Vitasek – sarkastisch bis melancholisch
„Spätlese“ – ein lebensherbstliches Erntezeitkabarett im Telfer Rathaussaal
14. Oktober 2025 | von
Peter Bundschuh
Andreas Vitasek pur mit „Spätlese“, seinem Soloprogramm im Telfer Rathaussaal. Foto: Bundschuh
Es ist das Zeitenwendeprogramm eines allein und ohne „Drumherum“ auftretenden Künstlers. Da wendet sich der Blick eines nachdenklichen Einzelgängers dem eigenen Leben zu und geht dabei auch sperrigen Themen wie Pandemie, Klimaschutz, politischer Korrektheit und Künstlicher Intelligenz nicht aus dem Weg. Das mit spitzem Humor und vielleicht auch einem Hauch von Resignation oder jedenfalls einer gewissen Abgeklärtheit, aber bissig. Ohne die Milde des Älterwerdens zu strapazieren, geht er gemeinsam mit dem Publikum den Weg vom Favoriten vergangener Tage bis ins Nobelviertel seiner Gegenwart. Allerdings, so ein kleines Rucksackl vollgepackt mit Nostalgie hat er schon gesattelt bei seinem Ausflug in eine Zeit, in der alles, manches, a bissl was oder gar nix besser war.
Und was es so thematisch gab. Hier ein Inhaltsauszug, natürlich meilenweit von auch nur annähernder Programmvollständigkeit entfernt. Da war die bescheidene, aber trotzdem schlichte Kindheit in Favoriten und wehmütige Erinnerungen an den lauschigen Reumannplatz in all seiner verträumten Romantik, dazu die fremdartig-geheimnisvollen Frauen mit ihren Kopftüchern, weil, es war ja öfter einmal Bauernmarkt. In Sachen freie Lyrik gab der Kleinkünstler das Märchen „Die kleine Bar“ zum Besten. In der Minibar seines Hotelzimmers ist eine kleine echte Bar versteckt, mit kleinem Barmann, kleinen Gästen und einer kleinen Lady, alles ganz klein halt, das witzige „klein“-Wortspiel konnte somit beginnen. Auch privat redete sich der Familienvater einiges von der Seele. So sei seine liebe Gattin ein übereifriger „Mülltrennnazi“ und deshalb feiere man in ihrer Abwesenheit eben ganz entspannt Müllparty. Höhepunkt: Mit den Restln aus der Ölsardinendose ab ins Klo. Und die Stimmung im Auditorium schien für den gar garstigen Mülldesperado doch ein wenig Verständnis zu zeigen, wer hätte das gedacht. Mit seinem Töchterchen läuft’s pädagogisch anscheinend recht gut, aber ein Problem ist halt das Kleinchen, ihr preußischer Akzent mitten in Wien, voll blöd, aber echt jetzt. Jedenfalls Sprachumschulung total aussichtslos. Aus „dufte“ wird wohl nie ein akzentfreies „leiwand“ werden und somit ist das Karriereende vorprogrammiert, noch ehe eine solche begonnen hat, zumindest in der Bundeshauptstadt bleibt der Doppelstaatsbürgerin noch die Möglichkeit der Auswanderung, na ja, halt nach Deutschland. Und dann musste ein schmunzeliges Alzheimer-Scherzchen, wie es bei den Spaßkanten der 1950er-Baujahre Pflicht ist, auch auf dem Programm stehen. Passt alles, abgegangen ist nur der im Österreich-Kabarett handelsübliche Prostata-Witz, macht aber auch nix.
Werbung ist alles. Nicht, dass sich die gesamte One-Man-Show um die Reklamebranche gerankt hätte, aber dieser Part war schon recht gelungen. Da stellte sich beispielsweise die Frage, ob unter Männern Potenzprobleme tatsächlich mit Umschreibungen wie „Der Zug fährt nicht mehr in den Tunnel oder die Rakete hebt nicht mehr ab“ angesprochen werden oder ob Mann nicht ganz einfach sagt: ‚Klar, ist es blöd, wenn man das Gefühl hat, mit einem Kletterseil Billard zu spielen‘, da hat er schon recht, der lustige Andi, aber wurscht, anderes Thema. Bei der krass durchgeknallten XXX-Lutz-Familie gibt es keinen Opa, gab’s auch nie, warum das? Vielleicht täte sich die Oma ja schon freuen, irgendwie halt, da sollte man auch einmal drüber nachdenken. Der Vitasek meint, er würde den Opa bei dem Spot schon gerne mimen, nur eine Frage der Gage. Das „Ja natürlich Schweinderl“ als ultimativer Reklame-Putzigkeitsskandal blieb hingegen verschont. Vermutlich, weil es den Allgemeintierliebhaber Vitasek, der eh schon nah am Wasser gebaut hat, Tränenströme heulen lässt, wenn er an seinen verstorbenen Hund denkt. Besonders schlimm ist die Erinnerung bei Übertragungen der Oscar-Preisverleihung, wegen der Namensgleichheit. Vitaseks Liebling hieß nämlich Preisverleihung.