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Optimierung nimmt weiter Konturen an

EWR reichen Projekt für Wasserkraft-Ausbau und ökologische Verbesserungen ein

Die Elektrizitätswerke Reutte haben Ende Dezember ein zentrales Teilprojekt der „Optimierung Kraftwerkskette Plansee“ bei den zuständigen Behörden des Landes Tirol eingereicht. Das Projekt betrifft unter anderem Maßnahmen am Rotlech, im Liegfeisttal und am Namloser Bach. Grundlage der Einreichung sind umfangreiche ökologische Gutachten, die die Naturverträglichkeit des Vorhabens beurteilen.
9. März 2026 | von Johannes Pirchner
Optimierung nimmt weiter Konturen an <br />
Die Visualisierung des Kraftwerks Liegfeist und ...
Die Unterlagen wurden laut EWR am 19. Dezember eingebracht. Damit startete das naturschutz-, forst- und wasserrechtliche Genehmigungsverfahren für eines der zentralen Teilprojekte der geplanten Weiterentwicklung der Kraftwerkskette rund um den Plansee.

PROJEKTÜBERBLICK. Die Elektrizitätswerke Reutte (EWR) verfolgen mit der „Optimierung Kraftwerkskette Plansee“ ein langfristiges Investitionsprogramm zur Weiterentwicklung bestehender Anlagen. Insgesamt umfasst das Vorhaben fünf Teilprojekte entlang der bestehenden Kraftwerkskette zwischen Rotlech, Plansee, Heiterwanger See und Archbach. „Wir wollen und müssen an den Kraftwerken eh etwas machen – altersbedingt, zustandsbedingt oder aufgrund neuer Anforderungen im Energiesystem“, erklärt EWR-Technikvorstand Sebastian Freier.

VERBESSERUNG. Im Mittelpunkt steht laut Unternehmen nicht der Bau neuer Großkraftwerke, sondern die technische und energetische Optimierung bestehender Anlagen sowie ökologische Verbesserungen an mehreren Gewässerabschnitten. Über einen Zeitraum von rund zehn Jahren sollen dafür etwa 70 Millionen Euro investiert werden.
VORTEILE. Ein wesentliches Ziel ist die zusätzliche Stromproduktion aus erneuerbarer Energie. Durch die geplanten Maßnahmen sollen jährlich rund 25 Gigawattstunden Strom zusätzlich erzeugt werden. Das entspricht dem Bedarf von mehr als 7.000 Haushalten. Gleichzeitig wird eine jährliche CO₂-Reduktion von rund 21.000 Tonnen erwartet.

ROTLECH UND NAMLOSER BACH. Ein zentrales Element des eingereichten Projekts ist die Optimierung im Bereich Rotlech und Liegfeistbach. Vorgesehen sind mehrere technische Maßnahmen, darunter eine neue Wasserfassung am Namloser Bach mit einem sogenannten Coanda-Rechen, ein Überleitungsstollen ins Liegfeisttal sowie ein neues Zwischenkrafthaus. Der Coanda-Rechen stellt eine spezielle Form der Wasserfassung dar. Dabei fließt das Wasser über feine Stäbe, während Geschiebe und Sedimente im Gewässer verbleiben. Dadurch bleiben natürliche Prozesse wie Geschiebetransport und Hochwasserdynamik erhalten. Das Wasser wird innerhalb der bestehenden Kraftwerkskette weiterhin mehrfach genutzt und in mehreren Kraftwerken energetisch verwertet. Diese mehrfache Nutzung desselben Wassers gilt aus energiewirtschaftlicher Sicht als besonders effizient. „Das Wasser wird entlang der Kraftwerkskette mehrfach genutzt – bis es bei Pflach wieder in den Lech zurückfließt.“

UMFANGREICHE GUTACHTEN. Die Grundlage der Einreichung bilden umfangreiche fachliche Untersuchungen. Insgesamt wurden fünf ökologische Fachgutachten mit mehr als 800 Seiten Umfang erstellt. Beteiligt waren mehrere unabhängige Fachbüros, die unterschiedliche Aspekte der Umweltwirkungen des Projekts analysierten. „Uns hilft es gar nichts, wenn wir ein Projekt einreichen und die Gutachter am Ende sagen: Das ist nicht genehmigungsfähig“, so Freier.

WAS WURDE BEGUTACHTET? Untersucht wurden dabei unter anderem die Gewässerökologie (Limnologie), die Pflanzen- und Lebensräume, das Landschaftsbild und der Erholungswert, die Tierökologie sowie die Wildtierökologie im Projektgebiet. Ergänzend wurden technische Fachberichte etwa zu Geologie, Hydrogeologie, Hydraulik und Naturgefahren erstellt. Ein zentraler Bestandteil der Unterlagen ist außerdem eine Natura-2000-Verträglichkeitserklärung. Dabei wird geprüft, ob ein Projekt Auswirkungen auf europäische Schutzgebiete haben könnte.

FAZIT DER GUTACHTEN. Die Gutachten kommen dabei zu dem Ergebnis, dass keine erheblichen Beeinträchtigungen der Erhaltungsziele des Natura-2000-Gebiets zu erwarten sind. Der biologische Zustand des Namloser Bachs bleibe erhalten, während sich der ökologische Zustand von Rotlech und Liegfeistbach sogar verbessern soll. Die Formulierung „keine erhebliche Beeinträchtigung“ ist dabei ein fachlicher Begriff. EWR-Technikvorstand Sebastian Freier erläuterte diese Bewertung bei der Präsentation des Projekts so: „Ein Gutachter sagt nie, es gibt keine Beeinträchtigung. Ein Gutachter sagt immer: keine erhebliche Beeinträchtigung.“ Der ökologische Zustand des Namloser Bachs bleibe laut Gutachten damit unverändert. „Der sehr gute Zustand am Namloser Bach wird nicht verschlechtert, er wird beibehalten“, erklärte Freier.

PRÜFUNG DURCH BEHÖRDEN. Mit der Einreichung beginnt nun das behördliche Verfahren. Die zuständigen Stellen des Landes Tirol prüfen die Unterlagen im Detail und ziehen auch Amtssachverständige hinzu. Freier zeigte sich hinsichtlich der Bewertung zuversichtlich. „Mit diesem Ansatz ist die Wahrscheinlichkeit sehr, sehr, sehr hoch, dass sie genau zum gleichen Ergebnis wie die EWR-Gutaschten kommen. 100 Prozent nein, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr, sehr, sehr, sehr hoch.“ Die endgültige Entscheidung über eine Genehmigung liegt jedoch bei den Behörden, aus Erfahrung ist für Freier aber klar, dass der von den EWR eingeschlagene Weg zum Erfolg führen wird.

BEDEUTUNG FÜR DIE REGION. Neben der zusätzlichen Energieproduktion sehen die EWR auch klare Vorteile für die Region. Durch die Nutzung bestehender Speicheranlagen könne Strom gezielt dann produziert werden, wenn er benötigt wird – etwa um Schwankungen durch Photovoltaik auszugleichen. „Mit der Einreichung setzen wir einen wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung unserer bestehenden Kraftwerkskette. Das Projekt leistet einen Beitrag zur Absicherung der regionalen Energieversorgung und stärkt die Wertschöpfung vor Ort“, erklärt Technikvorstand Sebastian Freier. Gerade diese Kombination aus zusätzlicher Stromproduktion, Modernisierung bestehender Anlagen und ökologischen Maßnahmen gilt aus Sicht des Unternehmens als zentraler Vorteil des Projekts.
Optimierung nimmt weiter Konturen an <br />
... die Visualisierung des Namloser Bachs nach Fertigstellung des Projekts. Fotos: EWR

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