Außerferner bezwingt Ärmelkanal
Der Reuttener Liam Poberschnigg durchschwamm als erster Tiroler Meerenge zwischen England und Frankreich
Mit einer außergewöhnlichen Leistung hat der Außerferner Liam Poberschnigg als erster Tiroler den Ärmelkanal durchschwommen. Nach rund eineinhalb Jahren Vorbereitung stellte er sich der Herausforderung zwischen Dover und der französischen Küste und erreichte sein Ziel nach 16,31 Stunden und einer Strecke von 34 km im Wasser. Dabei zeigte sich, dass hinter der sportlichen Leistung nicht nur körperliche Ausdauer, sondern auch Teamgeist, Humor und mentale Stärke standen.
28. Juli 2026
Was nach außen wie ein Einzelkampf wirkt, war für Poberschnigg von Anfang an eine Gemeinschaftsleistung. Freunde, Familie und sein Betreuerteam begleiteten ihn auf dem gesamten Weg und sorgten dafür, dass aus einem großen Traum Realität wurde.
DER ERSTE SCHRITT. Den Grundstein für seine Ärmelkanal-Durchquerung legte Liam Poberschnigg bei einem Seminar der Organisation „Kings Swimmers“ in England. Dort tauschte er sich mit erfahrenen Ärmelkanal-Schwimmern und Kapitänen aus und erhielt Einblicke aus erster Hand. „Google kann viel erzählen, aber die Leute wissen halt wirklich, was abgeht“, sagt Poberschnigg. Bei dem Seminar lernte er auch seinen späteren Captain kennen und fragte nach einem möglichen Termin für seine Durchquerung des Kanals. Bis zu seinem Schwimmversuch blieben ihm rund eineinhalb Jahre Zeit für die Vorbereitung. Üblicherweise planen Schwimmer für ein solches Vorhaben zwei bis drei Jahre ein.
TRAININGSBEGINN. Nach dem Seminar begann für Liam Poberschnigg die rund eineinhalbjährige Vorbereitung: „Im Winter begann ich mit Eisschwimmen und sprang in den Urisee rein“, sagt Liam Poberschnigg. Bereits beim ersten Mal schwamm er 500 Meter und fand daran große Freude. Weitere Steigerungen folgten im Sommer. Bei einem Trainingslager in Dover absolvierte Poberschnigg erstmals sechs Stunden im maximal 15 Grad kalten Wasser und schaffte damit die Qualifikation für die Ärmelkanal-Durchquerung. Diese erfüllte er bereits ein Jahr vor seinem eigentlichen Schwimmversuch. Trotz der erfolgreichen Qualifikation verlief die Vorbereitung nicht immer geradlinig. Immer wieder hatte Liam Poberschnigg mit mentalen Tiefs zu kämpfen. Vor allem im August des vergangenen Jahres ging er zeitweise kaum schwimmen. Um trotzdem dranzubleiben, motivierte er sich immer wieder selbst. Neben dem Schwimmen hielt er sich im Winter mit Langlaufen und Skitourengehen fit. Einen starren Trainingsplan wollte er dabei weiterhin nicht verfolgen. „Ich habe mich immer wieder selber aufgepusht und aufgegraft“, erzählt er rückblickend.
START UM 3 UHR FRÜH. Am Tag der Ärmelkanal-Durchquerung traf Liam Poberschnigg seinen Captain um zwei Uhr in der Früh. Kurz nach Mitternacht war er aufgestanden und versuchte trotz großer Nervosität noch etwas zu essen. „Wenn ich sehr nervös bin, dann wird mir immer schlecht.“ Gegen 3 Uhr begann schließlich die Durchquerung. Gestartet wurde in Dover, von dort aus führte der Weg Richtung französische Küste. Während der Durchquerung wurde Liam Poberschnigg regelmäßig vom Begleitboot versorgt. Getränke und Verpflegung wurden ihm an einem Seil zugeworfen. Für die Aufnahme wechselte er jeweils kurz in die Rückenlage, ehe das Seil wieder zum Boot zurückgezogen wurde. Die größte Herausforderung war für ihn jedoch die Ernährung. Nach vier bis fünf Stunden musste er sich übergeben und stellte seinen ursprünglichen Ernährungsplan kurzerhand um. „Dann habe ich einfach Standard B den ganzen Plan über den Haufen geschmissen und habe immer à la carte bestellt.“ Statt Gummibären, Keksen oder Nutellabrot setzte er von diesem Zeitpunkt an vor allem auf Bananen und Dosenpfirsiche. „Aber das hat dann super funktioniert und ab da ging es dann auch wieder.“
NIE GEFRAGT – WIE LANGE. Während der Durchquerung wusste Liam Poberschnigg bewusst nie, wie weit das Ziel noch entfernt war. „Ich habe mir geschworen, nie zu fragen, wie lange es noch dauert“, erzählt er. Stattdessen wechselte er gedanklich immer wieder zwischen Tagträumen und seiner Schwimmtechnik. Gegen Ende half er sich mit kleinen Gedanken selbst weiter. Wenn die Strecke noch weit erschien, sagte er sich: „Das schaut aus wie die Länge vom Plansee.“ Oder: „Eine Stunde geht locker, eine Stunde schaffe ich.“ So arbeitete er sich Stück für Stück Richtung Ziel.
MOTIVATION AUF WHITEBOARD. Während der Durchquerung warteten immer wieder neue Motivationssprüche auf Liam. Seine Mutter hatte vor dem Schwimmen Nachrichten von Familie und Freunden gesammelt, die ihm während der Überquerung vom Begleitboot aus auf einem Whiteboard gezeigt wurden. Besonders in Erinnerung blieb ihm die erste Botschaft: „Mom Loves You.“ „Da hat es nicht viel gebraucht, der Spruch, und dann bin ich schon dahin geflogen“, erzählt er. Auch sein Bruder sorgte mit einem Zitat aus „Der Herr der Ringe – Die zwei Türme“ für Motivation. Als Aragorn, Legolas und Gimli die gefangenen Hobbits Pippin und Merry verfolgen, blieb ihm der Satz von Gimli im Kopf: „Atmen, das ist der Trick – atmen!“ Daneben fehlte auch der Humor nicht. „Der Ärmelkanal ist nur der kleine Plansee“ stand ebenso auf dem Whiteboard wie die Botschaft seines Vaters: „Poberschnigg Power.“
WE DID IT. Als Liam Poberschnigg schließlich die französische Küste erreichte, wartete eine Überraschung auf ihn. Hinter ihm waren seine Freunde ins Wasser gekommen und begleiteten ihn auf den letzten Metern. Für den Außerferner war schnell klar, dass die Durchquerung weit mehr als eine Einzelleistung gewesen war. „Ich habe gleich von Anfang an immer gesagt, wir haben es geschafft. We did it.“ Für ihn stand fest, dass die Überquerung ohne Familie, Freunde und den Captain nicht möglich gewesen wäre. „Also, das hat sich für mich während des Schwimmens immer mehr herauskristallisiert, dass das eine absolute Teamangelegenheit ist.“ Mit der Ankunft an der französischen Küste überwog zunächst die Erleichterung über die gelungene Durchquerung. Ein bis zwei Tage später änderte sich diese Sicht jedoch. Rund eine Woche lang zweifelte Liam Poberschnigg an seiner Leistung. „Es war zu einfach und ich war zu langsam“, beschreibt er seine damaligen Gedanken. Weil der große mentale Zusammenbruch, mit dem er gerechnet hatte, während des Schwimmens ausgeblieben war, glaubte er zunächst, nicht an seine Grenzen gegangen zu sein. Mit etwas Abstand änderte sich seine Wahrnehmung. Heute weiß Liam Poberschnigg, welche Leistung hinter seiner Ärmelkanal-Durchquerung steckt.
DER ERSTE SCHRITT. Den Grundstein für seine Ärmelkanal-Durchquerung legte Liam Poberschnigg bei einem Seminar der Organisation „Kings Swimmers“ in England. Dort tauschte er sich mit erfahrenen Ärmelkanal-Schwimmern und Kapitänen aus und erhielt Einblicke aus erster Hand. „Google kann viel erzählen, aber die Leute wissen halt wirklich, was abgeht“, sagt Poberschnigg. Bei dem Seminar lernte er auch seinen späteren Captain kennen und fragte nach einem möglichen Termin für seine Durchquerung des Kanals. Bis zu seinem Schwimmversuch blieben ihm rund eineinhalb Jahre Zeit für die Vorbereitung. Üblicherweise planen Schwimmer für ein solches Vorhaben zwei bis drei Jahre ein.
TRAININGSBEGINN. Nach dem Seminar begann für Liam Poberschnigg die rund eineinhalbjährige Vorbereitung: „Im Winter begann ich mit Eisschwimmen und sprang in den Urisee rein“, sagt Liam Poberschnigg. Bereits beim ersten Mal schwamm er 500 Meter und fand daran große Freude. Weitere Steigerungen folgten im Sommer. Bei einem Trainingslager in Dover absolvierte Poberschnigg erstmals sechs Stunden im maximal 15 Grad kalten Wasser und schaffte damit die Qualifikation für die Ärmelkanal-Durchquerung. Diese erfüllte er bereits ein Jahr vor seinem eigentlichen Schwimmversuch. Trotz der erfolgreichen Qualifikation verlief die Vorbereitung nicht immer geradlinig. Immer wieder hatte Liam Poberschnigg mit mentalen Tiefs zu kämpfen. Vor allem im August des vergangenen Jahres ging er zeitweise kaum schwimmen. Um trotzdem dranzubleiben, motivierte er sich immer wieder selbst. Neben dem Schwimmen hielt er sich im Winter mit Langlaufen und Skitourengehen fit. Einen starren Trainingsplan wollte er dabei weiterhin nicht verfolgen. „Ich habe mich immer wieder selber aufgepusht und aufgegraft“, erzählt er rückblickend.
START UM 3 UHR FRÜH. Am Tag der Ärmelkanal-Durchquerung traf Liam Poberschnigg seinen Captain um zwei Uhr in der Früh. Kurz nach Mitternacht war er aufgestanden und versuchte trotz großer Nervosität noch etwas zu essen. „Wenn ich sehr nervös bin, dann wird mir immer schlecht.“ Gegen 3 Uhr begann schließlich die Durchquerung. Gestartet wurde in Dover, von dort aus führte der Weg Richtung französische Küste. Während der Durchquerung wurde Liam Poberschnigg regelmäßig vom Begleitboot versorgt. Getränke und Verpflegung wurden ihm an einem Seil zugeworfen. Für die Aufnahme wechselte er jeweils kurz in die Rückenlage, ehe das Seil wieder zum Boot zurückgezogen wurde. Die größte Herausforderung war für ihn jedoch die Ernährung. Nach vier bis fünf Stunden musste er sich übergeben und stellte seinen ursprünglichen Ernährungsplan kurzerhand um. „Dann habe ich einfach Standard B den ganzen Plan über den Haufen geschmissen und habe immer à la carte bestellt.“ Statt Gummibären, Keksen oder Nutellabrot setzte er von diesem Zeitpunkt an vor allem auf Bananen und Dosenpfirsiche. „Aber das hat dann super funktioniert und ab da ging es dann auch wieder.“
NIE GEFRAGT – WIE LANGE. Während der Durchquerung wusste Liam Poberschnigg bewusst nie, wie weit das Ziel noch entfernt war. „Ich habe mir geschworen, nie zu fragen, wie lange es noch dauert“, erzählt er. Stattdessen wechselte er gedanklich immer wieder zwischen Tagträumen und seiner Schwimmtechnik. Gegen Ende half er sich mit kleinen Gedanken selbst weiter. Wenn die Strecke noch weit erschien, sagte er sich: „Das schaut aus wie die Länge vom Plansee.“ Oder: „Eine Stunde geht locker, eine Stunde schaffe ich.“ So arbeitete er sich Stück für Stück Richtung Ziel.
MOTIVATION AUF WHITEBOARD. Während der Durchquerung warteten immer wieder neue Motivationssprüche auf Liam. Seine Mutter hatte vor dem Schwimmen Nachrichten von Familie und Freunden gesammelt, die ihm während der Überquerung vom Begleitboot aus auf einem Whiteboard gezeigt wurden. Besonders in Erinnerung blieb ihm die erste Botschaft: „Mom Loves You.“ „Da hat es nicht viel gebraucht, der Spruch, und dann bin ich schon dahin geflogen“, erzählt er. Auch sein Bruder sorgte mit einem Zitat aus „Der Herr der Ringe – Die zwei Türme“ für Motivation. Als Aragorn, Legolas und Gimli die gefangenen Hobbits Pippin und Merry verfolgen, blieb ihm der Satz von Gimli im Kopf: „Atmen, das ist der Trick – atmen!“ Daneben fehlte auch der Humor nicht. „Der Ärmelkanal ist nur der kleine Plansee“ stand ebenso auf dem Whiteboard wie die Botschaft seines Vaters: „Poberschnigg Power.“
WE DID IT. Als Liam Poberschnigg schließlich die französische Küste erreichte, wartete eine Überraschung auf ihn. Hinter ihm waren seine Freunde ins Wasser gekommen und begleiteten ihn auf den letzten Metern. Für den Außerferner war schnell klar, dass die Durchquerung weit mehr als eine Einzelleistung gewesen war. „Ich habe gleich von Anfang an immer gesagt, wir haben es geschafft. We did it.“ Für ihn stand fest, dass die Überquerung ohne Familie, Freunde und den Captain nicht möglich gewesen wäre. „Also, das hat sich für mich während des Schwimmens immer mehr herauskristallisiert, dass das eine absolute Teamangelegenheit ist.“ Mit der Ankunft an der französischen Küste überwog zunächst die Erleichterung über die gelungene Durchquerung. Ein bis zwei Tage später änderte sich diese Sicht jedoch. Rund eine Woche lang zweifelte Liam Poberschnigg an seiner Leistung. „Es war zu einfach und ich war zu langsam“, beschreibt er seine damaligen Gedanken. Weil der große mentale Zusammenbruch, mit dem er gerechnet hatte, während des Schwimmens ausgeblieben war, glaubte er zunächst, nicht an seine Grenzen gegangen zu sein. Mit etwas Abstand änderte sich seine Wahrnehmung. Heute weiß Liam Poberschnigg, welche Leistung hinter seiner Ärmelkanal-Durchquerung steckt.
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Kommentare
1 Post
Manuela Altenburger
20:14
Manuela Altenburger
Super gemacht LiamKannst sehr stolz auf dich sein
Der erste Tiroler auch noch
Meine Hochachtung vor Dir
Glückwunsch
Johannes Pirchner





