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Volksschule Reutte: Planung auf dem Prüfstand

Das Siegerprojekt ist zu teuer – nun sollen die Architekten innerhalb des Kostenrahmens nachbessern

Vergangenen April berichteten wir über das Siegerprojekt für die Modernisierung der Volksschule Reutte. Die Vorarlberger Architekten Bernhard Wüst und Nikolaus Schallert setzten sich mit ihrem Entwurf gegen 64 Mitbewerber durch und erhielten einstimmig den Zuschlag des Gemeinderats. Doch der geplante Baustart in den Sommerferien 2027 wackelt. Der Grund: Das Siegerprojekt überschreitet den vorgegebenen Kostenrahmen.

Sabine Schretter
28. September 2026
Volksschule Reutte: Planung auf dem Prüfstand
Noch ist bei der Volksschule Reutte alles ruhig. Der Baustart verzögert sich, denn das Siegerprojekt sprengt den Kostenrahmen und muss überarbeitet werden. Foto: Schretter
In der Gemeinderatssitzung am 24. September fragte Stadtrat Bernhard Egger nach dem aktuellen Stand der Modernisierung der Volksschule Reutte. Bürgermeister Günter Salchner erklärte, dass das Siegerprojekt die Grundlage für die Modernisierung bildet und grundsätzlich umgesetzt werden soll. Für eine Nachberechnung der Kosten hat die Stadtgemeinde ein externes Büro beauftragt. Das Ergebnis sorgt allerdings für Ernüchterung. „Jetzt wissen wir, dass das Projekt umsetzbar ist. Allerdings nicht für die 16 Millionen Euro, bei denen unser Deckel liegt“, erklärte Salchner. Der Kostenrahmen sei deutlich überschritten und liege bei über 20 Millionen Euro, so die Auskunft des Bürgermeisters auf Nachfrage der RUNDSCHAU. Er habe lernen müssen, dass diese Vorgehensweise ganz normal sei. „Man darf nicht erwarten, bei einem Architektenwettbewerb ein direkt umsetzbares Projekt zu erhalten.“ Bis es so weit ist, müssen mehrere Planungsstufen durchlaufen werden. „Wir sind jetzt vor dem Vorentwurf“, verdeutlicht Salchner.  Für die Stadtgemeinde Reutte steht fest: Der Kostenrahmen soll eingehalten werden. Reutte trägt den Hauptteil der Kosten. Die Gemeinde Breitenwang beteiligt sich entsprechend der Zahl ihrer Schüler, zudem sind Förderungen des Landes Tirol vorgesehen. „Das Projekt soll umgesetzt werden, aber unter Einhaltung des finanziellen Limits“, betonte Salchner. Nach Angaben des Bürgermeisters habe die Stadt bei den beiden Architekten mehrfach nachgefragt, ob sich das Projekt innerhalb des vorgegebenen Rahmens umsetzen lasse. Die Antwort sei stets „selbstverständlich“ gewesen. Dass die aktuelle Berechnung nun über diesem Limit liegt, sorgt bei Salchner für Verärgerung und beim Gemeinderat für Kopfschütteln. Ein vorgegebener finanzieller Rahmen sei nicht nur eine Empfehlung. „Das ist scheinbar für Architekten aber nicht systemrelevant“, kritisierte der Bürgermeister. Nun soll das Projekt entsprechend überarbeitet werden. Die Kubatur soll schlanker werden, ohne dass das pädagogische Konzept darunter leidet. Die Stadtgemeinde wartet nun auf das Ergebnis dieser Überarbeitung. Es soll in drei bis vier Wochen vorliegen. „Dann heißt es hü oder hott“, so Salchner. Sollten die beiden Vorarlberger Architekten mit ihrem überarbeiteten Entwurf nicht überzeugen, schließt die Stadt Alternativen nicht aus. Dann könnte der zweitplatzierte Vorschlag zum Zug kommen. Auch weitere Wettbewerbsbeiträge seien eine Möglichkeit. „Oder der Dritt- oder der Viertplatzierte. Die Nummer vier hatte beim Wettbewerb das schlankste Projekt geliefert“, erklärte Salchner. Seine Verärgerung über die derzeitige Situation machte der Stadtchef ebenfalls deutlich: „Ich mache in meinem Leben keinen Architektenwettbewerb in dieser Dimension mehr!“ Die Stadtgemeinde Reutte hofft optimistisch, dass der Baustart in einem Jahr erfolgt.

EU-weit ausgeschrieben. Die Modernisierung der Volksschule Reutte, die auch von Kindern aus Breitenwang besucht wird, ist notwendig, weil das knapp 130 Jahre alte Gebäude die Anforderungen an einen zeitgemäßen Unterricht nicht mehr ausreichend erfüllt. Von einem Neubau an einem anderen Standort sah die Stadtgemeinde ab. Stattdessen entschied man sich für die Ertüchtigung und Modernisierung des bestehenden Schulgebäudes. Projekte dieser Größenordnung erfordern eine EU-weite Ausschreibung. Alle Teilnehmer des Wettbewerbs erhielten einen Katalog mit Anforderungen sowie Vorgaben zum finanziellen Rahmen. Genau dieser Kostenrahmen steht nun im Mittelpunkt der weiteren Planungen. Die Erstplatzierten müssen ihren Entwurf entsprechend überarbeiten. Erst danach wird sich zeigen, ob das Siegerprojekt auch tatsächlich umgesetzt werden kann.

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