Badewasserqualität ergeben. Eine Wiederinbetriebnahme der Anlage ist eher erst in Monaten zu erwarten, die Auslastung der Kläranlage wird mit Beginn der Wintersaison wohl ansteigen und gleichzeitig der Abfluss der Ötztaler Ache auf ca. 5 m3/s sinken.“ Auch vom Baden – ob das in einem reißenden Fluss überhaupt jemand macht? – in der Ötztaler Ache rät der Experte derzeit ab und sagt weiters: „Dies sind natürlich alles nur Hochrechnungen mit Kennzahlen. Aber ich denke, das wäre Grund genug, tatsächliche Messungen flussab der KA Sölden zu veranlassen. Damit wäre dann eine seriöse Risikoabschätzung möglich.“
unermüdlicher einsatz. Die Gemeinde Sölden arbeitet nach wie vor auf Hochdruck, um die möglichst rasche Wiederherstellung der Anlage zu ermöglichen. Riml: „Wir konzentrieren uns darauf, Lösungen umzusetzen, die notwendigen Arbeiten voranzutreiben und die Kläranlage Schritt für Schritt wieder vollständig in Betrieb zu nehmen.“
vorsorgliche maßnahmen. Das Land Tirol hat nun vorsorglich das Gewässermonitoring verstärkt. „Die Auswertung dieser entnommenen Proben ergab aus wasserwirtschaftlicher Sicht nach wie vor keinen Hinweis auf eine kritische Belastung“, erklärt Markus Federspiel, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes. Zusätzliche mikrobiologische Untersuchungen weisen allerdings auf erhöhte Keimzahlen hin. Die Bezirkshauptmannschaft Imst verhängte daher vorsorglich ein Schifffahrtsverbot von der Brandachbrücke talauswärts bis zur Mündung. Betroffen sind insbesondere Rafting und Kanufahren. „Wir haben noch keine endgültigen Ergebnisse der zusätzlich durchgeführten mikrobiologischen Untersuchung. Aktuell liegen nur erste Probeauswertungen vor, die aufgrund der anhaltenden Ausnahmesituation erhöhte Keimzahlen vorweisen. Diese mögliche bakterielle Belastung ist ernst zu nehmen“, erklärt Gesundheitsdirektorin Theresa Geley und führt weiter aus: „Auswirkungen auf das Trinkwasser der Region sind nach aktuellem Kenntnisstand wie bereits in den vergangenen Wochen kommuniziert nicht zu erwarten. Baden und Wassersport in der Ache und die damit verbundene Gefahr des Schluckens bzw. Einatmens von Wasser könnten nach den nun vorliegenden Teilergebnissen der zusätzlichen Untersuchung jedoch Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Dies gilt besonders für Kinder, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, ältere Menschen und Schwangere. Daher soll in der Ötztaler Ache aktuell nicht gebadet oder Wassersport betrieben werden. Auch Hunde und andere Haustiere sollten nicht ins Gewässer gelassen werden bzw. daraus trinken. Bei Kontakt mit dem Wasser wird eine anschließende gründliche Reinigung der betroffenen Körperregionen und der betroffenen Kleidung sowie das sorgfältige Waschen der Hände mit Seife empfohlen.“
keine panik. Das Trinkwasser im Ötztal ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht betroffen. Die Wasserproben zeigen abgesehen von der möglichen bakteriellen Belastung keine gewässerökologisch kritischen Auffälligkeiten. „Schließlich haben wir die Ergebnisse der aktuellen Proben auch mit Messungen aus den vergangenen Jahren verglichen. Auch im Vergleich mit diesen langjährigen Untersuchungsergebnissen zeigen die aktuellen Messungen keine gewässerökologischen Auffälligkeiten“, so Federspiel. Direkt unterhalb der Einleitungsstelle wurden erhöhte Nährstoffkonzentrationen festgestellt. Durch die hohe Wasserführung werden diese flussabwärts stark verdünnt. „Geschätzt entsteht pro Tag eine Abwassermenge von rund 4.000 bis 6.000 Kubikmetern, die in die Ache fließt. Im Bereich Sölden führt die Ache rund 35 Kubikmeter Wasser pro Sekunde im Tagesmittel. Damit verdünnt sich das Abwasser in der Ache mit dem Faktor von rund 500 bis 700“, so Federspiel.
Christoph Hablitzel 





