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Seit 100 Tagen im Amt

Prim. PHD Dr. Wolfgang Schlosser zieht als ärztlicher Direktor erste Bilanz und nennt seine Ziele für das BKH Reutte

Seit 1. April ist Prim. PHD Dr. Wolfgang Schlosser ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Reutte. Nach den ersten rund 100 Tagen zog er eine erste Bilanz seiner neuen Aufgabe. Im Mittelpunkt stehen für ihn die medizinische Weiterentwicklung des BKH Reutte in allen Bereichen.

13. August 2026
Seit 100 Tagen im Amt
Bildtext: Der neue ärztliche Direktor, Prim. Dr. Wolfgang Schlosser, zog seine positive Bilanz seiner ersten 100 Tage im Amt. Foto: BKH/Fotostudio Rene
Die neue Funktion bringt für den langjährigen Primar der Chirurgie deutlich mehr Verantwortung mit sich. Zusätzlich zur Tätigkeit im Operationssaal, in der Ambulanz und in den Sprechstunden prägen Besprechungen, organisatorische Aufgaben und strategische Entscheidungen seinen Arbeitsalltag. Gleichzeitig sieht Schlosser darin die Chance, Entwicklungen aktiv mitzugestalten und Abläufe weiter zu verbessern.

DIE ERSTEN 100 TAGE. Auf die Frage nach seinen ersten Monaten als ärztlicher Direktor nennt Prim. Schlosser vor allem den deutlich höheren Zeitaufwand. Gleichzeitig schätze er die Möglichkeit, Entwicklungen am BKH aktiv mitzugestalten und Strukturen weiterzuentwickeln. Zu den schwierigsten Entscheidungen als ärztlicher Direktor zählte für ihn bisher die Neuordnung lange bestehender medizinisch-therapeutischer Prozesse. Solche Veränderungen seien zwar sinnvoll, müssten jedoch intern ausführlich erklärt und gemeinsam getragen werden. Das führe zwangsläufig zu längeren Diskussionen und Abstimmungen, bevor neue Abläufe umgesetzt werden könnten. Im Mittelpunkt stehe dabei – für ihn ebenso wie für alle Beteiligten – stets der Nutzen für die Patienten.

MEDIZINISCHE SCHWERPUNKTE. Ein zentrales Anliegen ist die Weiterentwicklung des medizinischen Angebots. Besonders hebt Schlosser die Stabilisierung der Abteilung für Unfallchirurgie und Orthopädie hervor. Mit der Neubesetzung des Primariats sei wieder mehr Ruhe und Stabilität eingekehrt. Gleichzeitig werde das Leistungsspektrum erweitert. Derzeit werden die Wirbelsäulenchirurgie sowie weitere Spezialisierungen wie Handchirurgie, moderne arthroskopische Verfahren und die Schulterendoprothetik aufgebaut. Auch die Innere Medizin erhält mit einem neuen Rheumatologen einen zusätzlichen Schwerpunkt. Ziel sei es, das medizinische Angebot kontinuierlich auszubauen und gleichzeitig die wohnortnahe Versorgung auf hohem Niveau sicherzustellen. Schlosser betont, dass ein kleines Krankenhaus heute weit mehr als reine Grundversorgung bieten müsse. Gerade spezialisierte Angebote seien wichtig, um das Haus langfristig zu stärken und attraktiv zu halten. Gleichzeitig trügen sie dazu bei, Patienten möglichst wohnortnah versorgen zu können und die für einen leistungsfähigen Krankenhausbetrieb notwendigen Fallzahlen langfristig zu sichern.

NACHWUCHS ALS SCHLÜSSEL. Besonderes Augenmerk legt der ärztliche Direktor auf die Ausbildung junger Ärzte. Sein Ziel ist es, Medizinstudenten bereits während des Klinisch-Praktischen Jahres für das Bezirkskrankenhaus zu gewinnen und sie über die Basis- und Facharztausbildung langfristig an das Haus zu binden. Das Interesse sei derzeit erfreulich groß, die Ausbildungsstellen seien bereits weit ins kommende Jahr vergeben. Als Vorteil eines kleineren Krankenhauses sieht Schlosser die breite Ausbildung. Junge Ärzte übernehmen früh Verantwortung, arbeiten direkt mit Patienten und sammeln dadurch rasch praktische Erfahrung. Gleichzeitig soll die Ausbildung stärker strukturiert werden. Ein verbindliches Fortbildungsprogramm mit festen Themen und Terminen sowie praktische Ultraschallkurse, EKG-Schulungen und abteilungsübergreifende Fortbildungen befinden sich im Aufbau. Kritisch beurteilt Schlosser dagegen die kurzfristig beschlossene Verkürzung der Basisausbildung von neun auf sechs Monate. Der Ausbildungsinhalt bleibe unverändert, während den Krankenhäusern erheblicher organisatorischer Mehraufwand entstehe.

PERSONALSITUATION STABIL. Auch die Personalsituation entwickelt sich positiv. Viele Ausbildungsstellen konnten besetzt werden, zahlreiche junge Ärzte stammen aus dem eigenen Nachwuchs und sorgen für Kontinuität. Bei Fach- und Oberärzten gibt es zwar vereinzelt noch offene Stellen, einen akuten Personalmangel sieht Schlosser derzeit jedoch nicht. Schwieriger bleibe es, erfahrene Ärzte dauerhaft für das Außerfern zu gewinnen. Im Pflegebereich beurteilt er die Situation hingegen als stabil, da viele Mitarbeiter aus der Region stammen und dem Standort langfristig treu bleiben.

DIALOG MIT NIEDERGELASSENEN. Der regelmäßige Austausch mit niedergelassenen Ärzten bleibt für Schlosser ein wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeit. Ebenso sieht er das neue Medical Center Außerfern (MCA) als Partner in der regionalen Gesundheitsversorgung. Entscheidend sei, die medizinischen Angebote sinnvoll aufeinander abzustimmen und die Patienten bestmöglich zu versorgen.
SPRECHSTUNDEN NEU. Ein besonderes Anliegen ist ihm die weitere Strukturierung der Spezialsprechstunden. Durch klar definierte Angebote – etwa für Proktologie, Hernien oder künftig auch Rheumatologie – sollen Patienten rasch den richtigen Ansprechpartner finden und Zuweiser einen besseren Überblick über das Leistungsspektrum des Bezirkskrankenhauses erhalten.

MEDIZIN FÜR DIE BEVÖLKERUNG. Großen Stellenwert misst Prim. Schlosser den Patienteninformationsabenden bei. Die Vortragsreihe zu Themen wie Reflux, Schilddrüsenerkrankungen oder Blasenleiden soll künftig auf weitere Abteilungen ausgeweitet werden. Geplant sind unter anderem Veranstaltungen zu Schulterbeschwerden, Endoprothetik, Wirbelsäule, Bauchwandschirurgie sowie zum Thema Narkose. Damit wolle das Krankenhaus medizinisches Wissen verständlich vermitteln und gleichzeitig zeigen, welche Leistungen vor Ort angeboten werden.

NEUBAU. Auch die Modernisierung des Krankenhauses verläuft nach Angaben Schlossers erfreulich. Die zweite Bauphase wurde sogar früher als geplant abgeschlossen. Neue Ambulanzen und Stationen seien bereits bezogen und würden sowohl von Mitarbeitern als auch von Patienten sehr positiv bewertet. Als nächster Schritt entstehen unter anderem eine Tages- und Wochenstation sowie eine modernisierte Sonderklassestation. Die Fertigstellung ist für 2027 vorgesehen. Langfristig sollen dadurch vor allem ambulante und kurzstationäre Eingriffe noch effizienter organisiert werden.

WOHNORTNAHE VERSORGUNG SICHERN. Für die Zukunft sieht Schlosser das Bezirkskrankenhaus klar als unverzichtbaren Bestandteil der Gesundheitsversorgung im Außerfern. Aufgrund der geografischen Lage übernehme das Haus eine wichtige Lotsenfunktion: Patienten würden erstversorgt, diagnostiziert und – falls notwendig – in spezialisierte Zentren weitergeleitet.

SCHNELLES HANDELN GEFRAGT. Bei Herzinfarkten funktioniert die enge Zusammenarbeit mit dem Klinikum Füssen laut Schlosser seit Jahren ausgezeichnet. Auch bei Schlaganfällen bestehen abgestimmte Behandlungswege mit Innsbruck, bei denen schnelle Diagnostik und rasche Entscheidungen gerade im Außerfern mit seinen langen Fahrzeiten für die Patienten entscheidend sind. Grenzüberschreitende Kooperationen können aus seiner Sicht dort, wo sie für die Patienten sinnvoll sind und medizinischen Nutzen bringen, diskutiert und weiterentwickelt werden.

ZIEL. Sein Ziel für die kommenden Jahre fasst der ärztliche Direktor klar zusammen: Das BKH Reutte soll sich medizinisch kontinuierlich weiterentwickeln, die medizinische Qualität weiter ausbauen und junge Ärzte langfristig für den Standort gewinnen. Gleichzeitig sollen bestehende Strukturen laufend verbessert und die Leistungen des Krankenhauses für die Bevölkerung noch sichtbarer gemacht werden. Sein Appell lautet, das eigene Bezirkskrankenhaus als erste Anlaufstelle zu nutzen und damit die wohnortnahe Gesundheitsversorgung im Außerfern nachhaltig zu stärken.​​​​​​​

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