Exkursion zum Namlosbach und ins Liegfeisttal
Die Sektion Reutte des Alpenvereins machte sich vor Ort ein Bild zum Kraftwerksprojekt der EWR
Kürzlich informierte sich die Sektion Reutte des Alpenvereins aus erster Hand über die Themen „Ableitung Namlosbach” und „Krafthaus im Liegfeisttal”. Am Donnerstag wurde das Projekt aus Sicht der EWR in deren Räumlichkeiten präsentiert. Am nächsten Tag fand eine Besichtigung vor Ort statt.
Markus Arzl
19. Oktober 2026
Direkt unterhalb der geplanten Ableitung – der Gedanke, dass hier, bald der Großteil des Wassers fehlen soll, stimmte sehr nachdenklich. Foto: Arzl
Nachdem der Alpenverein Tirol die geplanten Eingriffe in den Namlosbach als „rechtlich und ökologisch inakzeptabel“ bewertet hatte, wollte sich die Heimatsektion Reutte selbst ein Bild machen. Zu diesem Zweck wurde das Projekt Namlosbach zunächst von Mitarbeitern der EWR mit interessierten Mitgliedern des AV erörtert. Das Ziel ist eine Erhöhung der Stromproduktion. Dafür sollen unter anderem der Weg ins Liegfeisttal möglichst ökologisch ausgebaut, zwei Brücken für eine wintersichere Zufahrt zur Baustelle für schwere LKW gebaut und weitere Wege angelegt werden. Insgesamt sind dafür Investitionen von rund 70 Millionen Euro geplant. Die Wildfütterung würde nach hinten ins Mitterkarbachtal verlegt werden. Zudem wäre die Errichtung eines knapp vier Meter durchmessenden und fast sechs Kilometer langen Staustollens sowie einer Abraumdeponie für das Ausbruchmaterial zwischen Mitterkarbach und Liegfeistbach notwendig. Geplant sind die Ableitung des Namlosbachs und der Bau eines Krafthauses im Liegfeisttal mitsamt einer 30-kV-Stromleitung ins Rotlechtal.
Erkundung mit dem Rad. Mit diesem Vorwissen ausgestattet, radelten einige Mitglieder des Alpenvereins bei prachtvollem Herbstwetter gemeinsam die „Sprenge“ hinauf. Auf Höhe Liegfeisttal stieß ich als freier Mitarbeiter der RUNDSCHAU zur Gruppe. Schnell entwickelten sich Diskussionen. Es wurde über LKWs diskutiert, die hier bald bis zu 20.000 Beton-Tübbinge für die Auskleidung des Staustollens Sprenger hertransportieren sollen. Auch darüber, wie die EWR die Umweltauswirkungen einschränken möchten, tauschten sich die Exkursionsteilnehmer aus. Eine weitere Frage kam auf: „Kann das überhaupt so durchführbar sein?” Wir ließen den Schranken hinter uns und radelten gemeinsam weiter ins Liegfeisttal. Im hinteren Teil des Liegfeisttals beeindruckte uns dessen atemberaubende und ursprüngliche Schönheit. Eine kleine Wanderung wäre schön gewesen! Stattdessen begutachteten wir den Bereich, wo in den nächsten Jahren eine Großbaustelle geplant ist. Wir standen an der Stelle, an der das Kraftwerkshaus gebaut und eine Abraumdeponie für etwa 10.000 Lkw-Fuhren Ausbruchmaterial aufgeschüttet werden soll. Wir inspizierten auch das bestehende Wehr, das den Liegfeistbach normalerweise komplett schluckt. Die Dramaturgie, auf einen Bach zu blicken, der an dieser Stelle einfach endet, blieb uns allerdings erspart. Das Wehr war geschlossen und der Liegfeistbach floss über das zugeschotterte Wehr weiter in Richtung Rotlechschlucht. Warum dies trotz der sehr hohen Strompreise geschah, war der nächste Diskussionspunkt. An der Staumauer des Rotlechstausees konnten wir uns davon überzeugen, dass hier wirklich kaum Wasser ins Rotlechtal fließt. Der Stausee selbst war halb leer.
Stanzach zeigt Widerstand. In Kelmen, dem höchsten Punkt unserer Radtour, legten wir eine Brotzeitpause ein und führten weitere rege Gespräche. Sind 70 Millionen Euro für 25 Gigawattstunden Energie im Jahr nicht etwas zu viel? Werden aufgrund des Klimawandels die geplanten Erträge überhaupt erreicht werden können? Erfolgt die Restwasserabgabe durch die EWR wirklich freiwillig? Können wir die Energiewende auch schaffen, ohne unsere letzten Bäche trockenzulegen? Welche besseren Alternativen gäbe es? Nach einer kurzen Rollstrecke kamen wir ins Namlosbachtal mit seiner wild-beeindruckenden Schlucht. An der Stelle, an der der Bach bald zum Großteil vom Boden verschluckt werden soll, fanden wir ein Schild. Die Stimmung war merklich gedrückt. Warum soll der Bach fast direkt hinter der Grenze zum Schutzgebiet gefasst werden? Dort, wo der Namlosbach nach Stanzach fließt, stehen mehrere Sitzbänke direkt am Wasser. Die Stanzacher verbringen gerne Zeit an „ihrem“ Bach. Auch wir genossen diese Stimmung. Der Bereich, in dem der Namlosbach in den Lech mündet, soll im Rahmen eines Förderprojekts fischgerechter und ökologischer gestaltet werden. Wir begutachteten auch dieses Areal ausgiebig und radelten anschließend am Lech entlang zurück nach Hause.
Warum organisierte der Alpenverein diese Exkursion? Die Antwort ist bekannt: Weil in seiner Satzung der Part „... die Schönheit und Ursprünglichkeit der Bergwelt zu erhalten ...” verankert ist.
Es geht weiter. In einem gesonderten Termin möchte Toni Knittel, Sprecher der Bürgerinitiative, den Mitgliedern des Alpenvereins die Sicht der Initiative auf das Projekt „Namlosbach” präsentieren. Auch die EWR werden ihre Perspektive auf das Thema in weiteren öffentlichen Veranstaltungen präsentieren. Die Bürgerinitiative Namlosbach freut sich, dass sich inzwischen 75 Prozent der Stanzacher gegen die Kraftwerkspläne aussprechen, und wird demnächst zu einer Bürgerversammlung einladen. Es bleibt spannend …
Erkundung mit dem Rad. Mit diesem Vorwissen ausgestattet, radelten einige Mitglieder des Alpenvereins bei prachtvollem Herbstwetter gemeinsam die „Sprenge“ hinauf. Auf Höhe Liegfeisttal stieß ich als freier Mitarbeiter der RUNDSCHAU zur Gruppe. Schnell entwickelten sich Diskussionen. Es wurde über LKWs diskutiert, die hier bald bis zu 20.000 Beton-Tübbinge für die Auskleidung des Staustollens Sprenger hertransportieren sollen. Auch darüber, wie die EWR die Umweltauswirkungen einschränken möchten, tauschten sich die Exkursionsteilnehmer aus. Eine weitere Frage kam auf: „Kann das überhaupt so durchführbar sein?” Wir ließen den Schranken hinter uns und radelten gemeinsam weiter ins Liegfeisttal. Im hinteren Teil des Liegfeisttals beeindruckte uns dessen atemberaubende und ursprüngliche Schönheit. Eine kleine Wanderung wäre schön gewesen! Stattdessen begutachteten wir den Bereich, wo in den nächsten Jahren eine Großbaustelle geplant ist. Wir standen an der Stelle, an der das Kraftwerkshaus gebaut und eine Abraumdeponie für etwa 10.000 Lkw-Fuhren Ausbruchmaterial aufgeschüttet werden soll. Wir inspizierten auch das bestehende Wehr, das den Liegfeistbach normalerweise komplett schluckt. Die Dramaturgie, auf einen Bach zu blicken, der an dieser Stelle einfach endet, blieb uns allerdings erspart. Das Wehr war geschlossen und der Liegfeistbach floss über das zugeschotterte Wehr weiter in Richtung Rotlechschlucht. Warum dies trotz der sehr hohen Strompreise geschah, war der nächste Diskussionspunkt. An der Staumauer des Rotlechstausees konnten wir uns davon überzeugen, dass hier wirklich kaum Wasser ins Rotlechtal fließt. Der Stausee selbst war halb leer.
Stanzach zeigt Widerstand. In Kelmen, dem höchsten Punkt unserer Radtour, legten wir eine Brotzeitpause ein und führten weitere rege Gespräche. Sind 70 Millionen Euro für 25 Gigawattstunden Energie im Jahr nicht etwas zu viel? Werden aufgrund des Klimawandels die geplanten Erträge überhaupt erreicht werden können? Erfolgt die Restwasserabgabe durch die EWR wirklich freiwillig? Können wir die Energiewende auch schaffen, ohne unsere letzten Bäche trockenzulegen? Welche besseren Alternativen gäbe es? Nach einer kurzen Rollstrecke kamen wir ins Namlosbachtal mit seiner wild-beeindruckenden Schlucht. An der Stelle, an der der Bach bald zum Großteil vom Boden verschluckt werden soll, fanden wir ein Schild. Die Stimmung war merklich gedrückt. Warum soll der Bach fast direkt hinter der Grenze zum Schutzgebiet gefasst werden? Dort, wo der Namlosbach nach Stanzach fließt, stehen mehrere Sitzbänke direkt am Wasser. Die Stanzacher verbringen gerne Zeit an „ihrem“ Bach. Auch wir genossen diese Stimmung. Der Bereich, in dem der Namlosbach in den Lech mündet, soll im Rahmen eines Förderprojekts fischgerechter und ökologischer gestaltet werden. Wir begutachteten auch dieses Areal ausgiebig und radelten anschließend am Lech entlang zurück nach Hause.
Warum organisierte der Alpenverein diese Exkursion? Die Antwort ist bekannt: Weil in seiner Satzung der Part „... die Schönheit und Ursprünglichkeit der Bergwelt zu erhalten ...” verankert ist.
Es geht weiter. In einem gesonderten Termin möchte Toni Knittel, Sprecher der Bürgerinitiative, den Mitgliedern des Alpenvereins die Sicht der Initiative auf das Projekt „Namlosbach” präsentieren. Auch die EWR werden ihre Perspektive auf das Thema in weiteren öffentlichen Veranstaltungen präsentieren. Die Bürgerinitiative Namlosbach freut sich, dass sich inzwischen 75 Prozent der Stanzacher gegen die Kraftwerkspläne aussprechen, und wird demnächst zu einer Bürgerversammlung einladen. Es bleibt spannend …





