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Schuldirektor - (k)ein Traumjob?

Alfred Kerber, Direktor des Gymnasiums Telfs, im Gespräch mit einem seiner Vorgänger

Für Direktorenposten gibt es immer weniger Bewerbungen. Ein Grund soll sein, dass in den letzten Jahren sehr viele Aufgabenbereiche dazugekommen sind. Es fehle vor allem eine mittlere Managementebene. Erledigungen an Lehrer zu übergeben, sei nur bedingt möglich, weil die Letztverantwortung bei der Schulleitung liege. Es brauche mehr Schulpsychologen und Sozialarbeiter. Und schließlich sei die Bezahlung der Schulleiter nicht besonders lukrativ, heißt es vonseiten der Lehrergewerkschaft. Diese und viele andere Fragen beantwortet der Direktor am Gymnasium Telfs, Alfred Kerber, im RUNDSCHAU-Interview mit einem seiner Vorgänger.
24. November 2025 | von Ferdinand Reitmaier
Schuldirektor - (k)ein Traumjob? <br />
Alfred Kerber im Gespräch mit seinem Vorgänger Ferdinand Reitmaier (v. l.) über die Veränderungen im Aufgabenfeld des Schuldirektors. Foto: Privat
RS: Lieber Alfred, vielleicht darf ich Dich vorerst bitten, Dich selbst kurz vorzustellen:
Kerber: Ich bin verheiratet, habe drei Kinder und bin seit 1997 als Lehrer und seit 13 Jahren als Direktor tätig.

RS: Welche Fächer hast Du studiert?
Kerber: Meine Fächer sind Mathematik und Physik.

RS: Welche Funktionen hattest Du als Lehrer inne?
Kerber: Als Lehrer habe ich mich in vielfältigen Funktionen eingebracht. Die Hauptaufgabe sehe ich nach wie vor im Unterrichten, das Herzstück eines jeden Lehrers. Weiters war ich Kustos für Physik und Informatik, viele Jahre Klassenvorstand, Betreuungslehrer für angehende Lehrer, neun Jahre Personalvertreter, Fachkoordinator am Technischen Gymnasium etcetera. Maßgeblich beteiligt war ich bei der Gründung des Informatikzweiges und dessen Nachfolgers, dem Technischen Gymnasium Telfs.

RS: Welche Themen könnten Dich unerwartet an einem Tag erwarten beziehungsweise fordern?
Kerber: Ein aktuelles Thema sind Drohungen (Amok, Bomben); bereits in der ersten Schulwoche war eine Nachbarschule davon betroffen. Dies ist sofort auf unsere Schule übergeschwappt. Die Themen, die unerwartet bei mir einlangen und gelöst werden sollten, sind viele: pädagogische, schulrechtliche Fragen (etwa Notengebung, Fehlen von Schülern) oder Vorfälle im Schulhaus (wie Verletzungen, Schwindelversuche, Konflikte), verärgerte Eltern, auch Lehrer sind gelegentlich verärgert, frustrierte oder kranke Schüler, Unfälle sowie alle denkbaren Vergehen gegen die Hausordnung.

RS: Muss man sich zu seinem Aufgabenplan fast immer auch ein Zeitfenster für Unerwartetes freihalten?
Kerber: Grundsätzlich ist es mir wichtig, dass ich für Lehrer, Eltern und Schüler Zeit habe. Ich strukturiere meine Arbeit so, dass ein Teil bereits vor Schulbeginn erledigt ist. Den Rest erledige ich am Vormittag, je nach Möglichkeit. Ansonsten am Nachmittag oder auch am Abend. Die angesprochenen Zeitfenster sind notwendig und wichtig.

RS: Was ist für einen Direktor wichtig?
Kerber: Dass sowohl Schüler, Lehrer als auch Sekretariatsmitarbeiter gerne in die Schule kommen. Das ist die Basis, damit gut gearbeitet werden kann. Wir stehen am Gymnasium dafür, dass Grundlagen gut gelernt werden. Die Vorgänge in der Welt sind vielschichtig und komplex. Es ist aus meiner Sicht enorm wichtig, dass Schüler ein gutes Basiswissen haben, sich eine eigene Meinung bilden, um gute Entscheidungen treffen zu können.

RS: Was hat die Pandemie an Änderungen für die Schule notwendig gemacht?
Kerber: Durch die Pandemie ist der Unterschied im Bereich Vorbildung größer geworden. Das ist bis heute erkennbar und macht es notwendig, dass mehr Förderungen und Wiederholungen durchgeführt werden. Die Anzahl der Schüler, die körperliche oder psychische Probleme haben, hat an unserer Schule zugenommen. Dies ergibt ganz neue Fragen: Wie gehen wir mit Kindern und Jugendlichen um, die wenig in der Schule sind? Wie können die Schüler unterstützt werden? Welche Möglichkeiten haben wir, um zu einer Beurteilung zu kommen? Die Pandemie führte zu einem Digitalisierungsschub. Wie kann dieser positiv weitergeführt werden? Wie gehen wir mit den negativen Auswirkungen um?

RS: Sind die Neuerungen der Zentralmatura für die Schüler günstiger?
Kerber: Als sehr positiv sehe ich die abschließende Arbeit, die im Rahmen der Reifeprüfung geschrieben werden kann. Hier werden viele Fertigkeiten gelernt und trainiert, und das ist eine gute Vorbereitung auf spätere Herausforderungen. Es ist sicherlich ein Vorteil, dass alle Schüler in Österreich die gleichen Aufgaben bearbeiten. Große Unterschiede können damit ausgeglichen werden, das Niveau ist aus meiner Sicht gesunken. Ein großer Vorteil für die Schüler ist es, dass seit der Pandemie die Jahresnoten der achten  Klasse in die Reifeprüfungsnoten eingerechnet werden.

RS: Wie funktioniert das Handyverbot an Deiner Schule?
Kerber: Aus meiner Sicht gut. Es gibt wenig Verstöße.

RS: Unlängst hat es in einer Pressemeldung geheißen, dass es in Tirol immer weniger Lehrer gibt, weil viele ihren Job quittiert hätten – wie ist die Erfahrung an Deiner Schule?
Kerber: Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir alle Stunden besetzen können. Durch Pensionierungen und ein paar Versetzungen haben wir in den letzten Jahren viele neue Lehrer bekommen. Bis jetzt hat kein Kollege den Job quittiert. Im Gegenteil: Der Großteil ist sehr gerne in Telfs und arbeitet gerne in seinem Beruf.

RS: Welche Mitarbeiter bräuchte man im mittleren Management auch in Telfs, die den Direktor für seine Aufgaben entlasten könnten?
Kerber: Vor allem Sozialarbeiter. Weiters wäre es sinnvoll, Fachvorstände oder Abteilungsleiter, etwa für den naturwissenschaftlichen sowie für den sprachlichen Bereich, zu installieren. Dass es in einem Betrieb mit über 500 Schülern und 58 Mitarbeitern keine Struktur eines mittleren Managements gibt, ist nicht zeitgemäß.

RS: Würdest Du Dich noch einmal für den Posten des Direktors bewerben?
Kerber: Ja, die Möglichkeiten der Gestaltung sind vielfältig. Es macht mir nach wie vor Freude, mit jungen Menschen zu arbeiten und sie ein Stück ihres Lebens zu begleiten.

RS: Vielen Dank für das Gespräch.

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