Artikel teilen
Artikel teilen >

Geplanter Hühnerstall erhitzt Gemüter

Nahe des Telfer Ortsteils „Lehen“ sollen Legehennen untergebracht werden, die Anrainer laufen dagegen Sturm

In den Telfer Ortsteilen „Lehen“ und „St. Veith“ regt sich derzeit Widerstand gegen einen Hühnerstall, den dort ein Landwirt in unmittelbarer Nähe zu den beiden Siedlungen errichten will. Die Anrainer befürchten Lärm, ökologische Schäden, Feinstaubbelastungen und Gestank. „Den Hühnerstall zuzulassen, wäre ein Anschlag auf unsere Gesundheit und unsere Existenz“, erklärt ein Betroffener. Der Bauausschuss der Marktgemeinde Telfs hat im Vorfeld des Juli-Gemeinderats über eine Umwidmung beraten und keine Bedenken erkannt. Bei der Gemeinderatssitzung wurde aber dennoch die Handbremse gezogen. Das Ansuchen des Bauern wird nun von der Raumordnungsbehörde und der Abteilung Landwirtschaft des Landes Tirol neu beurteilt.

21. Juli 2026
Geplanter Hühnerstall erhitzt Gemüter
Dieses Areal soll von Freihaltefläche mit Wald auf Sonderfläche umgewidmet werden. Nach Protesten wird nun nochmals geprüft. Foto: privat
Der Telfer Bauer will östlich des Ortsteils Lehen eine Gesamtfläche von 3.650 Quadratmetern von landwirtschaftlicher Freihaltefläche mit Wald auf Sonderfläche für ein Stall- und Wirtschaftsgebäude umwidmen lassen und darauf ein Stall- und Wirtschaftsgebäude errichten. Der Bauausschuss der Marktgemeinde Telfs sah darin kein Problem, wohl aber bei der jüngsten Gemeinderatssitzung einige Gemeinderäte. Bürgermeister Christian Härting zog nach angeregten Diskussionen schließlich die Handbremse und stellte die Behandlung des Ansuchens zurück. Die Abteilungen Raumordnung und Landwirtschaft im Landhaus sollen das Projekt neu beurteilen und eine Stellungnahme abgeben.

unterschriftenaktion. Ein Anrainer erklärte beim RUNDSCHAU-Lokalaugenschein, dass man gegen 150 Hühner zwar nichts habe, man befürchte aber, dass in dem Stallgebäude bis zu 1.500 Legehennen oder noch mehr untergebracht werden könnten. Das verursache Lärm durch die Hühner sowie durch die zu- bzw. abfahrenden Lieferautos, Gestank und eine Feinstaubbelastung. Diesen Negativauswirkungen wären vor allem die Bewohner der Ortsteile „Lehen“ und „St. Veith“ ausgesetzt, aber auch die Bewohner der „Sonnensiedlung“ und des Wohngebietes „Am Wasserwaal“ könnten unter den negativen Auswirkungen leiden. „Wir haben inzwischen eine Unterschriftenaktion gestartet, das Interesse ist jetzt schon groß. Es kann nicht sein, dass uns die Lebensqualität genommen wird. Wir wollen hier in Ruhe ohne Lärm und Gestank leben. Und das wollen auch viele andere Menschen. Immerhin befinden sich im Nahbereich des geplanten Landwirtschaftsgebäudes auch ein beliebter Gasthof mit Gastgarten sowie Beherbergungsbetriebe und viele Wohnhäuser ohne landwirtschaftlichen Bezug“, sagt der Anrainer.   

abwarten. Bürgermeister Christian Härting ist über die Initiative der Anrainer informiert und nimmt deren Anliegen ernst: „Wir haben diverse Bürgermeldungen erhalten und nehmen zur Kenntnis, dass Anrainer initiativ geworden sind. Derzeit wurde das Projekt vom Gemeinderat zurückgestellt, um neue Erkenntnisse und Grundlagen zu erlangen. Auf Basis einer breiten und sachlichen Informationslage können weitere Entscheidungen gefällt werden. Klar ist: Es wurde bislang nichts beschlossen, und die vorgebrachten Bedenken der Anrainer werden selbstverständlich ernst genommen!“

was ist los? Was ist da los im Bauausschuss? Dieser Frage geht GV Norbert Tanzer (Dein Telfs) nach. „Im Gemeinderat sollten in Lehen eine landwirtschaftliche Freihaltefläche sowie Wald zur Bebauung als Sonderfläche für ein Stall- und Wirtschaftsgebäude gewidmet werden. Der Widmungswerber will u. a. eine Aufstockung seiner 350 Legehennen auf 1.500 vornehmen. Der Bauausschuss hat dem Gemeinderat einstimmig diese Änderung der Flächenwidmung empfohlen, dem der Gemeinderat im Regelfall auch folgt. Von Anrainerseite werden unzumutbare Immissionen durch Geruch und Feinstaub sowie gesundheitliche Gefährdungen befürchtet. Vom Bauausschuss wurden die raumordnungsrechtlichen Vorgaben, wie die Vermeidung von Nutzungskonflikten und wechselseitigen Beeinträchtigungen beim Zusammentreffen verschiedener Widmungen, Schutz des Landschaftsbildes oder verkehrsmäßige Erschließung, augenscheinlich gar nicht geprüft“, erklärt Tanzer, der auch betont, dass laut agrarwirtschaftlicher Stellungnahme die Geflügelhaltung lukrativer als die Haltung anderer Tierarten sei. Eine Aufstockung des Hühnerbestandes auf 1.500 Hühner und mehr sei wohl nur eine Frage der Zeit.

verständnis. Der Widmungswerber Thomas S. versucht, zu beruhigen. „Irgendwie verstehe ich die Aufregung. Die Leute sind durch die seinerzeitigen Vorgänge um den Hühnerstall in Obsteig aufgeschreckt. Wir halten seit mehreren Jahren im Telfer Obermarkt Hühner. Nur wenige Meter davon wurde vor einigen Jahren eine Wohnanlage gebaut. Bevor diese errichtet wurde, gab es etliche Untersuchungen, die alle nicht gegen die Hühnerhaltung sprachen. Viele Leute in den Ortsteilen Lehen, St. Veith, Sonnensiedlung und Wasserwaal sind Kunden in unserem Hofladen im Obermarkt, die wollen wir natürlich überhaupt nicht vergrämen. Die Bedenken der Menschen in den vier Wohngebieten nehmen wir sehr ernst, wenn wir das Projekt weiterverfolgen und das Landwirtschaftsgebäude bauen sollten, werden wir mit Sicherheit Rücksicht auf die Anrainer und Gäste nehmen, damit alle Bedenken ausgeräumt werden!“

Aktuelle Artikel

Kommentare

0 Posts
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.