Johannesbrücke bei Weißenbach, 1956.
Foto: L. Reiter
Foto: L. Reiter
(Bote f. Tirol u. Vlbg., Nr. 4, 1870) Reiseeindrücke. Der Lech gilt im Munde des Volkes als der reichste Grundbesitzer im Tal. Im oberen Lechtal war man bisher imstande, diesen Wildfang zu bändigen. In Weißenbach wohnen viele Gewerbsleute, insbesondere Maurer und Steinhauer. Die Bewohner sind rührige Leute, sie haben in diesem Jahr mit Einführung des Flandrischen Pfluges begonnen. Sie bauen eine sehr ergiebige Getreidart, die sog. Kerngerste, an, ebenso Runkelrüben und ein neuartiges Knollengewächs. Sie haben sogar den Dzierzon’schen Bienenkasten nachgebildet, die Nachweide im Herbst auf den Feldern eingestellt und erzeugen Gips in 3 Mühlen, den Bauern aus Bayern mit Ross und Wagen abholen, um das bewährte Düngermittel gegen bares Silbergeld außer Landes zu führen. Sie haben Sinn für Musik und Gesang, sind Freunde der Zierde des Gotteshauses und sind vergnügte muntere Leute, obwohl viele im Schwabenland ihr Geld verdienen müssen. Auf die Volksschule wurde ein Stock aufgebaut und dort eine Schule für Zeichnen und Baukunde errichtet. Leider werden die Uferversicherungen vernachlässigt, man müsste statt Grasarchen, die immer weggeschwemmt werden, solide Steinarchen bauen. Anm.: Pfarrer Johann Dzierzon aus Oberschlesien (1811–1906) führte als Bienenzüchter den beweglichen Wabenbau (Mobilbau) ein. Der Schwerz'sche oder Flandrische Pflug war wirtschaftlicher, hatte eine kleinere Pflugschar und leichtere Führung als die herkömmlichen Holzpflüge.
Text: Peter Linser
Text: Peter Linser