Ein Kuss veränderte die Welt
Theatergruppe Oberhofen bringt „Judas“ auf die Bühne
Nachdem die Theatergruppe Oberhofen kürzlich „Die Krise“ von Coline Serreau, ein humoriges Roadmovie mit kultigen Dialogen und liebenswerten Charakteren, höchst erfolgreich präsentiert hatte, lud das Ensemble am vergangenen Samstag zu einem Gastspiel der Kulturinitiative „Stummer Schrei“ in den Reasnhof in Oberhofen. Auf dem Programm stand das Einpersonenstück „Judas“ aus der Feder der Niederländerin Lot Vekemans.
29. Juli 2025
Die schauspielerische Leistung von Markus Freiler sowie die Regiearbeit von Gerhard Salchner und Barbara Moser wurden vom Publikum mit lautstarkem, anhaltendem Applaus bedacht. Foto: Bundschuh
„Ich bin an dem Tag geboren, an dem die Sonne ihren höchsten Punkt im Jahr erreicht, und zu der Stunde, in der ihr Schatten am längsten ist, in einem Land, in dem viel gekämpft wurde, viel gelitten, viel gehofft, viel gebetet wurde, in einer Zeit, in der niemand wusste, wohin genau wir gingen, und sich jeder wünschte, dass es irgendwann besser werden würde. Ich war der Sohn eines Mannes und einer Frau, die sich nicht besonders liebhatten und sich auch nicht besonders hassten, ein Kaufmann und eine Hebamme. Ich bekam einen Namen, der schon seit Generationen dem ersten Sohn in der Familie gegeben wird, als Zeichen der Verbundenheit mit dem fernen Vorvater des Volkes, dem ich angehöre. Ich war stolz, ja, auf diesen Namen, ich sprach ihn gerne aus.“ Sein Name war Judas und sein Kuss veränderte die Welt. Judas gilt seit jeher als Verräter, der Jesus, seinen Meister, dem Kreuzestod preisgegeben hat. Steht es aber wirklich so einfach um diese negativ besetzte neutestamentarische Figur? Vekemans gibt in ihrem Werk dem Mann, der Jesus verriet, ein Gesicht und seine eigene Geschichte. Und sie lässt ihn Fragen stellen. Jesus als ersehnter König, Heerführer, Befreier, als den Judas ihn so sehr gerne gesehen hätte. Was wäre aus ihm und ihnen allen geworden, was aus dem Christentum? Ist es tatsächlich so einfach, so gut, so böse, so schwarz oder weiß, ohne Schattierung? Lot Vekemans wurde 1965 geboren. Sie studierte Soziale Geografie in Utrecht und besuchte im Anschluss die „Writerscholl“ in Amsterdam. Seit 1995 schreibt sie Theaterstücke und lebt in den Niederlanden.
EIN STÜCK WERKSGESCHICHTE. Also halten wir fest: Judas gilt als Prototyp des Verräters, noch schlimmer als Franz Raffl, der einst Verrat an Andreas Hofer beging (Anm. d. Verf.). Dennoch, seine Tat kann man auch als Grundstein des Christentums ansehen. Was, wenn Jesus nicht verraten, gefoltert und an das Kreuz genagelt verstorben wäre? Gäbe es das Christentum und wenn, in welcher Form? Auch darum handelt der Bühnenmonolog, in dem Judas die Geschehnisse aus seiner Sicht beleuchtet und sich im Zuge dessen eine Chance zur Verteidigung einräumt. Lot Vekemans lässt Judas in dem Stück zu einer Person werden, die menschlich fassbar wird, ein „Privileg“, das ihm die Historie über 2000 Jahre vorenthalten hat. Das „Bühne Magazin“ meint dazu: „Lot Vekemans ist der Meinung, dass der Blick der Gesellschaft oft einseitig ist, so wie auch bei Judas, der ohne zu hinterfragen zur bösen Figur erklärt wird. Sie will dem Publikum mit diesem Werk noch eine andere Perspektive eröffnen. Das Stück soll vor allem dazu anregen, sich auch nach der Vorstellung mit der Thematik und den offenen Fragen auseinanderzusetzen.“
RUNDHERUM GELUNGEN. Die Theatergruppe Oberhofen hat mit der Einladung von „Stummer Schrei“ als Rahmenprogramm zur Spielsaison 2025 eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Die Geschichte des Judas ist ja in unseren Breiten nicht ganz unbekannt und landläufig gilt der gefallene Apostel als Synonym für Verrat und das Böse schlechthin. Judas-Darsteller Markus Freiler ist es gelungen, die Figur unter anderen Vorzeichen zu präsentieren, und zwar auf eine Weise, die das Publikum fesselte, berührte, ohne rührselig, viel eher entschlossen und selbstbewusst aufzutreten. Den moralischen Zeigefinger erhebt Fellner höchstens humorig, und trotzdem stellt sich die Frage nach einer Spur „Judas“ in uns allen. Der Beifall des Auditoriums galt aber über den Schauspieler hinaus Regisseur Gerhard Salchner und Regieassistentin Barbara Moser. Gemeinsam ist es geglückt, die Zuhörerschaft mit einem über einstündigen Monolog zu faszinieren und eine komplexe, streckenweise spröde Thematik durch geschickte Regieführung in den Zuschauerraum hineinzutragen. Die Ausstattung von Salha Fraidl führte in ein puristisch-rotes Nirgendwo aus Licht und Schatten, das der Mimik und Gestik des Darstellers sichtlich entgegenkam. Ein abgewetzter Lederstuhl, eine Whiskyflasche – mag es die Hölle sein? Die unaufdringliche Kulisse gereichte der Darstellung zu größter Präsenz und reichte völlig aus.
EIN STÜCK WERKSGESCHICHTE. Also halten wir fest: Judas gilt als Prototyp des Verräters, noch schlimmer als Franz Raffl, der einst Verrat an Andreas Hofer beging (Anm. d. Verf.). Dennoch, seine Tat kann man auch als Grundstein des Christentums ansehen. Was, wenn Jesus nicht verraten, gefoltert und an das Kreuz genagelt verstorben wäre? Gäbe es das Christentum und wenn, in welcher Form? Auch darum handelt der Bühnenmonolog, in dem Judas die Geschehnisse aus seiner Sicht beleuchtet und sich im Zuge dessen eine Chance zur Verteidigung einräumt. Lot Vekemans lässt Judas in dem Stück zu einer Person werden, die menschlich fassbar wird, ein „Privileg“, das ihm die Historie über 2000 Jahre vorenthalten hat. Das „Bühne Magazin“ meint dazu: „Lot Vekemans ist der Meinung, dass der Blick der Gesellschaft oft einseitig ist, so wie auch bei Judas, der ohne zu hinterfragen zur bösen Figur erklärt wird. Sie will dem Publikum mit diesem Werk noch eine andere Perspektive eröffnen. Das Stück soll vor allem dazu anregen, sich auch nach der Vorstellung mit der Thematik und den offenen Fragen auseinanderzusetzen.“
RUNDHERUM GELUNGEN. Die Theatergruppe Oberhofen hat mit der Einladung von „Stummer Schrei“ als Rahmenprogramm zur Spielsaison 2025 eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Die Geschichte des Judas ist ja in unseren Breiten nicht ganz unbekannt und landläufig gilt der gefallene Apostel als Synonym für Verrat und das Böse schlechthin. Judas-Darsteller Markus Freiler ist es gelungen, die Figur unter anderen Vorzeichen zu präsentieren, und zwar auf eine Weise, die das Publikum fesselte, berührte, ohne rührselig, viel eher entschlossen und selbstbewusst aufzutreten. Den moralischen Zeigefinger erhebt Fellner höchstens humorig, und trotzdem stellt sich die Frage nach einer Spur „Judas“ in uns allen. Der Beifall des Auditoriums galt aber über den Schauspieler hinaus Regisseur Gerhard Salchner und Regieassistentin Barbara Moser. Gemeinsam ist es geglückt, die Zuhörerschaft mit einem über einstündigen Monolog zu faszinieren und eine komplexe, streckenweise spröde Thematik durch geschickte Regieführung in den Zuschauerraum hineinzutragen. Die Ausstattung von Salha Fraidl führte in ein puristisch-rotes Nirgendwo aus Licht und Schatten, das der Mimik und Gestik des Darstellers sichtlich entgegenkam. Ein abgewetzter Lederstuhl, eine Whiskyflasche – mag es die Hölle sein? Die unaufdringliche Kulisse gereichte der Darstellung zu größter Präsenz und reichte völlig aus.






