Der Kreckelmooser Pudel. Es war um etwa 1900, als ein Reutteneer Gerichtsbeamter wie gewöhnlich mit seinem Hund den Nachmittagsspaziergang in Richtung Plansee machte. Einmal nun hatte er sich gewaltig verspätet und kehrte erst gegen Mitternacht von seinem Ausflug heim. Als er den „Rossruggen“ herunterkam, stand plötzlich ein pechschwarzer Pudel mit leuchtenden Augen vor ihm. Der sonst gar nicht furchtsame Hund des Wanderers begann zu zittern und zu winseln und drückte sich mit eingezogenem Schweif dicht an seinen Herrn. Der Beamte aber tat, als merke er nichts, und setzte seinen Gang fort. Bei der Abzweigung der Straße nach Kreckelmoos war der Pudel plötzlich verschwunden. Als sich diese Begebenheit so ähnlich wiederholte, fragte der Mann den Scheucher Michl, ob jemand in Breitenwang einen schwarzen Pudel halte. Der Michl verneinte die Frage, erwähnte aber das allfällige Auftauchen eines Geisterpudels. Es war fast fünf Jahre später, als der vorige Gerichtsbeamte gemeinsam mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar eine Kutschenfahrt zum Plansee unternahm. Auf dem nächtlichen Rückweg erzählte er von seinen Erlebnissen mit besagtem Pudel. Da stieß auf einma eine der Frauen einen spitzen Schrei aus und rief: „Da ist er ja!“ Und tatsächlich zeigte sich neben dem Gefährt der riesenhafte Geisterhund. Mit einem Revolver in der Hand verfolgte einer der männlichen Begleiter das zurückweichende Tier und lief ihm nach bis ins Dickicht, wo er bei „Gampers Seale“ die Spur verlor. Er kehrte zum Fuhrwerk zurück, und die Fahrt ging weiter. Die angespannte Stimmung löste sich gerade in befreiendem Lachen über den vermeintliche Geist, da trottete das Untier plötzlich wieder mit drohendem Blick neben dem Wagen her. Der Gesellschaft verging das Lachen, die Pferde trabten schneller und mit ihnen der unheimliche Hund. Recht kleinlaut wurde Breitenwang erreicht. Als sie schließlich zum Friedhof kamen, war der Pudel auf einmal verschwunden.
(Quelle: P. Linser, Sagenhaftes Außerfern)
Text und Foto: Peter Linser
(Quelle: P. Linser, Sagenhaftes Außerfern)
Text und Foto: Peter Linser