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„Schutzschild Wald“ muss erhalten bleiben

Kostspielige Bilanz nach Unwetterereignissen: 600.000 Festmeter Schadholz und 30 Millionen Euro Schaden

Die Unwetter in den vergangenen Wochen haben in Tirols Wäldern ihre Spuren hinterlassen: 600.000 Festmeter Schadholz und einen Schaden in Höhe von 30 Millionen Euro, verteilt auf 2.000 Hektar Wald, lautet die vorläufige Schadensbilanz. Von den Sturmschäden betroffen sind auch wichtige Schutzwälder. Sie machen in Tirol 70 Prozent der gesamten Waldfläche aus. LH Anton Mattle erklärte vergangenen Mittwoch bei einem Forstgipfel in Innsbruck, dass der Schaden noch weit größer wird, wenn gegen den Borkenkäfers nicht entschlossen genug vorgangen wird.

Von Gebi G. Schnöll
8. August 2023
„Schutzschild Wald“ muss erhalten bleiben
Ein „Baumstamm-Mikado“ in der Haiminger Fraktion Ochsengarten. So sieht es derzeit in vielen Tiroler Wäldern aus. RS-Foto: Schnöll
Von Gebi G. Schnöll

Von den Sturmereignissen im Juli sind vor allem das Pitztal, das Ötztal, die Gemeinden Haiming, Silz, Oetz, das Wipp- und Stubaital sowie das Zillertal und die Haminger Fraktion Ochsengarten betroffen. „Infolge des heutigen Forstgipfels wollen wir in unseren Wäldern Schaden beheben, begrenzen und abwenden. Der Borkenkäfer steht schon in den Startlöchern und wird ohne entschlossenes Handeln den Schaden um ein Vielfaches vergrößern. Die natürliche Schutzwirkung des Waldes vor Muren oder Lawinen ist in den besonders betroffenen Regionen gefährdet“, sagt LH Anton Mattle auf dessen Initiative vergangenen Donnerstag der „Forstgipfel“ in Innsbruck stattgefunden hat. Die Tiroler Landesregierung stellt für die Aufräum- und Sicherungsarbeiten insgesamt 15 Millionen Euro an Beihilfen bzw. Entschädigungsleistungen in Aussicht, ein Teil davon wird beim Bund zur Refundierung eingebracht. „Es wird noch weitere Bundesmittel benötigen, um den immensen Schaden aufzuarbeiten. Ich danke daher Minister Norbert Totschnig für die Zusage von zusätzlichen Mitteln abseits der Refundierung. Insgesamt können wir damit bis zu 25 Millionen Euro an Finanzmitteln für die notwendigen Maßnahmen und den Waldschutz bereitstellen. Heuer werden wir uns intensiv mit den Aufräumarbeiten beschäftigen und schon im nächsten Jahr mit der Aufforstung von klimafitten Wäldern beginnen. Mein Appell an alle Beteiligten, Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer und die holzverarbeitenden Betriebe: Verlieren wir keine Zeit und geben wir dem Borkenkäfer keine Chance“, so der Landeshauptmann.

MITTEL AUS DEM KAT-FONDS. „Der Fokus liegt jetzt darauf, rasch zu helfen und vor allem Folgeschäden zu vermeiden. Insbesondere zur Sicherung des Schutzwaldes und der Wiederbewaldung stellt mein Ministerium Know-How und Mittel zur Verfügung, insgesamt rund 4,5 Millionen Euro. Wir bleiben laufend in Kontakt mit dem Land Tirol – was die Sicherungsmaßnahmen durch die Wildbach- und Lawinenverbauung, aber auch die Notwendigkeiten der Wiederaufforstung betrifft – um einen möglichen weiteren Mittelbedarf abschätzen zu können“, betonte Bundesminister Totschnig beim „Forstgipfel“ und Sicherheitslandesrätin Mair fasste zusammen: „„Im Rahmen der Unterstützungsleistungen des Landes für die Wiederherstellung der Waldschäden sichere ich über die Elementarschadensabwicklung finanzielle Beihilfen zu: Wir stellen noch heuer über den KAT-Fonds des Landes unverzüglich 7,5 Millionen Euro an Soforthilfe zur Verfügung.“

PRIORISIERUNG VON ANSTEHENDEN MASSNAHMEN. Aufgrund der enormen Menge an Schadholz und dem damit verbundenen großen logistischen, personellen und finanziellen Aufwand wurde gemeinsam mit den Experten der Landesforstdirektion bereits eine Prioritätenreihung vorgenommen. Vorrangig behandelt werden in weiterer Folge Objektschutzwälder, die den Siedlungsraum schützen, sowie Wälder mit hoher Borkenkäfervorbelastung gefolgt von Standortschutzwäldern und dem klassischen Wirtschaftswald. Die Aufräumarbeiten sind bereits angelaufen, den Bezirksforstinspektionen wurde bereits zusätzliches Personal zur Seite gestellt. Wenn notwendig werden auch dezentrale Lagerplätze für das Schadholz geschaffen. „Erst aufräumen, dann zügig einen klimafitten, bunten Wald aufforsten. Dazu brauchen wir in den nächsten beiden Jahren allein in Nordtirol rund vier Millionen Forstpflanzen“, sagte LH-Stv. Josef Geisler.

„MIKADO“ AUS BAUMSTÄMMEN GEMEINSAM SCHNELLSTMÖGLICH LÖSEN. In den betroffenen Bereichen kam es zu flächigen Brüchen und Würfen. Gleichzeitig gab es in fast allen Tiroler Gemeinden Einzelwürfe. „Die verstreuten Lagen und die teils extremen Geländeverhältnisse machen das Schadensereignis insgesamt sehr komplex und die Arbeiten kostenintensiv. Die Situation gleicht vielfach einem ‚Mikado‘, das es aufzulösen gilt. Dazu braucht es viel Know-how und professionelle Arbeitskräfte“, weist Forstreferent LHStv Geisler auf die Herausforderungen der Schadensbeseitigung hin. „Aber wenn wir jetzt nicht handeln, kommt uns das noch viel teurer. Die nächsten vier Monate sind entscheidend für die Zukunft des Waldes in Nordtirol“, so LH-Stv Geisler abschließend.

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