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Imst | Wirtschaft | 4. Jänner 2022 | Mel Burger

Kritik von Naturschützern, Hoffnung im Tal

Kritik von Naturschützern, Hoffnung im Tal
Das empfindliche ökologische System des Pitztaler Gletschers muss geschützt werden. Doch für eine Umwidmung des bisherigen Notwegs zur offiziellen Talabfahrt würde es keine weiteren baulichen Änderungen brauchen, heißt’s von Bürgermeister Elmar Haid aus St. Leonhard. RS-Foto: Burger
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Echte Piste statt Notweg: Eine Anfrage der Pitztaler Gletscherbahnen erhitzt die Gemüter

Obwohl noch kein offizieller Antrag für die Umwidmung eines Notweges in einen offiziellen Pistenabschnitt vorliegt, erfahren die Pitztaler Gletscherbahnen diesbezüglich starken Gegenwind: Sowohl von Naturschützern als auch von der Tiroler Landespolitik.So stehen sich der Schutz des Gletschers und die betriebliche Weiterentwicklung erneut prüfend gegenüber.
Von Mel Burger

Der 2006 ohne behördliche Bewilligung errichtete Notweg am Pitztaler Gletscher sorgte für Empörung in Politik- und Naturschutzkreisen. Damals wie auch aktuell: Blitzte bereits vor einem Jahr durch eine „lose Anfrage“ an die Bezirkshauptmannschaft die Idee der Gletscherbahnen durch, aus der vorhandenen Behelfspiste eine offizielle Talabfahrt zu machen, so wurde das Projekt aufgrund von privaten Gesprächen und Bedarfsanalysen in den letzten Wochen wieder präsenter. So ist’s wohl nicht weiter verwunderlich, dass aus Richtung der Landeshauptmann-Stellvertreterin und zuständigen Umweltreferentin Ingrid Felipe mahnende Worte kommen: „Die seinerzeitige Genehmigung als Notweg war nur auf Grundlage einer Ausnahmebestimmung möglich. Dies entfaltet auf das offenbar beabsichtigte Vorhaben, daraus eine Piste zur täglichen Nutzung zu machen, keine rechtliche Bindung und muss daher nach den heute geltenden UVP-Bestimmungen (Umweltverträglichkeitsprüfung, Anm.) neu beurteilt werden. Die Durchführung eines UVP-Feststellungsverfahrens ist daher in diesem Fall unumgänglich.“ Ein „diesbezüglicher Antrag“ liege nicht vor, lässt Felipe wissen.

REAKTIONEN. Der grüne Landtagsabgeordnete Georg Kaltschmid betrachtet diese Anfrage noch etwas kritischer und gibt zu bedenken: „Der Notweg wurde damals rechtswidrig und unter enormen Maschinenaufwand in das steile Gelände gebaggert. Das ist ein extrem unwegsamer und steiler Talabschluss. Daraus eine Abfahrtspiste zu machen, kann nicht deren ernsthaftes Anliegen sein. Das ist das Gegenteil dessen, was wir im neuen Weg im Tiroler Tourismus beschlossen haben.“ Außerdem sagt er: „Wenn Seilbahnunternehmen glauben, dass sie sich nach wie vor durch Hintertüren Skipisten erschleichen können, dann sind sie am Holzweg.“ Ins selbe Horn bläst Gerd Estermann von der Bürgerinitiative Feldring mit den Worten: „Als 2006 die später als Notweg deklarierte Trasse illegal gebaut wurde, war dies ein Affront gegen den Naturschutz als auch gegen den Rechtsstaat. Sie jetzt als Piste zu deklarieren, wäre ein fatales Signal und eine Aufforderung für potentielle Nachahmer, vollendete Tatsachen zu schaffen und deren nachträgliche Sanktionierung zu erwarten.“

ZUSAMMENSCHLUSS. Was Kaltschmid neben dem „Streben nach noch mehr Pistenkilometer“ vermutet: Das Öffnen der Türe für einen Zusammenschluss der Gletscherskigebiete im Pitz- und Ötztal. Dagegen hält der Abgeordnete die Ergebnisse mehrerer Umfragen zur aktuellen Tourismusentwicklung – und somit die direkte Bitte an Landeshauptmann Günther Platter, nicht gegen die Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung zu entscheiden. Das Statement von Beate Rubatscher-Larcher, Geschäftsführerin der Pitztaler Gletscherbahnen, fällt zur Angelegenheit kurz und knapp aus: „Seitens der Pitztaler Gletscherbahnen GmbH & CoKG wurden weder ein Antrag noch Projektunterlagen zum Notweg eingereicht. Der Zusammenschluss Pitztal-Ötztal ist nach wie vor ruhend.“ Das legt übrigens auch die Tatsache nahe, dass hinsichtlich der Planungen zur Gletscherehe Pitztal-Ötztal seit 2019 keine weiteren Anträge oder Einreichungen getätigt worden sind. Ihre Unterstützung für die Gletscherbahnen signalisieren Elmar Haid, Bürgermeister der Standort-Gemeinde St. Leonhard, und Gerhard Gstettner, Geschäftsführer des Tourismusverbands Pitztal. Sie lenken den Blick darauf, dass die Urlaubsregion Pitztal für das Wertlegen auf Naturschutz bekannt sei – mit dem untermauernden Argument, dass 45 Prozent der Gemeindefläche von St. Leonhard bereits unter Naturschutz gestellt sind und nur 1,5 Prozent als Skifläche benutzt werden.

MIT FÜRSPRACHE SEITENS DER GEMEINDE. Enttäuscht zeigt sich Gstettner, dass Kritiker nur die Talabfahrt, für die es noch gar keine Projekteinreichung gibt, als Aufhänger sehen, nicht aber die für die Natur positiven Projekte und Strategien des Tals kennen würden, die von den Gemeinden, dem Tourismusverband und eben auch von den Gletscherbahnen unterstützt werden: Neben der Beschäftigung eines Nachhaltigkeitsmanagers gibt es am Gletscher Bauten in Passivhausstil, bei der Schneeproduktion wird auf umweltschonende Technologie mittels Unterdruck zurückgegriffen, eine eigene Photovoltaikanlage produziert für einen großen Teil des eigenen Energiebedarfs jährlich rund 1,5 Millionen Kilowattstunden und mit wissenschaftlicher Unterstützung werden Schneedämme errichtet, um die Nährzone des Gletschers zu schützen. „Das ganze Pitztal steht hinter der Idee zu einer Talabfahrt und so werden wir gemeinsam im Jänner mit unserer Bezirkshauptfrau Eva Loidhold das Gespräch suchen“, betont der Bürgermeister von St. Leonhard und weist darauf hin, dass der Weg sowieso täglich präpariert werde müsse, um für den Notfall vorbereitet zu sein. Der Aufwand wäre derselbe, sagt Haid – und keine weiteren Eingriffe in die Natur notwendig.
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