Willi Astor – Reimart & Lachkunde
Telfer – „Rathausmanege“ frei für den Wortakrobaten
7. Oktober 2025 | von
Peter Bundschuh
Zum Ausklang des Abends boten Willy Astor (Gitarre) und Maria Ma ein hinreißendes Instrumentalduett. Foto: Bundschuh
Bekannt wurde Astor in erster Linie durch sein Wortspiel oder vielleicht besser seine „Wortverdrehkunst“. Gleich oder zumindest (bei entsprechender Betonung und/oder Geschwindigkeit gehörte) ähnlich klingende Wörter werden in seinen Auftritten kabarettistisch umgedeutet und somit „umbedeutet“. Er hebt Texte aus ihrem Sinnzusammenhang und gruppiert sie zu neuen Sinnzusammenhängen. Man könnte sagen, Willy Astor „befreit“ Texte von ihrem bloßen Mitteilungscharakter und verwandelt sie in Bausteine für unerwartete Wendungen ihrer ursprünglichen Aussage. Nimmt man beispielsweise das Märchen „Rotkäppchen und der böse Golf“. Als Basisstoff dient Astor hier das Rotkäppchen-Märchen – in den Text werden aber Mengen von Automobilmarken, Kfz-Wortwendungen und Begriffen aus der Fahrzeugbranche „hineinverarbeitet“. Was herauskommt, ist ein automobiles „Radkäppchenmärchen“.
LEBENSWEG EINES WORTESCHMIEDS. Wilhelm „Willy“ Astor, Jahrgang 1961, in München geboren, ist Musiker, Komponist und Kabarettist, bei einigen seiner Vorträge kommt auch dem bayerischen Dialekt ganz wesentliche Bedeutung als Ausdrucksmittel zu. Die andere Seite oder in diesem Fall auch „Saite“ beleuchtet Astor als Gitarrist. Bereits seit den 1990er-Jahren tritt er höchst erfolgreich bei zahlreichen Konzerten als Musiker mit seinen selbst verfassten Instrumentaltiteln auf. Ursprünglich war er gelernter Werkzeugmacher und Maschinenbautechniker. Mit 14 Jahren begann er mit dem Akkordeonspiel und wandte sich dann vorwiegend autodidaktisch der Gitarre zu. Es folgten erste Songs und Prosatexte, vorgetragen in der Münchner Kleinkunstszene. Der Erfolg als Kabarettist stellte sich in den frühen 1990er-Jahren mit seinen wortspielerischen Auftritten ein.
EIN BÄR AUS DEM SIBIRISCHEN. Ein Bär aus dem Sibirischen // hat Hunger, einen tierischen. // Der Grund, warum er hungerte // Weil er so lange rumlungerte // Darum ging der Bär dazu übär, // nach Häppchen umzuschaun // und stand schon bald im Wald, // macht Halt: vorm Medizinballbaum. // Ein Medizinball hing noch dran, // er pflückt und stopft ihn rein. // er schlingt die braune Kugel, // um dann furchtbar laut zu schrein! // Er hörte nie mehr auf zu schrein, // von dem Moment war klar, // dass er aufgrund der Kugel nun // ein Kugel-Schrei-Bär war. (Aus Willy Astor „Jäger des verlorenen Satzes.“)
MEINE FARBE IST BUNT. Willy Astor schlägt einen Bogen vom blödelnden Kabarettisten bis hin zum nachdenklichen Liedermacher, und Achtung – die Membran zwischen Witz und kritischer Haltung kann bei Astor recht dünn sein. Auf die Frage der RUNDSCHAU, wie er sich selbst beschreiben würde, als Kabarettist, Musiker, Komponist oder doch Literat, meint Willy Astor schlicht: „Meine Farbe ist bunt“, und damit trifft er es wohl am besten. Auf jeden Fall ist er Schreibender mit einem vielfältigen, eben bunten Spektrum. Dass Astor unter anderem Ernst Jandl und seine experimentelle Lyrik in der Tradition der konkreten Poesie als Vorbild nennt, erstaunt wenig, aber auch von den Wortschöpfungen Otto Waalkes zeigt sich der gelernte Werkzeugmacher aus der süddeutschen Metropole inspiriert. Und beim Thema Wortgewaltige des komisch-nachdenklichen Genres kommt Astor auch auf Karl Valentin zu sprechen, der meinte: „Die Zukunft war früher auch besser“, und fasst zusammen: „Manchmal hilft nur eins: Albernheit verhindert den Ernst der Lage.“
LEBENSWEG EINES WORTESCHMIEDS. Wilhelm „Willy“ Astor, Jahrgang 1961, in München geboren, ist Musiker, Komponist und Kabarettist, bei einigen seiner Vorträge kommt auch dem bayerischen Dialekt ganz wesentliche Bedeutung als Ausdrucksmittel zu. Die andere Seite oder in diesem Fall auch „Saite“ beleuchtet Astor als Gitarrist. Bereits seit den 1990er-Jahren tritt er höchst erfolgreich bei zahlreichen Konzerten als Musiker mit seinen selbst verfassten Instrumentaltiteln auf. Ursprünglich war er gelernter Werkzeugmacher und Maschinenbautechniker. Mit 14 Jahren begann er mit dem Akkordeonspiel und wandte sich dann vorwiegend autodidaktisch der Gitarre zu. Es folgten erste Songs und Prosatexte, vorgetragen in der Münchner Kleinkunstszene. Der Erfolg als Kabarettist stellte sich in den frühen 1990er-Jahren mit seinen wortspielerischen Auftritten ein.
EIN BÄR AUS DEM SIBIRISCHEN. Ein Bär aus dem Sibirischen // hat Hunger, einen tierischen. // Der Grund, warum er hungerte // Weil er so lange rumlungerte // Darum ging der Bär dazu übär, // nach Häppchen umzuschaun // und stand schon bald im Wald, // macht Halt: vorm Medizinballbaum. // Ein Medizinball hing noch dran, // er pflückt und stopft ihn rein. // er schlingt die braune Kugel, // um dann furchtbar laut zu schrein! // Er hörte nie mehr auf zu schrein, // von dem Moment war klar, // dass er aufgrund der Kugel nun // ein Kugel-Schrei-Bär war. (Aus Willy Astor „Jäger des verlorenen Satzes.“)
MEINE FARBE IST BUNT. Willy Astor schlägt einen Bogen vom blödelnden Kabarettisten bis hin zum nachdenklichen Liedermacher, und Achtung – die Membran zwischen Witz und kritischer Haltung kann bei Astor recht dünn sein. Auf die Frage der RUNDSCHAU, wie er sich selbst beschreiben würde, als Kabarettist, Musiker, Komponist oder doch Literat, meint Willy Astor schlicht: „Meine Farbe ist bunt“, und damit trifft er es wohl am besten. Auf jeden Fall ist er Schreibender mit einem vielfältigen, eben bunten Spektrum. Dass Astor unter anderem Ernst Jandl und seine experimentelle Lyrik in der Tradition der konkreten Poesie als Vorbild nennt, erstaunt wenig, aber auch von den Wortschöpfungen Otto Waalkes zeigt sich der gelernte Werkzeugmacher aus der süddeutschen Metropole inspiriert. Und beim Thema Wortgewaltige des komisch-nachdenklichen Genres kommt Astor auch auf Karl Valentin zu sprechen, der meinte: „Die Zukunft war früher auch besser“, und fasst zusammen: „Manchmal hilft nur eins: Albernheit verhindert den Ernst der Lage.“
