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Auf dem Abstellgleis?

Die Reschenbahn scheint schlechte Karten zu haben

Die Studie, ob es sinnvoller ist, eine Bahn von Landeck nach Mals über Nauders oder aber über Scuol zu bauen, wird bald fertiggestellt. Einen Landeshauptmann würde es überraschen, falls die Nauders-Variante vorgeschlagen wird.

22. September 2026
Auf dem Abstellgleis?
Bgm. Helmut Spöttl: Es stimmt nachdenklich, wenn ein Landeshauptmann an den eigenen Gemeinden „vorbeifährt“. Foto: RS-Archiv
Bis Herbst sollen die Ergebnisse der Studie vorliegen, die die Anbindung der Vinschger Bahn ans österreichische (Landeck) oder Schweizer Bahnnetz (Scuol) in puncto Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit bewertet. Es könnte also, falls eine Finanzierung zustande kommt, von Mals über den Reschenpass nach Landeck oder von Mals über Taufers im Münstertal in die Schweiz und dann nach Landeck gehen. Südtirols LH Arno Kompatscher rechnet mit ca. 2 Milliarden Euro, die Italien, die Schweiz, Südtirol, Tirol und die EU aufbringen sollen. In puncto Variantenentscheidung war Kompatscher bei einem SVP-Bezirkstag im Vinschgau sehr offen: Er könne und wolle sich nicht einmischen, „aber sollte die Variante über den Reschen vorgeschlagen werden, würde mich das überraschen“, so Kompatscher. Tirol attestierte er kein, Graubünden dafür umso mehr Interesse: „Das Land Tirol hat zwar kein Interesse und bisher eher gebremst, aber Graubünden bzw. die Schweiz stehen derzeit zu 100 Prozent hinter einer grenzüberschreitenden Bahnverbindung.“ Diese Aussagen, wie sie in „der Vinschger“ dokumentiert sind, werden vom Büro des Landeshauptmannes bestätigt – Begründung für Kompatschers Einschätzungen konnte die RUNDSCHAU aber keine erhalten. Laut „der Vinschger“ hat auch ein Vertreter einer Arbeitsgruppe, die sich seit Jahren für dieses Vorhaben einsetzt, eine Lanze für die Anbindung der Vinschger Bahn an die Schweiz gebrochen. Kompatscher möchte jedenfalls in seiner Amtszeit „eine gemeinsame Regierungserklärung der beteiligten Länder auf den Weg bringen“.

LAND TIROL: Varianten ergebnis­offen vergleichen. Auf den Vorwurf der Interesselosigkeit geht man im Inns­brucker Landhaus gar nicht ein, sondern meint: „Das Land Tirol steht einer Weiterentwicklung der grenz­überschreitenden Bahnverbindungen im Rätischen Dreieck grundsätzlich positiv gegenüber.“ Es ist in der Antwort des Landes kein einziges Mal von der „Reschenbahn“ die Rede, sondern vom Bahnausbau im Rätischen Dreieck, der „in den kommenden Jahren planerisch weiterzuentwickeln und in der notwendigen Detailtiefe zu untersuchen“ sei. Und: „Grundlage für eine spätere Entscheidung müssen belastbare technische, verkehrliche und wirtschaftliche Untersuchungen sein. Dabei sind unter anderem Geologie, Tunnelanteile, Sicherheitsanforderungen, Trassierung, Bahntechnik, Stationskonzept, Baukosten sowie die Einbindung in das überregionale Bahnnetz zu berücksichtigen. Entscheidend ist eine verkehrlich sinnvolle, technisch machbare, wirtschaftlich vertretbare und langfristig tragfähige Gesamtlösung. Dazu gehören auch mögliche Zulaufstrecken aus Richtung Norden und Süden.“ LR René Zumtobel sagt: „Welche Variante am Ende die beste ist, muss ein fachlicher Vergleich zeigen. Entscheidend ist ein technisch machbarer, verkehrlich sinnvoller und langfristig tragfähiger Vorschlag, an dem gemeinsam weitergearbeitet werden kann.“

ENTTÄUSCHUNG IN NAUDERS. In Nauders (und wohl auch direkt jenseits der Reschengrenze) wird mit Befremden aufgenommen, dass zwei Tourismusgemeinden in EU-Ländern umfahren werden könnten, um einen Ort in einem Nicht-EU-Land per Bahn anzubinden: Nauders und Graun blieben auf der Strecke, Scuol würde angebunden. „Nauders und Graun auslassen geht nicht“, sagt Bgm. Helmut Spöttl aus Nauders. Es stimme ihn nachdenklich, wenn ein Landeshauptmann an den eigenen Gemeinden „vorbeifährt“ (Südtirol). Und er erinnert an den Beschluss des Planungsverbandes, wonach das Vorhaben unterstützt wird, wenn Nauders eingebunden ist – also eine Reschenbahn kommt. Eine Bahnverbindung von Landeck direkt nach Scuol ist für ihn „undenkbar“ und „hat keinen Mehrwert“.

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