Auch die Filiale in Imst ist betroffen
Kika/Leiner-Insolvenz: Zahlreiche Standorte werden geschlossen und Mitarbeiter gekündigt
Die Immobilien wurden an die Supernova-Gruppe verkauft und das operative Kika/Leiner-Geschäft an Handelsmanager Hermann Wieser. Der neue Eigentümer gab bekannt, dass die Möbelkette Insolvenz anmelden will. 23 Standorte werden schließen – darunter auch jene Filiale in Imst.
Martin Grüneis
13. Juni 2023
Die Möbelkette Kika/Leiner hat den Eigentümer gewechselt. Nur wenige Tage später, hat dieser verkündet, dass man Insolvenz anmelden will. Bundesweit werden 23 Standorte (darunter auch jener in Imst) schließen müssen und 1900 Beschäftigte ihren Job verlieren. RS-Foto: Burger
Von Martin Grüneis
Tirols Landeshauptmann, Anton Mattle, und Arbeitslandesrätin Astrid Mair stimmen derzeit mit den Sozialpartnern, dem AMS, sowie auch der Arbeitsmarktförderungs GmbH (amg-tirol) ab, welche Maßnahmen getroffen werden können, um die, von den angekündigten Schließungen der Kika-Filialen in Lienz, Wörgl und Imst betroffenen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich zu unterstützen. „Wir werden allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Hilfe brauchen, unter die Arme greifen. Das kann ich jetzt schon versprechen. Aktuell prüfen wir gerade, welche arbeitsmarktpolitischen Instrumente wir sinnvollerweise einsetzen können, um die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu unterstützen. In der Vergangenheit hat das Land Tirol bei ähnlichen Fällen, gemeinsam mit dem AMS und der amg-tirol, sogenannte Outplacement-Stiftungen aufgelegt, die das Ziel haben, von Unternehmen freigestellte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt weiterzubilden, höherzuqualifizieren und umzuschulen. Ob eine ähnliche Maßnahme auch für die Betroffenen der Kika-Filialschließungen sinnvoll ist, oder, ob wir andere Maßnahmen setzen werden, ist unter anderem auch von der weiteren Vorgehensweise des Konzerns, betreffend der wirtschaftlichen und insolvenzrechtlichen Betriebsfortführung, abhängig. Sobald diese Entscheidung, wo wir uns als Land einen umfassenden Informationsfluss vonseiten des Eigentümers erwarten, vorliegt, werden wir die erforderlichen Unterstützungsmaßnahmen bereitstellen“, so der Landeshauptmann. Dieser hat zudem eine deutliche Botschaft an die neuen Kika/Leiner-Eigentümer: „Die drei Firmengebäude in Lienz, Wörgl und Imst müssen schnellstmöglich einer gewerblichen Nachnutzung zugeführt werden. Es wäre nicht zu akzeptieren, wenn diese Gebäude über Monate leer stehen würden. Der neue Eigentümer ist gefordert, Nachnutzer zu finden und so bestmöglich dazu beizutragen, dass auch wieder neue Arbeitsplätze entstehen können. Das ist auch den betroffenen Gemeinden sehr wichtig, schließlich hängen auch die steuerlichen Gemeindeeinnahmen davon ab.“ Der Imster Bundesrat Christoph Stillebacher ist überzeugt davon, dass es für jede und jeden Einzelnen eine Perspektive gibt: „Ich bin selbst seit Jahrzehnten in der Arbeitnehmervertretung tätig und kann allen Betroffenen und ihren Familien in dieser schweren Zeit versichern: Wir werden allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Hilfe brauchen, zur Seite stehen!“ Für Stillebacher ist klar, dass die vorhandenen Strukturen die gekündigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auffangen werden. Der Arbeitnehmerchef der Tiroler Volkspartei, KO Jakob Wolf, zeigt sich überrascht über die medial angekündigten Schließungspläne der Tiroler Kika/Leiner-Filialen. „Diese Schließungen kommen völlig überraschend und ohne jede Vorwarnung, was in Tirol bisher nicht üblich war“, stellt Wolf fest und rät den betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern dringend, „sich mit der AK Tirol bzw. dem ÖGB Tirol in Verbindung zu setzen und sich beraten zu lassen, damit die Arbeitnehmerrechte auf Punkt und Beistrich eingehalten werden“. Süleyman Kilic, Vorsitzender der SPÖ im Bezirk Imst und Regionalsekretär der Gewerkschaft für Privatangestellte (GPA) stellt klar: „Wenn ein milliardenschwerer Beutegreifer ein ,sehr gutes Investment‘ feiert, während hart arbeitende Menschen um die Lebensgrundlage ihrer Familien fürchten müssen, dann ist das an Zynismus nicht zu überbieten. Wie mit den Kika-Angestellten umgegangen wird, ist schlichtweg ein Schlag in viele Gesichter.“ Den Betroffenen will Kilic in ihrer schweren Situation Mut machen – und rät, Kontakt mit der Gewerkschaft aufzunehmen. „Wir stehen solidarisch zu denen, die teils über Jahrzehnte alles für die Imster Kika-Filiale gegeben haben. Wir kennen ihre Gesichter: Sie sind Mütter und Väter, Freundinnen und Freunde. Sie sind Menschen wie wir und keine Bittsteller.“
VAMPIRTAKTIK. „Nachdem Herr Benko seine Geschäftspraktiken in Deutschland bereits mehrfach erfolgreich umsetzen konnte, zeigt er nun auch in Österreich, wie man gewinnbringend, auf Kosten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, investieren kann. Vampirartig saugt er Unternehmen aus, nimmt höchstmögliche Förderungen in Anspruch, stößt die Firmen ab und lässt die Menschen im Stich, wenn sie für ihn nichts mehr abwerfen. Solche Geschäftspraktiken sind ein Schlag ins Gesicht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für ihren Arbeitgeber tagtäglich ihr Bestes leisten, aber auch für alle seriösen Unternehmerinnen und Unternehmer dieses Landes“, hält sich AK Präsident Erwin Zangerl mit Kritik nicht zurück.
HERAUSFORDERNDE ZEITEN. „Zur konkreten Situation bei Kika/Leiner und den wirtschaftlichen Hintergründen beim Verkauf des Unternehmens, können letztlich nur die Eigentümer selbst Stellung nehmen. Festgehalten werden kann aber, dass die aktuelle Situation im Möbelhandel – so wie im gesamten Handel – alles andere als einfach ist“, berichtet der Sprecher des Tiroler Einrichtungsfachhandels, Roman Eberharter. Er verweist darauf, dass der heimische Möbelhandel schon im Vorjahr ein reales Umsatzminus hinnehmen musste. Auch derzeit gäbe es nur nominelle Umsatzzuwächse, inflationsbereinigt hingegen einen Umsatzverlust. „Dazu kommen die hohen Energiekosten, der Fachkräftemangel sowie die hohe Inflation – diese Faktoren setzen den Möbelhändlern zusätzlich enorm zu“, betont Eberharter. An die, von der Kika/Leiner-Insolvenz betroffenen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sendet der Berufsgruppensprecher aber ein positives Signal: „Ich bin überzeugt, dass sie angesichts des bestehenden Fachkräftemangels baldige Stellenangebote aus dem Handel und auch aus der Möbelbranche erwarten können.“ Tatsächlich werben bereits einige Handelsunternehmen und unter anderem auch die Post um die (ehemaligen) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kika/Leiner.
Tirols Landeshauptmann, Anton Mattle, und Arbeitslandesrätin Astrid Mair stimmen derzeit mit den Sozialpartnern, dem AMS, sowie auch der Arbeitsmarktförderungs GmbH (amg-tirol) ab, welche Maßnahmen getroffen werden können, um die, von den angekündigten Schließungen der Kika-Filialen in Lienz, Wörgl und Imst betroffenen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich zu unterstützen. „Wir werden allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Hilfe brauchen, unter die Arme greifen. Das kann ich jetzt schon versprechen. Aktuell prüfen wir gerade, welche arbeitsmarktpolitischen Instrumente wir sinnvollerweise einsetzen können, um die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu unterstützen. In der Vergangenheit hat das Land Tirol bei ähnlichen Fällen, gemeinsam mit dem AMS und der amg-tirol, sogenannte Outplacement-Stiftungen aufgelegt, die das Ziel haben, von Unternehmen freigestellte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt weiterzubilden, höherzuqualifizieren und umzuschulen. Ob eine ähnliche Maßnahme auch für die Betroffenen der Kika-Filialschließungen sinnvoll ist, oder, ob wir andere Maßnahmen setzen werden, ist unter anderem auch von der weiteren Vorgehensweise des Konzerns, betreffend der wirtschaftlichen und insolvenzrechtlichen Betriebsfortführung, abhängig. Sobald diese Entscheidung, wo wir uns als Land einen umfassenden Informationsfluss vonseiten des Eigentümers erwarten, vorliegt, werden wir die erforderlichen Unterstützungsmaßnahmen bereitstellen“, so der Landeshauptmann. Dieser hat zudem eine deutliche Botschaft an die neuen Kika/Leiner-Eigentümer: „Die drei Firmengebäude in Lienz, Wörgl und Imst müssen schnellstmöglich einer gewerblichen Nachnutzung zugeführt werden. Es wäre nicht zu akzeptieren, wenn diese Gebäude über Monate leer stehen würden. Der neue Eigentümer ist gefordert, Nachnutzer zu finden und so bestmöglich dazu beizutragen, dass auch wieder neue Arbeitsplätze entstehen können. Das ist auch den betroffenen Gemeinden sehr wichtig, schließlich hängen auch die steuerlichen Gemeindeeinnahmen davon ab.“ Der Imster Bundesrat Christoph Stillebacher ist überzeugt davon, dass es für jede und jeden Einzelnen eine Perspektive gibt: „Ich bin selbst seit Jahrzehnten in der Arbeitnehmervertretung tätig und kann allen Betroffenen und ihren Familien in dieser schweren Zeit versichern: Wir werden allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Hilfe brauchen, zur Seite stehen!“ Für Stillebacher ist klar, dass die vorhandenen Strukturen die gekündigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auffangen werden. Der Arbeitnehmerchef der Tiroler Volkspartei, KO Jakob Wolf, zeigt sich überrascht über die medial angekündigten Schließungspläne der Tiroler Kika/Leiner-Filialen. „Diese Schließungen kommen völlig überraschend und ohne jede Vorwarnung, was in Tirol bisher nicht üblich war“, stellt Wolf fest und rät den betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern dringend, „sich mit der AK Tirol bzw. dem ÖGB Tirol in Verbindung zu setzen und sich beraten zu lassen, damit die Arbeitnehmerrechte auf Punkt und Beistrich eingehalten werden“. Süleyman Kilic, Vorsitzender der SPÖ im Bezirk Imst und Regionalsekretär der Gewerkschaft für Privatangestellte (GPA) stellt klar: „Wenn ein milliardenschwerer Beutegreifer ein ,sehr gutes Investment‘ feiert, während hart arbeitende Menschen um die Lebensgrundlage ihrer Familien fürchten müssen, dann ist das an Zynismus nicht zu überbieten. Wie mit den Kika-Angestellten umgegangen wird, ist schlichtweg ein Schlag in viele Gesichter.“ Den Betroffenen will Kilic in ihrer schweren Situation Mut machen – und rät, Kontakt mit der Gewerkschaft aufzunehmen. „Wir stehen solidarisch zu denen, die teils über Jahrzehnte alles für die Imster Kika-Filiale gegeben haben. Wir kennen ihre Gesichter: Sie sind Mütter und Väter, Freundinnen und Freunde. Sie sind Menschen wie wir und keine Bittsteller.“
VAMPIRTAKTIK. „Nachdem Herr Benko seine Geschäftspraktiken in Deutschland bereits mehrfach erfolgreich umsetzen konnte, zeigt er nun auch in Österreich, wie man gewinnbringend, auf Kosten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, investieren kann. Vampirartig saugt er Unternehmen aus, nimmt höchstmögliche Förderungen in Anspruch, stößt die Firmen ab und lässt die Menschen im Stich, wenn sie für ihn nichts mehr abwerfen. Solche Geschäftspraktiken sind ein Schlag ins Gesicht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für ihren Arbeitgeber tagtäglich ihr Bestes leisten, aber auch für alle seriösen Unternehmerinnen und Unternehmer dieses Landes“, hält sich AK Präsident Erwin Zangerl mit Kritik nicht zurück.
HERAUSFORDERNDE ZEITEN. „Zur konkreten Situation bei Kika/Leiner und den wirtschaftlichen Hintergründen beim Verkauf des Unternehmens, können letztlich nur die Eigentümer selbst Stellung nehmen. Festgehalten werden kann aber, dass die aktuelle Situation im Möbelhandel – so wie im gesamten Handel – alles andere als einfach ist“, berichtet der Sprecher des Tiroler Einrichtungsfachhandels, Roman Eberharter. Er verweist darauf, dass der heimische Möbelhandel schon im Vorjahr ein reales Umsatzminus hinnehmen musste. Auch derzeit gäbe es nur nominelle Umsatzzuwächse, inflationsbereinigt hingegen einen Umsatzverlust. „Dazu kommen die hohen Energiekosten, der Fachkräftemangel sowie die hohe Inflation – diese Faktoren setzen den Möbelhändlern zusätzlich enorm zu“, betont Eberharter. An die, von der Kika/Leiner-Insolvenz betroffenen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sendet der Berufsgruppensprecher aber ein positives Signal: „Ich bin überzeugt, dass sie angesichts des bestehenden Fachkräftemangels baldige Stellenangebote aus dem Handel und auch aus der Möbelbranche erwarten können.“ Tatsächlich werben bereits einige Handelsunternehmen und unter anderem auch die Post um die (ehemaligen) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kika/Leiner.





