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„Weidezone Tirol“ macht sich auf Bärenjagd

Verein fordert vom Land Tirol jetzt gleich wie bei Schadwölfen auch Abschussverordnungen für Problembären

Wolf und Bär sorgen für Unruhe im Land. Nicht nur bei Landwirten und der Jägerschaft, auch Menschen, die gerne in der Natur unterwegs sind, fürchten diese Individuen, die auch heuer wieder eine blutige Spur durch unser Land ziehen. Der Verein „Weidezone Tirol“, mit Stefan Brugger an der Spitze, fordert jetzt nicht nur rasche Entnahmebescheide für Schadwölfe, sondern auch für Problembären.

Von Gebi G. Schnöll
13. Juni 2023
„Weidezone Tirol“ macht sich auf Bärenjagd
Kämpfen um den Erhalt der Almwirtschaft: „Weidezone Tirol“-Obmann Stefan Brugger, Landwirt Eugen Barbist sowie die „Weidezone Tirol“-Vorstände Walter Pupp und Hermann Hammerl (v.r.). RS-Foto: Schnöll
Von Gebi G. Schnöll

Seit Jahresbeginn wurden in Tirol bereits elf verschiedene Wölfe genetisch nachgewiesen, im gesamten Jahr 2022 waren es 19. Aktuell sind in Tirol vier Wölfe zum Abschuss freigegeben, drei davon in Osttirol, einer im Ötztal. Doch auch der große Beutegreifer Bär bereitet Sorgen. Vor einigen Wochen wurde im Trentino ein Jogger von einem Braunbären angegriffen und getötet, auch in Tirol häufen sich die Sichtungen dieser Individuen. 2022 gab es in Nord- und Osttirol 22 Bärensichtungen, heuer waren es bereits elf. Laut Stefan Brugger, dem Obmann der „Weidezone Tirol“, wurden dieses Jahr bereits 41 Schafe von Bären gerissen, etliche Schafe werden noch vermisst. „Von der ‚Schwarzwassertal-Alm‘ im Außerfern mussten kürzlich nach 17 Rissen 600 Schafe wieder ins Tal getrieben werden“, erklärte Brugger am Dienstag vergangener Woche bei einer Pressekonferenz in Innsbruck-Arzl. Letzten Samstag starteten die Außerferner Schafbauern einen zweiten Anlauf und trieben 200 Schafe zu den Weiden der „Schwarzwassertal-Alm“ auf. „Ob der Bär noch präsent ist, wissen wir nicht. Wir müssen das Risiko eingehen. Anstatt 600 bis 700 Schafe werden heuer maximal 200 Tiere die 750 Hektar großen Weidenflächen abgrasen. Herdenschutz ist unmöglich, wir müssen halt so schauen, dass die Alm offen bleibt“, sagt Eugen Barbist, der Gebietsobmann der „Tiroler Bergschafe Außerfern“.

BÄREN OHNE SCHEU. Bärensichtungen gab es heuer auch noch in anderen Teilen Tirols, darunter auch in den Bezirken Landeck und Innsbruck-Land. Und das einige Male ganz in der Nähe von Wohngebieten. „Auch bei uns in der Wildschönau gab es heuer Schafrisse durch Bären nahe dem Wohngebiet. Die Unruhe in der Bevölkerung ist groß“, berichtet Walter Pupp, Vorstand im Verein „Weidezone Tirol“. Nur 120 Meter von einem Wohnhaus entfernt wurde Ende April  ein Schaf gerissen. „Zunächst dachten wir an einen Wolf, der Amtstierarzt stellte aber fest, dass es sich um einen Bären handelt, der das Tier gerissen hat.  In den darauffolgenden Wochen verdichteten sich die Hinweise, dass es sich um ein Raubtier handelt, das Menschen offenbar nicht scheut. Es wurden zum Beispiel Spuren von Bärentatzen entdeckt, und es gab auch Sichtkontakt mit dem Bär. Auch vier gerissene Rehe wurden später aufgefunden, zwei davon in Siedlungsnähe. Ob das Rotwild tatsächlich, so wie von der Landesregierung kolportiert, von Füchsen gerissen wurde, ist unklar. „Es wurde nur von einem Reh eine DNA-Probe entnommen und analysiert. Diese stammt tatsächlich von einem Fuchs, es ist aber bekannt, dass Füchse oft die Reste von Kadavern fressen. So könnte es auch in diesem Fall gewesen sein“, schildert Pupp.

„KOPFGELD“ FÜR WOLFABSCHUSS. „Weidezone Tirol“-Obmann Stefan Brugger fordert nun rasche Abschussverordnungen für Problembären, gleich wie sie seit heuer im Frühjahr bei Schadwölfen möglich sind.  „Es ist alles angerichtet für eine Bärenentnahme. Gegenargumente stimmen nicht. Eine Entnahme von Problembären ist trotz des Erhaltungszustandes möglich. Das geht auch aus einem Gutachten hervor, das Agrarlandesrat Josef Geisler vorliegt. Wir müssen rasch handeln, bevor es zu spät ist“, warnt Brugger. „Wenn Geisler nicht den Mut hat, die Entnahme von  Problembären anzuordnen, soll er das LH-Stv. Georg Dornauer überlassen. Auf meine schriftliche Anfrage, ob er das tun würde, hat Dornauer mir nämlich geantwortet, dass er ohne mit der Wimper zu zucken die Entnahmeverordnung unterschreiben würde“, so Brugger. Zurück zum Wolf: Der Unterländer Landmaschinenhändler Johann Stöckl, der auch in Pfaffenhofen eine Filiale betreibt, setzte bei der Pressekonferenz 1.500 Euro „Kopfgeld“ auf Wolfabschüsse aus. Gültig ist die Prämie für die ersten zehn in Tirol geschossenen Wölfe.

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