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„Tirol ist meine Heimat, die mich erdet“

Die Telferin Gloria Valentina Steixner spielt derzeit in der Miniserie „Der kleine Tod“

Die Schauspielerin Gloria Valentina Steixner ist derzeit als „Vera Toth“ in der Miniserie „Der kleine Tod“, einer neuen Serie über mentale Gesundheit zu sehen. Das Besondere an der Comedyserie ist, dass in jeder der fünf Folgen ein anderer Dialekt vorkommt – von Tirolerisch (Folge 1 und 5) über Schwäbisch und Oberösterreichisch bis sogar Schweizerdeutsch. Die Serie wurde in Kooperation mit Womens Business, einem FLINTA Team von Nachwuchsfilmemacherinnen und -filmemachern, unterstützt durch die FH St. Pölten, produziert. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU erzählt die Schauspielerin und Wahlwienerin über ihre Rolle, die kindliche Entscheidung zwischen dem Beruf Schauspielerin oder Nonne und darüber, wie oft sie ihre Tiroler Heimat dann doch stärker vermisst, als gedacht.

17. Dezember 2024
„Tirol ist meine Heimat, die mich erdet“
Die Telferin Gloria Valentina Steixner spielt „Vera Toth“ in der Serie „Der kleine Tod“. Filmstill: „Der kleine Tod“, 2024
RUNDSCHAU: Seit Kurzem sind Sie in der Miniserie „Der kleine Tod“ zu sehen, die derzeit auf JOYN Österreich, Deutschland und Schweiz läuft. Worum geht es in der aus fünf Folgen bestehenden Miniserie?
Gloria Valentina Steixner: Die Miniserie ist eine Comedy, die sich auf das Thema mentale Gesundheit konzentriert und besteht aus fünf kurzen Folgen von jeweils fünf bis sieben Minuten. So kurz, dass ich nicht zu viel vorwegnehmen möchte, macht euch gern selbst ein Bild davon.

RS: Darin spielen Sie Vera Toth. Wer ist Vera Toth, und was macht den Charakter der Figur aus?
Steixner: Ich nähere mich meinen Rollen immer so, dass ich mir die Umstände, Fakten und die Ziele der Figur anschaue. Und dann suche ich nach Situationen aus meinem eigenen Leben, die mir helfen, die Figur wirklich zu verstehen und Empathie mit ihr zu haben. Bestenfalls muss man da nix mehr spielen, sondern kann’s einfach spüren.

RS: Sie sind in Telfs aufgewachsen und spielen in Ihrer Rolle eine Figur, die Tirolerisch spricht. Wie ist es, in der Heimatsprache zu spielen?
Steixner: „Isch volle gwand.“ Natürlich macht mir die Tiroler Bergbäuerin zu spielen auch Spaß, aber es war so eine tolle Möglichkeit, fern von Klischees über Tiroler:innen eine emotionale Rolle spielen zu dürfen.Ich lebe jetzt seit ca. neun Jahren in Wien, habe mich allerdings sprachlich nie assimiliert, bin also kein gutes Beispiel für eine gelungene Integration. Natürlich ist die Muttersprache viel näher an mir dran, und ich verwende meinen Dialekt auch als Übersetzungstool, wenn ich deutsche Rollen spiele. Wenn ich’s auf Tirolerisch übersetze, habe ich sofort eine andere Nähe zu dem Text. Im Übrigen: Diversität kann auch national und regional sein. Ich finde es toll, dass die Serie eben verschiedene Dialekte zeigt.

RS: Die Serie erzählt eine schwarzhumorige Geschichte von Heilung und dem Finden von Sinn im Kleinen. Was hat Ihnen am Drehbuch am meisten zugesagt? Oder womit konnten Sie sich am besten identifizieren?
Steixner: Die Serie zeigt, dass Sucht und Abhängigkeit viele Gesichter haben kann. Ich glaube, die Situation meiner Figur, Vera Toth, in einer Beziehung zu stecken, in der man sich nicht gesehen fühlt und die eigenen Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden, kennen viele Menschen. Man sollte sich immer wieder einmal die Frage stellen: „Bin ich (emotional) abhängig oder erfüllt mich die Beziehung oder Freundschaft tatsächlich?“ In welcher Beziehung meine Figur dabei steckt, könnte eine Überraschung für die Zuschauenden sein.

RS: Wann wussten Sie, dass Sie Schauspielerin werden wollten?
Steixner: Als Kind wollte ich Schauspielerin oder Nonne werden. Ich war sehr fromm, und Sister Act hatte vermutlich auch etwas damit zu tun. Aber dann bin ich von der Kirche ausgetreten, und ich glaube, das Schauspielleben macht mehr Spaß. Das ist natürlich meine subjektive Meinung. Meine Vita ist nicht besonders geradlinig.

RS: Sie sind von Telfs nach Wien gezogen. Wie ist die große Kulturstadt im Vergleich zur kleinen Gemeinde im Westen Österreichs?
Steixner: Ich habe immer gedacht, dass mir Flachland und Stadt mehr liegen, aber jedes Mal, wenn ich in die Heimat komme, bin ich erstaunt von der Schönheit Tirols. Das klingt kitschig, aber wenn ich im Winter in Wien aus dem Fenster schau, ist’s meistens recht grau. Der Himmel, die Häuser. In Tirol kann ich in der Stadt sein und habe trotzdem die Natur vor Augen. Was ich an Tirol liebe, ist, dass man schnell ins Gespräch kommt. Die Leute sind weniger verschlossen, man redet auf Augenhöhe und ist sofort beim „Du“, und es gibt weniger Anonymität. Gleichzeitig schätze ich in Wien manchmal genau diese Anonymität – solange ich ein Stammbeisl habe, wo ich immer auf bekannte Gesichter treffe. Der Sommer in Wien ist sowieso unschlagbar, weil man Naturgewässer so einfach mit den Öffis erreicht. Manchmal sind in Tirol traditionelle Rollenbilder noch stark präsent – das passt nicht immer zu mir. Aber letztlich ist Tirol meine Heimat, die mich erdet.

RS: Was würden Sie jungen Menschen raten, die selbst den Weg in die Welt des Films und/oder Theaters einschlagen möchten?
Steixner: Ich habe noch keine Erfolgsformel gefunden, aber ich forsche weiter. Was ich bisher entdeckt habe, gebe ich aber gerne weiter: Es braucht Geduld, eine ordentliche Portion Glück und vor allem viel Durchhaltevermögen. Aber wer weiß, vielleicht habe ich in ein paar Jahren ein paar bessere Weisheiten auf Lager. Bis dahin bastele ich mit viel Hoffnung und Kreativität weiter an diesem sogenannten Künstlerleben.

RS: Liebe Frau Steixner, vielen Dank für das Gespräch!
„Tirol ist meine Heimat, die mich erdet“
„Ich glaube, die Situation meiner Figur, in einer Beziehung zu stecken, in der man sich nicht gesehen fühlt, kennen viele Menschen“, sagt die Schauspielerin über ihre Rolle. Filmstill: „Der kleine Tod“, 2024

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