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„Wir wollen die beste Tiroler Mannschaft sein“

SC-Imst-Trainer Jens Scheuer im Gespräch zum Saisonstart

Am Freitag startet der SC Imst mit einem echten Härtetest in die neue Saison der Regionalliga West: Zum Auftakt gastiert die SVG Reichenau in der Velly Arena. Im RUNDSCHAU-Interview spricht Trainer Jens Scheuer über den personellen Umbruch seiner Mannschaft, die Ziele für die neue Spielzeit und die stärksten Konkurrenten im Kampf um die vorderen Tabellenplätze.

29. Juli 2026
„Wir wollen die beste Tiroler Mannschaft sein“
Jens Scheuer an der Seitenlinie (Foto: SC Imst)
RUNDSCHAU: Am kommenden Freitag bestreitet ihr den ersten Spieltag der aktuellen Regionalliga-Saison. Mit welchen Erwartungen gehst du in die kommende Spielzeit?
Jens Scheuer: Wir wollen uns wieder im vorderen Tabellendrittel bewegen und die beste Tiroler Mannschaft werden. Das ist unser Ziel und das bleibt unser Ziel. Die Aufgabe ist schwierig genug, denn neben der Reichenau und Kitzbühel, die sich beide enorm verstärkt haben, gibt es mit den WSG Tirol Juniors, St. Johann und Fügen weitere starke Tiroler Mannschaften. Ich schätze die Tiroler Vereine insgesamt sogar etwas stärker ein als die Vorarlberger Teams – mit Ausnahme des FC Dornbirn. Wir haben uns also ein anspruchsvolles Ziel gesetzt. Aber ich glaube, dass wir selbstbewusst genug sein dürfen, um es offen auszusprechen.

RUNDSCHAU: Über den Sommer konnte der SC Imst bereits mehrere Neuzugänge vermelden. Auffällig ist, dass ein Großteil von ihnen aus der unmittelbaren Umgebung stammt. War das eine bewusste Entscheidung?
Jens Scheuer: Ja, ganz bewusst. Wir wollen die Nähe zur Region und zum Tiroler Oberland bewahren. Natürlich lässt sich das nicht immer vollständig umsetzen. Wenn beispielsweise ein junger Spieler aus Deutschland oder Vorarlberg nach Innsbruck kommt, um dort zu studieren, und unbedingt für den SC Imst spielen möchte, verschließen wir uns dem selbstverständlich nicht. Grundsätzlich halten wir unsere Augen bei der Suche nach Verstärkungen aber gezielt in der Region offen. Hier gibt es viele gute junge Fußballer – und ihnen wollen wir beim SC Imst eine entsprechende Plattform bieten.

RUNDSCHAU: Mit Christoph Eller, Marko Jovljevic und Florian Jamnig haben einige erfahrene Leistungsträger den Verein verlassen. Können die Neuzugänge diese Verluste kompensieren?
Jens Scheuer: Das wird die Zeit zeigen. Die Abgänge sind aufgrund der sportlichen Qualität und der großen Erfahrung dieser Spieler natürlich schmerzhaft. Veränderungen gehören im Fußball aber dazu. Wir haben die Situation genutzt, um einen echten Umbruch einzuleiten. Wenn ich beim Abschlusstraining sage, die jungen Spieler sollen die Tore holen, und plötzlich drei Viertel der Mannschaft losrennen, dann bereitet mir das große Freude. Daran erkennt man, wie jung diese Mannschaft mittlerweile ist. Wir haben damit einen Grundstein gelegt, damit der SC Imst in den kommenden Jahren auf einen Bestand an jungen und talentierten Spielern zurückgreifen kann.

RUNDSCHAU: Die deutliche Verjüngung des Kaders war demnach eine bewusste Entscheidung?
Jens Scheuer: Ja, zu hundert Prozent. Mit Ausnahme von Stefan Lorenz haben wir fast ausschließlich Spieler unter 25 Jahren verpflichtet, darunter viele 18- und 19-Jährige. Wir wollen diese jungen Spieler Schritt für Schritt an das Niveau der Regionalliga heranführen und damit etwas Nachhaltiges aufbauen.

RUNDSCHAU: Konnten für die neue Spielzeit auch Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die Mannschaft integriert werden?
Jens Scheuer: Mit Matteo Mair haben wir einen Spieler, der mittlerweile fixer Bestandteil der Regionalliga-Mannschaft ist. Auch Marvin Santeler, der aus der eigenen Jugend stammt, gehört zum erweiterten Kreis, konnte zuletzt aufgrund einer Schienbeinhautentzündung allerdings nicht trainieren. Darüber hinaus haben wir zwei oder drei Spieler aus der zweiten Kampfmannschaft nach oben gezogen. Ich sage den jungen Spielern aber immer: Das ist kein Sprint, sondern ein Mittelstreckenlauf. Der Schritt in die Regionalliga gelingt nicht von heute auf morgen. Sie müssen sich zunächst an die deutlich höhere Intensität und das größere Spieltempo gewöhnen.

RUNDSCHAU: Nimm uns mit in die laufende Vorbereitung: Wie sieht eine typische Trainingswoche in der sogenannten „Pre-Season“ aus?
Jens Scheuer: Wir trainieren viermal pro Woche und bestreiten zusätzlich ein Spiel – kommen also auf insgesamt fünf Einheiten. Die konkreten Inhalte hängen davon ab, in welcher Phase der Vorbereitung wir uns befinden. Da die Pause diesmal nur zwei Wochen gedauert hat, mussten wir im Grundlagenbereich nicht bei null beginnen. Wir verbinden taktische Abläufe häufig mit kleinen Spielformen, sogenannten Small-Sided Games. Dadurch können wir die Intensität entsprechend hochhalten. Gegen Ende der Vorbereitung wird der Umfang etwas reduziert. Dann geht es verstärkt um Spritzigkeit und Griffigkeit.

RUNDSCHAU: Wo liegen die größten Stärken des aktuellen Kaders?
Jens Scheuer: Eine unserer größten Stärken ist die Ausgeglichenheit. Für mich als Trainer ist zudem die Mischung innerhalb der Mannschaft sehr interessant. Durch die vielen jungen Spieler können wir im Training eine sehr hohe Intensität fahren, weil sie kürzere Regenerationszeiten benötigen. Dadurch lassen sich vergleichsweise schnell wieder neue Reize setzen. Man merkt bereits in den Spielen, dass die Mannschaft sehr griffig wirkt. Auch beim 0:2 gegen Bregenz haben wir aus meiner Sicht eine richtig gute Leistung gezeigt und waren weitgehend auf Augenhöhe.

RUNDSCHAU: In welchen Bereichen muss sich die Mannschaft noch weiterentwickeln?
Jens Scheuer: Eigentlich in allen Bereichen. Wir müssen unser Defensivverhalten ebenso verbessern wie den Zug zum Tor. Es wäre erschreckend, wenn wir nach der Vorbereitung sagen würden, dass nun alles erledigt sei und wir die Füße hochlegen könnten. Wir müssen uns die Dinge in jeder einzelnen Trainingseinheit erarbeiten. Das betrifft nicht nur die Defensive, die Offensive oder den Ballbesitz, sondern zahlreiche Bestandteile unseres Spiels. Insgesamt sehe ich uns aber auf einem sehr guten Weg.

RUNDSCHAU: Abseits von Tabellenplätzen: Für welche Art von Fußball soll der SC Imst in der kommenden Saison stehen?
Jens Scheuer: Für jene Art von Fußball, für die wir bereits in den vergangenen beiden Jahren gestanden sind. Wir haben in der vergangenen Saison die drittmeisten Tore erzielt und die zweitwenigsten Gegentreffer kassiert. Diese Balance zwischen Offensive und Defensive wollen wir beibehalten. Wir möchten möglichst jene Mannschaft sein, die das Spiel bestimmt und sich mehr Torchancen erarbeitet als der Gegner. Entscheidend ist für mich, dass wir intensive Spiele mit Einsatz, Leidenschaft und viel Aktionen abliefern. Wenn die Spieler nach dem Schlusspfiff erschöpft auf dem Rasen liegen und sagen können, dass sie alles herausgeholt haben, kann ich auch mit einer Niederlage umgehen.

RUNDSCHAU: Auch die Konkurrenz in der Regionalliga West war auf dem Transfermarkt aktiv, einige Vereine haben sich deutlich verstärkt. Welche Mannschaften schätzt du in dieser Saison besonders stark ein?
Jens Scheuer: Für mich gibt es drei Mannschaften, die besonders stark einzuschätzen sind. Der FC Dornbirn war zunächst mein klarer Favorit. Die Mannschaft war bereits in der vergangenen Saison gut und wurde nun noch einmal mit Spielern verstärkt, die Erfahrung aus der Bundesliga beziehungsweise der 2. Liga mitbringen. Deshalb wird Dornbirn mit Sicherheit weit vorne landen. Hinzu kommen mit der Reichenau und Kitzbühel zwei Tiroler Konkurrenten, die sich ebenfalls erheblich verstärkt haben. Kitzbühel verfügt derzeit offenbar über große wirtschaftliche Möglichkeiten und konnte Spieler aus größerer Entfernung verpflichten. Auch die Reichenau hat unter anderem mit Christoph Eller einen unserer bisherigen Leistungsträger geholt. Beide Mannschaften werden daher ebenfalls zu beachten sein.
 

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