„Zeuge des Glaubens in dunklen Zeiten!“
In Karres wurde am Sonntag (Annatag) eine Gedenktafel an Pfarrprovisor Josef Steinkelderer feierlich gesegnet
Vergangenen Sonntag feierte die Pfarre Karres den Annatag, das zweite Patrozinium der Pfarrkirche zu den Heiligen Stephanus und Anna. Im Rahmen der traditionellen Kirchtagsprozession wurde auf dem neu gestalteten Dorfplatz vor dem Widum eine Bronzetafel für Dr. Josef Steinkelderer gesegnet. Sie trägt den Titel „Zeuge des Glaubens in dunklen Zeiten“ und erinnert an den Priester, dessen Schicksal über Jahrzehnte im Dorf kaum mehr gegenwärtig war.
28. Juli 2026
Pfarrer Johannes Laichner mit der Bronzetafel für Dr. Josef Steinkelderer, die am Sonntag feierlich gesegnet wurde. Foto: Laichner
Pfarrer Johannes Laichner hat sich in den vergangenen Monaten auf eine intensive Spurensuche in den Archiven begeben, um das lange vergessene Lebenszeugnis Steinkelderers wieder ans Licht zu holen. „Steinkelderer gehört zu jenen Priestern, die während der NS-Zeit durch ihre klare Haltung zu wichtigen Zeugen des kirchlichen Widerstandes wurden. Sein Widerstand bestand nicht in großen politischen Worten, sondern in der Treue zu seinem Gewissen, zu seinem Glauben und zur Wahrheit. Mut zeigte sich für ihn dort, wo Schweigen leichter und bequemer gewesen wäre“, betont Laichner.
festgenommen und misshandelt. Josef Steinkelderer wurde 1904 in Innsbruck geboren und 1932 zum Priester geweiht. Nach dem „Anschluss“ Österreichs verlor er wegen seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen Regime seine Stelle als Religionslehrer. Im April 1938 kam er als Pfarrprovisor nach Karres. Schon wenige Wochen später zeigte sich sein Mut: Zum Herz-Jesu-Fest ließ er trotz der antikirchlichen Einschränkungen die weiß-gelbe päpstliche Fahne am Kirchturm von Karres hissen. Während der Prozession wurde sie von SA-Männern heruntergerissen. Als wenig später in Karres auch ein Kruzifix verstümmelt wurde, verlangte Steinkelderer gemeinsam mit Dorfbewohnern, dass der Vorfall aufgenommen werde. Er wollte nicht schweigen, wo der Glaube und die Würde des Menschen mit Füßen getreten wurden. Im August 1938 wurde der junge Priester erstmals festgenommen, misshandelt und inhaftiert. Im November 1939 folgte die neuerliche Verhaftung. Über das Konzentrationslager Sachsenhausen kam er in das KZ Dachau, wo er bis März 1945 gefangen blieb. Hunger, Krankheit und ständige Erniedrigungen prägten diese Jahre. Die neue Gedenktafel zeigt sein Porträt und seine Häftlingsnummer – das Gesicht eines Menschen neben jener Nummer, auf die ihn ein unmenschliches System reduzieren wollte.
keine verbitterung, keine gräben. Nach seiner Befreiung im Jahr 1945 zog sich Steinkelderer nicht verbittert zurück. Er wirkte maßgeblich am Aufbau der Caritas in Tirol mit und setzte sich für Familien, Flüchtlinge, Jugendliche und Menschen in Not ein. Aus dem selbst erfahrenen Leid erwuchs bei ihm eine besondere Aufmerksamkeit für das Leid anderer. Bis zu seinem Tod im Jahr 1972 blieb er eine prägende Persönlichkeit der kirchlichen Sozialarbeit in Tirol. Die Gedenktafel möchte keine alten Gräben aufreißen und keine Anklage erheben. Sie holt vielmehr einen Menschen wieder ans Licht, der für kurze, aber entscheidende Zeit als Priester in Karres wirkte und für seine Haltung einen hohen Preis bezahlte. Mit der Segnung am Annatag erhielten sein Name und sein Lebenszeugnis einen bleibenden Platz im Gedächtnis des Dorfes.
festgenommen und misshandelt. Josef Steinkelderer wurde 1904 in Innsbruck geboren und 1932 zum Priester geweiht. Nach dem „Anschluss“ Österreichs verlor er wegen seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen Regime seine Stelle als Religionslehrer. Im April 1938 kam er als Pfarrprovisor nach Karres. Schon wenige Wochen später zeigte sich sein Mut: Zum Herz-Jesu-Fest ließ er trotz der antikirchlichen Einschränkungen die weiß-gelbe päpstliche Fahne am Kirchturm von Karres hissen. Während der Prozession wurde sie von SA-Männern heruntergerissen. Als wenig später in Karres auch ein Kruzifix verstümmelt wurde, verlangte Steinkelderer gemeinsam mit Dorfbewohnern, dass der Vorfall aufgenommen werde. Er wollte nicht schweigen, wo der Glaube und die Würde des Menschen mit Füßen getreten wurden. Im August 1938 wurde der junge Priester erstmals festgenommen, misshandelt und inhaftiert. Im November 1939 folgte die neuerliche Verhaftung. Über das Konzentrationslager Sachsenhausen kam er in das KZ Dachau, wo er bis März 1945 gefangen blieb. Hunger, Krankheit und ständige Erniedrigungen prägten diese Jahre. Die neue Gedenktafel zeigt sein Porträt und seine Häftlingsnummer – das Gesicht eines Menschen neben jener Nummer, auf die ihn ein unmenschliches System reduzieren wollte.
keine verbitterung, keine gräben. Nach seiner Befreiung im Jahr 1945 zog sich Steinkelderer nicht verbittert zurück. Er wirkte maßgeblich am Aufbau der Caritas in Tirol mit und setzte sich für Familien, Flüchtlinge, Jugendliche und Menschen in Not ein. Aus dem selbst erfahrenen Leid erwuchs bei ihm eine besondere Aufmerksamkeit für das Leid anderer. Bis zu seinem Tod im Jahr 1972 blieb er eine prägende Persönlichkeit der kirchlichen Sozialarbeit in Tirol. Die Gedenktafel möchte keine alten Gräben aufreißen und keine Anklage erheben. Sie holt vielmehr einen Menschen wieder ans Licht, der für kurze, aber entscheidende Zeit als Priester in Karres wirkte und für seine Haltung einen hohen Preis bezahlte. Mit der Segnung am Annatag erhielten sein Name und sein Lebenszeugnis einen bleibenden Platz im Gedächtnis des Dorfes.
Gebi G. Schnöll 





