Studieren mit Gebühren?
Während Otto Matreux Studienbeiträge unter Bedingungen für vertretbar hält, lehnt Julia Hofer diese klar ab
Mit dem Ende des Schuljahres beginnt für viele Maturanten ein neuer Lebensabschnitt. Zahlreiche junge Außerferner werden im Herbst ein Studium in Innsbruck, Wien oder Graz aufnehmen. Abgesehen vom ÖH-Beitrag von derzeit 26,20 Euro pro Semester ist das Studium an öffentlichen Universitäten in Österreich grundsätzlich kostenlos.
16. Juli 2026
Die Diskussion um mögliche Studiengebühren an öffentlichen Universitäten sorgt auch unter jungen Menschen aus dem Außerfern für unterschiedliche Meinungen. Symbolbild: AdobeStock
Kurz vor der Sommerpause hat Tirols Bildungslandesrätin Cornelia Hagele die Debatte über Studiengebühren angestoßen. Hagele spricht sich dafür aus, öffentlichen Universitäten die Möglichkeit einzuräumen, freiwillig Studienbeiträge nach dem Vorbild der Fachhochschulen einzuheben. Die Einnahmen wären zweckgebunden und sollen unter anderem in bessere Betreuungsverhältnisse, moderne Infrastruktur, zusätzliche Lehrangebote sowie den Ausbau von Studienplätzen fließen. Gleichzeitig betont Hagele die Notwendigkeit sozialer Ausgleichsmaßnahmen. Studierende mit geringerem Einkommen sollen durch Stipendien, Gebührenbefreiungen oder Rückerstattungen entlastet werden. Die RUNDSCHAU hat dazu zwei Studierende aus dem Außerfern um ihre Einschätzung gebeten.
Der Reuttener Student und Bezirksobmann der JVP Reutte, Otto Matreux, sieht die Diskussion rund um Studiengebühren differenziert. Grundsätzlich hält er Studiengebühren in Zeiten angespannter öffentlicher Finanzen für vertretbar, betont jedoch, dass das bestehende Beihilfensystem ausgebaut werden müsse, damit ein Studium weiterhin für alle leistbar bleibt. „Für mich ist entscheidend, dass jede und jeder weiterhin die Möglichkeit hat zu studieren – unabhängig von der finanziellen Situation der Eltern. Deshalb müssen Beihilfen dort ankommen, wo sie wirklich gebraucht werden“, sagt Matreux.
QUALITÄT UND AUTONOMIE. Als wesentliches Argument für Studiengebühren nennt er die Sicherung der Studienqualität. „Wenn aufgrund fehlender Mittel Personal abgebaut werden muss, ist die Qualität der Lehre gefährdet. Dann braucht es zusätzliches Geld, um unser hochwertiges Studium weiterhin gewährleisten zu können“, so Matreux. Positiv bewertet er den Vorschlag von Bildungslandesrätin Cornelia Hagele, Universitäten selbst über die Einführung von Studiengebühren entscheiden zu lassen.Sozialer Ausgleich Auch eine soziale Staffelung möglicher Gebühren hält Matreux für wichtig. „Junge Menschen dürfen nicht aufgrund sozialer Benachteiligung von guter Bildung ausgeschlossen werden. Deshalb ist eine soziale Staffelung ein wichtiger Ansatz.“ Gebühren in der Größenordnung von rund 370 Euro pro Semester würden ihn persönlich nicht von einem Studium abhalten. Matreux arbeitet neben dem Studium, „Mir ist es wichtig, meine Eltern etwas zu entlasten. Da ich später von meiner Ausbildung profitiere, halte ich es für gerechtfertigt, auch meinen Teil dazu beizutragen.“ Entscheidend sei für ihn jedoch der Ausbau der Studienbeihilfen. Gleichzeitig müsse die finanzielle Gesamtsituation des Staates berücksichtigt werden. „Deshalb halte ich einen moderaten Beitrag zur eigenen Ausbildung grundsätzlich für vertretbar.“ Studiengebühren könnten aus seiner Sicht zur Sicherung der Hochschulqualität beitragen, sofern soziale Fairness und Chancengleichheit gewährleistet bleiben.
Ganz anders als LR Hagele und Otto Matreux argumentiert Julia Hofer aus Musau, die Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck studiert und sich im Verband Sozialistischer Student_innen Österreich engagiert. Sie lehnt den Vorschlag zur Einführung von Studiengebühren ab. Die von Bildungslandesrätin Cornelia Hagele genannten Argumente – bessere Studienqualität, Freiwilligkeit für Universitäten und soziale Staffelung – überzeugen sie nicht. „Es geht nicht darum, einen besseren Studienstandort oder eine bessere Infrastruktur zu schaffen, sondern Budgetlücken auf dem Rücken junger Menschen zu stopfen“, betont Hofer. Auch eine soziale Staffelung ändere nichts an der Grundproblematik. „Studieren wird zur finanziellen Frage. Bildung darf aber nicht vom Geldbeutel abhängen.“
KRITIK AM VORSCHLAG. Kritisch sieht Hofer auch die Idee, Universitäten selbst über die Einführung von Studiengebühren entscheiden zu lassen. „Das ist keine Lösung für die Kürzungen, sondern verschiebt die Verantwortung von der Politik auf die Universitäten, die bereits unter erheblichem finanziellem Druck stehen und dadurch kaum einen echten Handlungsspielraum haben.“ Grundsätzlich hält sie die aktuelle Debatte für problematisch. „Bildung, Gesundheit und Soziales sind zentrale Säulen unserer Gesellschaft, die nicht von Sparmaßnahmen betroffen sein dürfen.“ Stattdessen sollte ihrer Ansicht nach stärker darüber diskutiert werden, Steuerschlupflöcher zu besteuern und dadurch zusätzliche Mittel für diese Bereiche zu schaffen.
ABSOLUTES NO-GO. Studiengebühren würden aus Hofers Sicht junge Menschen vom Studium abhalten. „Studiengebühren sind ein absolutes No-Go, weil sie wie ein soziales Sieb wirken.“ Gerade für Studierende aus Regionen wie dem Außerfern sei die finanzielle Belastung bereits hoch, da zusätzlich Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Lebenshaltung anfallen würden. Als Beispiel verweist Hofer auf die Einführung allgemeiner Studiengebühren im Jahr 2000. Damals sei die Zahl der Studierenden um fast 20 Prozent und jene der Studienanfänger um rund 14 Prozent zurückgegangen. „So etwas darf sich nicht wiederholen! Bildung darf kein Luxus sein!“
Der Reuttener Student und Bezirksobmann der JVP Reutte, Otto Matreux, sieht die Diskussion rund um Studiengebühren differenziert. Grundsätzlich hält er Studiengebühren in Zeiten angespannter öffentlicher Finanzen für vertretbar, betont jedoch, dass das bestehende Beihilfensystem ausgebaut werden müsse, damit ein Studium weiterhin für alle leistbar bleibt. „Für mich ist entscheidend, dass jede und jeder weiterhin die Möglichkeit hat zu studieren – unabhängig von der finanziellen Situation der Eltern. Deshalb müssen Beihilfen dort ankommen, wo sie wirklich gebraucht werden“, sagt Matreux.
QUALITÄT UND AUTONOMIE. Als wesentliches Argument für Studiengebühren nennt er die Sicherung der Studienqualität. „Wenn aufgrund fehlender Mittel Personal abgebaut werden muss, ist die Qualität der Lehre gefährdet. Dann braucht es zusätzliches Geld, um unser hochwertiges Studium weiterhin gewährleisten zu können“, so Matreux. Positiv bewertet er den Vorschlag von Bildungslandesrätin Cornelia Hagele, Universitäten selbst über die Einführung von Studiengebühren entscheiden zu lassen.Sozialer Ausgleich Auch eine soziale Staffelung möglicher Gebühren hält Matreux für wichtig. „Junge Menschen dürfen nicht aufgrund sozialer Benachteiligung von guter Bildung ausgeschlossen werden. Deshalb ist eine soziale Staffelung ein wichtiger Ansatz.“ Gebühren in der Größenordnung von rund 370 Euro pro Semester würden ihn persönlich nicht von einem Studium abhalten. Matreux arbeitet neben dem Studium, „Mir ist es wichtig, meine Eltern etwas zu entlasten. Da ich später von meiner Ausbildung profitiere, halte ich es für gerechtfertigt, auch meinen Teil dazu beizutragen.“ Entscheidend sei für ihn jedoch der Ausbau der Studienbeihilfen. Gleichzeitig müsse die finanzielle Gesamtsituation des Staates berücksichtigt werden. „Deshalb halte ich einen moderaten Beitrag zur eigenen Ausbildung grundsätzlich für vertretbar.“ Studiengebühren könnten aus seiner Sicht zur Sicherung der Hochschulqualität beitragen, sofern soziale Fairness und Chancengleichheit gewährleistet bleiben.
Ganz anders als LR Hagele und Otto Matreux argumentiert Julia Hofer aus Musau, die Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck studiert und sich im Verband Sozialistischer Student_innen Österreich engagiert. Sie lehnt den Vorschlag zur Einführung von Studiengebühren ab. Die von Bildungslandesrätin Cornelia Hagele genannten Argumente – bessere Studienqualität, Freiwilligkeit für Universitäten und soziale Staffelung – überzeugen sie nicht. „Es geht nicht darum, einen besseren Studienstandort oder eine bessere Infrastruktur zu schaffen, sondern Budgetlücken auf dem Rücken junger Menschen zu stopfen“, betont Hofer. Auch eine soziale Staffelung ändere nichts an der Grundproblematik. „Studieren wird zur finanziellen Frage. Bildung darf aber nicht vom Geldbeutel abhängen.“
KRITIK AM VORSCHLAG. Kritisch sieht Hofer auch die Idee, Universitäten selbst über die Einführung von Studiengebühren entscheiden zu lassen. „Das ist keine Lösung für die Kürzungen, sondern verschiebt die Verantwortung von der Politik auf die Universitäten, die bereits unter erheblichem finanziellem Druck stehen und dadurch kaum einen echten Handlungsspielraum haben.“ Grundsätzlich hält sie die aktuelle Debatte für problematisch. „Bildung, Gesundheit und Soziales sind zentrale Säulen unserer Gesellschaft, die nicht von Sparmaßnahmen betroffen sein dürfen.“ Stattdessen sollte ihrer Ansicht nach stärker darüber diskutiert werden, Steuerschlupflöcher zu besteuern und dadurch zusätzliche Mittel für diese Bereiche zu schaffen.
ABSOLUTES NO-GO. Studiengebühren würden aus Hofers Sicht junge Menschen vom Studium abhalten. „Studiengebühren sind ein absolutes No-Go, weil sie wie ein soziales Sieb wirken.“ Gerade für Studierende aus Regionen wie dem Außerfern sei die finanzielle Belastung bereits hoch, da zusätzlich Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Lebenshaltung anfallen würden. Als Beispiel verweist Hofer auf die Einführung allgemeiner Studiengebühren im Jahr 2000. Damals sei die Zahl der Studierenden um fast 20 Prozent und jene der Studienanfänger um rund 14 Prozent zurückgegangen. „So etwas darf sich nicht wiederholen! Bildung darf kein Luxus sein!“
Johannes Pirchner 






