Telfs goes Poetry Slam
Poetry Slam–Abend in der Kulturweberei Telfs
21. April 2026 | von
Peter Bundschuh
Ein begeistertes Publikum im sehr geeigneten Eventraum der Telfer Kulturweberei. Foto: Bundschuh
Unter der gekonnten Slam-Moderation von Martin Fritz traten ein Zweierteam und acht einzeln auftretende Slamer mit selbstverfassten Texten gegeneinander an. Die Sieger wurden im ersten Durchgang von einer sechsköpfigen Jury, im zweiten durch Applaus ermittelt. Thematisch reichten die Beiträge von nachdenklich bis witzig aber immer mitreißend kritisch. Die vorgetragenen Texte folgten auch bei dieser Veranstaltung den klaren Regeln der Slam–Wettbewerbe. Mit von der Partie waren: Leo, Maxime, Verwandt oder Verschwägert, Joy Woodner, Tamara Stocker, Emil Kaschka, Thalia K., Nik König, Toni mit zwei A und Sophie.
Kurzgefasst. Leo brachte eine Art von „Schicksalsmelodie“, Texte über den Alltag, gesundes Leben, Würstelfiasko und Veggy–Style. Maxime will in einer Welt leben, einer Welt mit erfüllten Miniwünschen bis…ja eben hin zu einer umfassenden Wunschliste und jeder soll die Hälfte vom Twinni-Eis bekommen, die sie oder er mag. Bei „Verwandt oder Verschwägert“ wurde das Publikum auf eine Tankstelle eingeladen, und ganz viele Träume kamen da daher, auch der nach Sex. Joy Woodner sprach frei vortragend Angst an und somit vielen Menschen aus der Seele. Dann dazu die Liebe, auch Eigenliebe und Glück. Bei Tamara Stocker ging es in sprachextatischem Deutsch um wir müssen reden und auch darum Love–Language zu deuten. Ja, und das Schweigen der Männer ist ein Dilemma. Emil Kaschka hatte herausgefunden, dass Mozart ein Liftwart an der Skipiste war, wer hätte das gedacht? Eine Hommage an alle Skilehrerinnen und Skilehrer, aber eben im Kaschka Stil. Da blieb kein Auge trocken, eh klar. Thalia K. Walversprechen, ein gestrandeter Wal, Dornauer und Benco. Also ein Wal in Nöten, ein Wanderer in ebensolchen, gestrandet halt, da gibt’s schon einiges an Parallelen. Nik König ging auf die erbitterte Feindschaft von Kreide und Schwamm an der Tafel ein. Strich – wisch – krakel, krakel und wieder feuchte Wortzerstörung. Was letztlich bleibt ist Kreidestaub auf nassem Schwamm, alles verschmiert, eine verdreckte Tafel. Ein gutes Sprachbild. Toni mit zwei A stellte ihre Erfahrung zwischen Angst und Hoffnung im Operationssaal sehr persönlich dar. Spritze und Krücken, Watte im Kopf, Gummi in den Beinen. Sophie liebt ihren Opa, obwohl der als Autoraser voll heftig drauf ist, halt mit komplett wenig Bremsweg. Liebevolle Poesie über ältere Menschen am Steuer, ja, doch schon ein recht schmuzeliger Slam. Dann im zweiten Durchgang ermittelte der Publikumsapplaus Kaschka, Stocker und Maxime zu gemeinsamen Siegern, die den Preis, die künstlerisch gestaltete Friedensglocke, mit nach Hause nehmen durften.
Slam Poetry – eine Kurzeinführung. Im Genre des Poetry Slams ist sprachlich, formal und in erster Linie inhaltlich einiges möglich. Slam ist schnell, steht unter großem Zeitdruck und wird beinhart nach Punkten bewertet. Dass diese Hardcore–Lyrik des 21. Jahrhunderts in Interaktion mit dem Publikum und weitgehend in Wohnzimmeratmosphäre stattfindet, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich letztlich um die Gemütlichkeit eines Kolosseums handelt. Daumen Hoch oder nach unten, das Volk auf den Rängen entscheidet im Finale per Akklamation über Sieg oder Niederlage.
Die vier „Musts“ des Wettbewerbes. Zu Beginn erklärt der Moderator meist die Regeln, sehr kompliziert verläuft Poetry Slam aber nicht. Die Texte müssen selbst geschrieben sein. Ein festes Zeitlimit von fünf Minuten ist vorgegeben. Requisiten und Verkleidungen jeglicher Art sind absolute „No goes“ und auch Gesangseinlagen sind nur beschränkt gestattet. Und für das Publikum heißt es Respekt! So sind beispielsweise Buh–Rufe tabu. Es ist ganz einfach Fairness angesagt, in dem Bewusstsein, dass jeder Beitrag dazu bestimmt ist zu einem kritischen, aber in sich „runden“ Abend beizutragen.


