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Wenn ein „p“ den Unterschied macht

TIRIS, Gemeinde und Tradition: Wer bestimmt, wie Orte heißen dürfen

Immer wieder sorgt die Schreibweise von Tiroler Orts- und Flurnamen für Diskussionen. Nicht nur Geografen, sondern auch viele RUNDSCHAU-Leser fragen sich: Wie lautet die „richtige“ Schreibweise? Ein aktuelles Beispiel liefert der Serfauser Weiler Tschup(p)-bach: Während in den offiziellen TIRIS-Daten des Landes Tirol nur ein „p“ im Namen verzeichnet ist, verwenden andere Behörden und Institutionen selbst teilweise oder überwiegend die Schreibweise Tschuppbach – mit doppeltem „p“.

26. August 2025
Wenn ein „p“ den Unterschied macht
Offiziell Tschupbach, vielerorts aber Tschuppbach. Zwei Schreibweisen zwischen Gasthoftradition und Amtsregister. Wer hat das letzte Wort?

RS-Fotos: Haidegger
Auf Anfrage bei der Gemeinde Serfaus gab es seitens der Amtsleitung die Information, dass „gemeinde-intern stets darauf geachtet wird, nur die Schreibweise Tschupbach, wie auch laut Zentralem Melderegis­ter, zu verwenden“. Dass auf deren Gemeindewebsite häufig noch die Doppel-p-Variante anzutreffen ist, zeigt, dass dies von manchen – bewusst oder unbewusst – noch nicht vollumfänglich umgesetzt wird. Zudem meint die Amtsleiterin, dass „die hierfür relevante Verordnung zu den Straßen- und Ortsteilnamen seitens der Gemeinde Serfaus noch in Ausarbeitung ist, demnächst aber finalisiert und veröffentlicht werden sollte“. Die Bemühungen einer Vereinheitlichung des Weilernamens werden auch dadurch erschwert, da viele andere Quellen – wie das Dekanat Prutz, die umliegenden Tourismusverbände, der Tirol-Atlas der Geographie Innsbruck oder sogar zum Teil das Landesportal, u.a. im Kunstkataster, selbst überwiegend die Schreibweise Tschuppbach mit doppeltem „p“ verwenden. Zudem verwöhnen schon seit mehreren hundert Jahren die Gastgeber des ortsansässigen Gasthofs mit Namen Tschuppbach ihre Gäste aus nah und fern, sodass es kein leichtes Unterfangen der Gemeinde Serfaus ist, hier eine offizielle und allseits anerkannte Vereinheitlichung auf Behördenebene voranzutreiben.

KOMPLEXE THEMATIK. Auch auf Nachfrage bei der Tiroler Landesabteilung TIRIS (Tiroler Rauminformationssystem) wird deutlich, dass die Festlegung von Orts- und Flurnamen komplexer ist, als es auf den ersten Blick scheint: „TIRIS legt die diversen Geonamen nicht selbst fest, sondern greift auf bestehende authentische Grundlagen aus verschiedensten Fachbereichen zurück“, heißt es vonseiten des Landes. So stammen die im TIRIS verwendeten Bezeichnungen aus einer Vielzahl von offiziellen Registern: Für Ortschaften und Straßen ist laut Adressregisterverordnung die jeweilige Gemeinde zuständig. Im konkreten Fall hat die Gemeinde Serfaus den Ortsteil Tschupbach (mit einfachem „p“) im Zentralen Melderegister so festgelegt. Gewässernamen wiederum werden im Verzeichnis des Hydrographischen Zentralbüros sowie im sogenannten Gesamtgewässernetz (GGN) standardisiert geführt. Die im TIRIS publizierten Flurnamen gehen auf ein groß angelegtes Projekt der Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Land Tirol zurück. In diesem Rahmen wurden über 127.000 Flurnamen erhoben, vielfach auf Basis mündlich tradierter Bezeichnungen. Auch Geonamen aus der amtlichen Karte ÖK50 des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen sowie aus forst- und landwirtschaftlichen Verwaltungskarten fließen ein.

BUCHSTABE MIT FOLGEN. Änderungen von Namensschreibungen seien daher keineswegs trivial, betont Fachbereichsleiter Johann Nieder­tscheider von TIRIS: „Wenn der Name Teil eines offiziellen Regis­ters ist, kann der Korrekturprozess durchaus aufwändig sein, bis die Berichtigung in allen Verzeichnissen, Datenbanken und daraus abgeleiteten Kartenwerken nachgezogen ist.“ Eine besondere Rolle spielt die Datenbasis zudem für die Leitstelle Tirol: Das TIRIS-Namensgut wird täglich elektronisch synchronisiert und in das Einsatzleitsystem übernommen – eine wichtige Grundlage für die rasche und zielgerichtete Abwicklung von Notfällen.

AUCH ANDERNORTS. Natürlich ist der „Fall“ Tschuppbach kein Einzelfall. Auch andere Schreibweisen von Orts- und Gewässerbezeichnungen sorgen im Oberland bisweilen für Diskussionen und speziell bei Touristen ohne Ortskenntnisse auch für Verwirrung. Ein Beispiel hierfür ist die Entwässerung im Gurgltal. Während dieser Bach im offiziellen Landesportal TIRIS durchgehend als Gurglbach geführt wird, verwenden andere Kartenportale, Kommunen oder auch der Tourismusverband in Teilabschnitten die Namen Biger oder Piger. Auch das nicht nur bei Schülern beliebte Orthografierätsel rund um die richtige Verwendung des „s“ bei Ortsbezeichnungen hält manche Diskussionen am Laufen, ob statt einem „ss“ nicht doch das „ß“ die richtige Variante wäre, beispielsweise bei Plangeross, Weissenbach oder Fliess.

FAZIT. Der Streit um das kleine, aber feine „p“ im Serfauser Weiler Tschup(p)bach zeigt exemplarisch, wie vielschichtig das Thema Namensgebung in Tirol tatsächlich ist. Zwischen amtlichen Registern, his­torisch gewachsenen Traditionen und praktischen Anforderungen – etwa im Tourismus oder bei der Notruf­abwicklung – prallen unterschiedliche Interessen und Systeme aufeinander. Was nach einer bloßen Schreibvariante aussieht, offenbart sich bei genauerem Hinsehen als Balanceakt zwischen Rechtsgrundlagen, lokaler Identität und technischer Einheitlichkeit. Solange die Vielzahl an offiziellen und halboffiziellen Quellen nicht durchgängig harmonisiert ist, werden Diskussionen wie jene um den kleinen Weiler im Oberen Gericht immer wieder aufflammen – und wohl auch künftig Stoff für geografische und ortskundliche Debatten liefern.

Bitte fotografieren!
Kennen Sie, sehr geehrte RUNDSCHAU-Leser, ebenfalls öffentliche Schilder, die einander in der Schreibweise von Ortsnamen, Ausflugszielen, Straßennamen, Bächen und Flüssen o.ä. widersprechen?
Dann fotografieren Sie sie doch bitte und senden Sie die Bilder mit den wichtigsten Informationen dazu (Ort der Aufnahmen, Copyright) an: redaktion@rundschau.at.
Vielen Dank – die Redaktion

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