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Modell, Skulptur und imaginärer Raum

Kunst in Seefeld zeigt Holzschnitte und ein Architekturmodell des Künstlers Thomas Schütte

Großes Interesse herrschte anlässlich der Vernissage „Haus T“ in Seefeld. Der deutsche Bildhauer und Zeichner Thomas Schütte zählt zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart. KiS – Kunst in Seefeld legt in seiner diesjährigen Sommerausstellung den Schwerpunkt auf die architektonischen Strukturen in Thomas Schüttes Werk. Farbintensive, klar konstruierte Holzschnitte und Hausmodelle wie die „Ferienhäuser für Terroristen“ stehen im Zentrum der Schau.

7. Juli 2026
Modell, Skulptur und imaginärer Raum
KiS – Kunst in Seefeld legt in seiner Sommerausstellung den Schwerpunkt auf die architektonischen Strukturen in Thomas Schüttes Werk. Foto: Hirsch
Die alte Feuerwehrhalle in Seefeld beherbergt bis zum 27. September Arbeiten des namhaften Künstlers: Thomas Schütte.  Einen besseren Ausstellungsort hätte KiS – Kunst in Seefeld nicht finden können, denn hier trifft Architektur auf Architektur. Besucher begegnen dort Holzschnitten, einem plastischen Architekturmodell und einer filmischen Dokumentation, die den Entstehungsprozess des Projekts „Ferienhaus T“ festhält. Die Lust am Experiment, an der Arbeit mit Holz, Knetmasse oder Ton, das Bauen, Zeichnen und Malen – all das ist in den Arbeiten des deutschen Künstlers Thomas Schütte gegenwärtig. Er entwirft überlebensgroße Bronzefiguren, formt abstrakte keramische Gefäße und fertigt Aquarelle von Menschen, Tieren und Blumen. Neben seinem international bekannten skulpturalen Werk setzt sich Thomas Schütte (*1954) seit Jahrzehnten mit dem Bauen im öffentlichen Raum auseinander. Seit den 1980er-Jahren gehören Häuser, Räume und architektonische Strukturen zu den wiederkehrenden Themen des Künstlers. Vorherrschende Moden in der Architektur bezüglich Formensprache und Materialien greift er in seinen kleinteiligen und detailliert ausgearbeiteten Modellen kritisch auf. Seine Entwürfe fordern den Blick heraus, sind aber nicht als Pläne für reale Architektur gedacht. Vielmehr bewegen sie sich im Grenzbereich zwischen Modell, Skulptur und imaginärem Raum, entzogen von jeder reinen Nutzbarkeit.

Begehbare Skulptur. Dank des Engagements von Sammlern, wie des Galeristen Rafael Jablonka, konnten einige seiner Modelle in den vergangenen Jahren in voller Größe gebaut werden. Die Ausstellung setzt sich daher auch mit der Maßstäblichkeit von Entwurf und Umsetzung auseinander und fragt dabei stets nach dem Menschen, für den solche Bauten konzipiert sind. Unter dem Titel „Ferienhaus T“ wurde eines dieser Modelle als begehbare Skulptur im nahegelegenen Mösern realisiert. Das in Seefeld gezeigte Modell und die filmische Dokumentation verdeutlichen dieses Spiel mit der Erwartung und verhandeln Raum und Proportionen neu.

Woodcuts. Die großformatigen Holzschnitte zeigen reduzierte architektonische Motive wie Türen, Fenster, Treppen, Fahnen oder Fassaden. Den besonderen Reliefeffekt der Werke erzielt Thomas Schütte mit Farben auf Ölbasis und mit hoher Pigmentdichte, durch die die Maserung der hölzernen Druckplatten sichtbar bleibt. Die verschiedenen Farbflächen werden dabei nicht nacheinander gedruckt. Stattdessen werden die einzelnen Felder wie ein Puzzle oder Intarsien eingefärbt und in einem einzigen Arbeitsgang gepresst. Mit ihren großzügigen Flächen und der hohen Decke ist die Alte Feuerwehrhalle der perfekte Ort für diese Ausstellung.
Architektur hoch 2. Hier treffen zwei Arten von Architektur aufeinander: zum einen die funktionale, pragmatische Struktur der Feuerwehrhalle, ursprünglich geschaffen für praktische Zwecke, zum anderen die architektonischen Motive in den großformatigen Holzschnitten, die auf den ersten Blick keinen sichtbaren Sinn erfordern – oder doch? Schütte lädt dazu ein, genau hinzusehen, die bekannten Formen neu zu interpretieren und sich von der scheinbaren Einfachheit in eine tiefere Bedeutung führen zu lassen. Bei genauem Hinsehen erkennt man in den neun gezeigten Holzdrucken schließlich Ausschnitte einer Burg.

Kunst in Seefeld. Diese Ausstellung reiht sich ein in ein ambitioniertes Projekt, das im Jahr 2021 begann. Damals lenkten Galerist Rafael Jablonka und der frühere Seefelder Bürgermeister Werner Frießer ihre Tatkraft auf ein gemeinsames Vorhaben. Ein leerstehender Trakt der Alten Feuerwehrhalle sollte ein Ort für Kunstschaffende werden. Die private Sammlung von Teresa und Rafael Jablonka bildete den Grundstock, um Exponate für Gäste aus dem In- und Ausland zugänglich zu machen. Zweimal im Jahr wechselnde Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst auf internationalem Niveau. Dank des in Seefeld lebenden Galeristen, Kunstsammlers und Kunsthändlers Rafael Jablonka ist dies möglich. Dazu sorgt der 2022 gegründete Verein KiS zur Förderung zeitgenössischer Kunst in Seefeld für ein interessantes Kulturprogramm das ganze Jahr über. Lesungen, Konzerte und Diskussionsrunden ziehen Besucher an. Spezielle Vermittlungsprogramme führen zudem Kinder und Jugendliche an die Exponate heran. Die aktuelle Schau von Thomas Schütte führt diesen Weg fort. Sie zeigt, wie Kunst den Blick auf vermeintlich vertraute Dinge weiten kann. Wer die Halle betritt, begegnet einer feinen Balance aus Ernsthaftigkeit und spielerischer Freiheit, die den Besuch in Seefeld zu einer Entdeckung macht.
Modell, Skulptur und imaginärer Raum
Rafael Jablonka bei seiner Eröffnung: „Große Kunst folgt nicht den Regeln der Mathematik.“ Foto: Hirsch
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Großes Interesse herrschte anlässlich der Vernissage Thomas Schütte „Haus T“ in Seefeld. Foto: Hirsch

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