Ein Lichtblick in diesen herausfordernden Zeiten
Das Lebensmittelgewerbe freut sich über den Aufwind im Tourismus
Welchen Wert die heimischen Bäcker, Metzger, Konditoren sowie Nahrungs- und Genussmittelbetriebe haben, hat sich spätestens während der Pandemie gezeigt. Die vier Berufsgruppen verzeichnen aktuell 48 Mitglieder im Bezirk. Derzeit bereiten ihnen gestiegene Rohstoffpreise sowie der Mangel an Arbeitskräften Sorgen. Der Aufschwung im Tourismus stimmt die Mitgliedsbetriebe im Bezirk Imst aber optimistisch in dieser schwierigen Zeit.
Martin Grüneis
27. Juni 2023
Informierten über die Situation des Lebensmittelgewerbes im Bezirk: Georg Schuler (Innungsmeister Lebensmittelgewerbe), Gerd Jonak (Innungsmeister-Stellvertreter Lebensmittelgewerbe), Thomas Peintner (Berufsgruppensprecher der Konditoren) und Simon Franzoi (Innungs-Geschäftsführer Lebensmittelgewerbe) (v.l.). Foto: Grüneis
Von Martin Grüneis
„In der Coronazeit ist das Bewusstsein für traditionell und regional hergestellte Lebensmittel extrem gestiegen“, erklärt WK-Innungsmeister Georg Schuler. Aufgrund des fehlenden Tourismus verzeichnete das Lebensmittelgewerbe im Bezirk Imst allerdings starke Umsatzeinbußen. „Das war für uns eine richtige Watschen“, blickt Schuler zurück. Dass der Tourismus im Bezirk nunmehr wieder Fahrt aufnimmt, freut ihn natürlich. „Gerade im Bezirk Imst stimmt uns die touristische Entwicklung positiv. Wir haben zwar das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht, sind aber optimistisch für die Zukunft“, so der WK-Innungsmeister. Das Lebensmittelgewerbe verzeichnet aktuell 48 Mitgliedsbetriebe im Bezirk Imst (ohne Filialen) – davon jeweils zwölf Bäckereien und Metzgereien, neun Konditoreien und 15 Betriebe des Nahrungs- und Genussmittelbereichs.
TIROLER QALITÄT MÜSSE LEISTBAR BLEIBEN. Kopfschmerzen bereiten dem Lebensmittelgewerbe derzeit die Rohstoffpreise. So erreichte etwa das Schweinefleisch mit 2,47 Euro pro Kilo ein Rekordhoch. Den Grund hierfür sieht Metzgermeister Georg Schuler unter anderem in der gesunkenen Schlachtzahl in den Nachbarländern – vermehrt werde österreichisches Fleisch exportiert. Die Preise für andere Fleischsorten, wie Kalb oder Rind, sieht Schuler „stabil auf hohem Niveau“. Geflügel könnte in naher Zukunft sogar günstiger werden. Neben den gestiegenen Rohstoffpreisen wirken sich auch die hohen Energie- und Lohnkosten auf die Lebensmittelgewerbe aus. An die Kunden könne und wolle man die Preissteigerungen aber nicht 1:1 weitergeben – Tiroler Qualität müsse laut Schuler leistbar bleiben. An die Landespolitik appelliert er, dass „die Energiekosten wieder in ein erträgliches Maß kommen müssen“.
NACHWUCHS GESUCHT. Freilich gestaltet sich auch die Suche nach Fach- bzw. Arbeitskräften nicht ganz einfach. Neue Auszubildende lassen sich ebenso schwer finden. Aktuell befinden sich im Bezirk Imst elf junge Menschen in einer Ausbildung im heimischen Lebensmittelhandwerk: drei bei den Bäckereien und jeweils vier bei den Metzgereien und Konditoreien. „Da haben wir Luft nach oben. Wir müssen künftig verstärkt die Vorteile, speziell des Bäckerberufes, für die junge Generation aufzeigen“, erklärt WK-Innungsmeister-Stellvertreter Gerd Jonak. Auch Quereinsteigern werden Möglichkeiten geboten, Bäcker zu werden. Der OGM/APA Vertrauensindex (Juni 23) bestätigte erst vor Kurzem, dass der Bäckerberuf ein hohes Ansehen genießt (+68 Punkte). „Wir Bäcker im Bezirk Imst und in Tirol werden alles dafür tun, dass wir den hohen Qualitätsstandards, den die Kundschaft gewohnt ist, auch weiter bedienen können“, sagt
Jonak. Lange Zeit durch eine Tür getrennt, werden Bäcker und Konditoren künftig gemeinsam in der neuen Backstube am WIFI lernen. Um fähigen Nachwuchs zu bekommen, sei es wichtig, den jungen Leuten die bestmöglichen Voraussetzungen zur Verfügung zu stellen, erklärt der Tiroler Konditoren-Sprecher
homas Peintner. Die neun Konditoreien des Bezirkes bilden aktuell vier junge Menschen aus.
WERTSCHÖPFUNG FÜR DIE GESELLSCHAFT BELEGEN. Die Tiroler Wirtschaftskammer hat aufgrund der besonderen Herausforderungen der Metzger, Bäcker, Konditoren sowie Nahrungs- und Genussmittelbetriebe eine Studie zur „Volks- und regionalwirtschaftlichen Bedeutung der Tiroler Lebensmittelgewerbe“ in Auftrag gegeben. „Die erste Umfrage ist abgeschlossen, weitere statistische Analysen laufen gerade. Wir möchten uns ein genaues Bild über die aktuelle Lage unserer Mitglieder machen“, erklärt WK-Geschäftsführer Simon Franzoi. Daraus sollte am Ende eine aussagekräftige Wertschöpfungsstudie resultieren. „Diese Studie wird belegen, wie wichtig diese traditionellen Betriebe für die Gesellschaft in Tirol sind und welche Unterstützungsleistungen benötigt werden, um den Erhalt unserer Bäckereien, Metzgereien und Konditoreien sichern zu können“, informiert Franzoi. Die Ergebnisse der Studie sollen noch im heurigen Sommer präsentiert werden.
GEMEINSAMER AUFTRITT. Spannende Geschichten über die heimischen Bäcker, Metzger, Konditoren sowie Nahrungs- und Genussmittelbetriebe lassen sich seit 2021 auf www.tirol-schmeckt.at finden – Besucher der Website erhalten exklusive Einblicke in die Backstube, Metzgerei oder Produktionsstätte. Auch einige Betriebe aus dem Bezirk Imst konnten sich bereits vorstellen. So berichten die Bäcker Gerhard und Marco Gstrein aus Längenfeld über ihre Betriebsphilosophie, die Dorfmetzgerei Kuprian erzählt über die Verarbeitung von Rindern, Schafen und Lämmern von Ötztaler Bauern und aus eigener Landwirtschaft und der Imster Konditormeister Erwin Regensburger sprach in seiner Story über die abwechslungsreiche Arbeit als Konditor. Die Webseite verzeichnete bis dato mehr als 50.000 Besucher. „Wir gehen neue Wege, um die Besonderheiten unserer Mitglieder hervorzuheben. Dies wird nicht nur Kundinnen und Kunden, sondern auch künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter locken“, erklärt Simon Franzoi.
„In der Coronazeit ist das Bewusstsein für traditionell und regional hergestellte Lebensmittel extrem gestiegen“, erklärt WK-Innungsmeister Georg Schuler. Aufgrund des fehlenden Tourismus verzeichnete das Lebensmittelgewerbe im Bezirk Imst allerdings starke Umsatzeinbußen. „Das war für uns eine richtige Watschen“, blickt Schuler zurück. Dass der Tourismus im Bezirk nunmehr wieder Fahrt aufnimmt, freut ihn natürlich. „Gerade im Bezirk Imst stimmt uns die touristische Entwicklung positiv. Wir haben zwar das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht, sind aber optimistisch für die Zukunft“, so der WK-Innungsmeister. Das Lebensmittelgewerbe verzeichnet aktuell 48 Mitgliedsbetriebe im Bezirk Imst (ohne Filialen) – davon jeweils zwölf Bäckereien und Metzgereien, neun Konditoreien und 15 Betriebe des Nahrungs- und Genussmittelbereichs.
TIROLER QALITÄT MÜSSE LEISTBAR BLEIBEN. Kopfschmerzen bereiten dem Lebensmittelgewerbe derzeit die Rohstoffpreise. So erreichte etwa das Schweinefleisch mit 2,47 Euro pro Kilo ein Rekordhoch. Den Grund hierfür sieht Metzgermeister Georg Schuler unter anderem in der gesunkenen Schlachtzahl in den Nachbarländern – vermehrt werde österreichisches Fleisch exportiert. Die Preise für andere Fleischsorten, wie Kalb oder Rind, sieht Schuler „stabil auf hohem Niveau“. Geflügel könnte in naher Zukunft sogar günstiger werden. Neben den gestiegenen Rohstoffpreisen wirken sich auch die hohen Energie- und Lohnkosten auf die Lebensmittelgewerbe aus. An die Kunden könne und wolle man die Preissteigerungen aber nicht 1:1 weitergeben – Tiroler Qualität müsse laut Schuler leistbar bleiben. An die Landespolitik appelliert er, dass „die Energiekosten wieder in ein erträgliches Maß kommen müssen“.
NACHWUCHS GESUCHT. Freilich gestaltet sich auch die Suche nach Fach- bzw. Arbeitskräften nicht ganz einfach. Neue Auszubildende lassen sich ebenso schwer finden. Aktuell befinden sich im Bezirk Imst elf junge Menschen in einer Ausbildung im heimischen Lebensmittelhandwerk: drei bei den Bäckereien und jeweils vier bei den Metzgereien und Konditoreien. „Da haben wir Luft nach oben. Wir müssen künftig verstärkt die Vorteile, speziell des Bäckerberufes, für die junge Generation aufzeigen“, erklärt WK-Innungsmeister-Stellvertreter Gerd Jonak. Auch Quereinsteigern werden Möglichkeiten geboten, Bäcker zu werden. Der OGM/APA Vertrauensindex (Juni 23) bestätigte erst vor Kurzem, dass der Bäckerberuf ein hohes Ansehen genießt (+68 Punkte). „Wir Bäcker im Bezirk Imst und in Tirol werden alles dafür tun, dass wir den hohen Qualitätsstandards, den die Kundschaft gewohnt ist, auch weiter bedienen können“, sagt
Jonak. Lange Zeit durch eine Tür getrennt, werden Bäcker und Konditoren künftig gemeinsam in der neuen Backstube am WIFI lernen. Um fähigen Nachwuchs zu bekommen, sei es wichtig, den jungen Leuten die bestmöglichen Voraussetzungen zur Verfügung zu stellen, erklärt der Tiroler Konditoren-Sprecher
homas Peintner. Die neun Konditoreien des Bezirkes bilden aktuell vier junge Menschen aus.
WERTSCHÖPFUNG FÜR DIE GESELLSCHAFT BELEGEN. Die Tiroler Wirtschaftskammer hat aufgrund der besonderen Herausforderungen der Metzger, Bäcker, Konditoren sowie Nahrungs- und Genussmittelbetriebe eine Studie zur „Volks- und regionalwirtschaftlichen Bedeutung der Tiroler Lebensmittelgewerbe“ in Auftrag gegeben. „Die erste Umfrage ist abgeschlossen, weitere statistische Analysen laufen gerade. Wir möchten uns ein genaues Bild über die aktuelle Lage unserer Mitglieder machen“, erklärt WK-Geschäftsführer Simon Franzoi. Daraus sollte am Ende eine aussagekräftige Wertschöpfungsstudie resultieren. „Diese Studie wird belegen, wie wichtig diese traditionellen Betriebe für die Gesellschaft in Tirol sind und welche Unterstützungsleistungen benötigt werden, um den Erhalt unserer Bäckereien, Metzgereien und Konditoreien sichern zu können“, informiert Franzoi. Die Ergebnisse der Studie sollen noch im heurigen Sommer präsentiert werden.
GEMEINSAMER AUFTRITT. Spannende Geschichten über die heimischen Bäcker, Metzger, Konditoren sowie Nahrungs- und Genussmittelbetriebe lassen sich seit 2021 auf www.tirol-schmeckt.at finden – Besucher der Website erhalten exklusive Einblicke in die Backstube, Metzgerei oder Produktionsstätte. Auch einige Betriebe aus dem Bezirk Imst konnten sich bereits vorstellen. So berichten die Bäcker Gerhard und Marco Gstrein aus Längenfeld über ihre Betriebsphilosophie, die Dorfmetzgerei Kuprian erzählt über die Verarbeitung von Rindern, Schafen und Lämmern von Ötztaler Bauern und aus eigener Landwirtschaft und der Imster Konditormeister Erwin Regensburger sprach in seiner Story über die abwechslungsreiche Arbeit als Konditor. Die Webseite verzeichnete bis dato mehr als 50.000 Besucher. „Wir gehen neue Wege, um die Besonderheiten unserer Mitglieder hervorzuheben. Dies wird nicht nur Kundinnen und Kunden, sondern auch künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter locken“, erklärt Simon Franzoi.





