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„Das 121. Video ging plötzlich durch die Decke“

Podcaster und Unternehmer Marco Brugger im Interview

Marco Brugger stammt aus Längenfeld, absolvierte die HTL in Imst und arbeitete zunächst als Bautechniker. Doch eine alte Kamera, zahlreiche unbeantwortete E-Mails und eine gehörige Portion Hartnäckigkeit führten ihn schließlich nach Monaco in das Social-Media-Team von Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg. Heute betreut der 27-Jährige mit seiner Agentur „15 Love“ Kunden in ganz Europa und spricht in seinem gleichnamigen Business-Podcast mit Persönlichkeiten wie Dominic Thiem oder Leo Hillinger. Im RUNDSCHAU-Interview erzählt Brugger von 14-Stunden-Tagen, 120 erfolglosen Videos und davon, welche Eigenschaft die erfolgreichsten Unternehmer Österreichs verbindet.

16. Juli 2026
„Das 121. Video ging plötzlich durch die Decke“
Marco Brugger im RUNDSCHAU-Gespräch in Wien.
RUNDSCHAU: Du hast mit 19 Jahren deine erste Marketingagentur gegründet, bist Fotograf, Videograf, Podcaster und somit mittlerweile gewissermaßen selbst Influencer – wie viele Stunden hat dein Arbeitstag?
Marco Brugger: Ein klassischer Acht-Stunden-Tag geht sich bei mir häufig nicht aus. Mein Hauptgeschäft ist mittlerweile meine Agentur „15 Love“. Wir übernehmen Social-Media-Betreuungen und Videoproduktionen für Kunden in ganz Österreich, Europa und teilweise darüber hinaus. Daneben betreibe ich den Podcast, der mittlerweile wahnsinnig gut läuft. Mit diesen beiden Tätigkeiten bin ich sehr ausgelastet. Oft arbeite ich zehn, zwölf, manchmal auch 13 oder 14 Stunden. Ich merke aber, dass ich Pausen brauche – und vor allem Zeit mit meiner Freundin, meinen Freunden und meiner Familie. Sonst würde das alles nicht funktionieren.

RS: Wie hat sich dieser Weg geebnet – vom kleinen Jungen aus Längenfeld zum Medien- und Marketing-Tausendsassa?
Brugger: Ich bin in Längenfeld aufgewachsen, habe die HTL in Imst besucht und im Bereich Hochbau maturiert. Schon während der Schulzeit merkte ich aber, dass die Baubranche nicht wirklich meine Welt ist. Nach der Matura arbeitete ich dennoch als Bautechniker in der Bauleitung. Die Kollegen waren super, die Arbeit gut bezahlt – aber erfüllt hat sie mich nicht. Meine Schwester hatte damals eine alte Kamera. Ich begann zu fotografieren, später auch zu filmen, und entdeckte darin etwas Kreatives, das mir im Berufsalltag fehlte. Bei einer Veranstaltung am Giggi­joch machte ich Aufnahmen für einen Freund. Der dortige DJ war begeistert und nahm mich zu Auftritten in ganz Österreich mit. So entwickelte sich das Ganze Schritt für Schritt. Irgendwann wusste ich: Darin steckt mein Weg. Ich wollte immer große Dinge machen – mein Traum war es, eines Tages für einen weltweit bekannten Sportler zu arbeiten.

RS: Apropos weltweit bekannter Sportler: Fast zwei Jahre lang warst du für die Social-Media-Kanäle von Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg zuständig. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Brugger: Ich war schon als Kind von der Formel 1 begeistert und hatte Nico immer verfolgt. Nach seinem Karriereende konzentrierte er sich stark auf YouTube. Eines Tages sprach ich mit meinem Schwager darüber, wie großartig es wäre, Videos für ihn zu produzieren. Daraufhin suchte ich sämtliche E-Mail-Adressen seines Teams zusammen – von den Mitarbeitern bis zur Autogrammadresse. Ich schrieb sinngemäß: „Ich komme aus Tirol, mache Videos und bin wahrscheinlich noch viel zu schlecht für euch. Aber ich möchte lernen und würde das vollkommen kostenlos machen.“ Zunächst kam keine Antwort – auch nicht auf meine zahlreichen weiteren Mails. Am Ende waren es fast 20. Sechs oder sieben Monate später entdeckte ich im Spam-Ordner eine Mail mit dem Betreff „Nico Rosberg Opportunity“. Nico und sein Team hätten gesehen, wie sehr ich für diesen Traum kämpfe, und wollten mir eine Chance geben. Noch am selben Abend hatte ich einen Video-Call mit ihnen. Am nächsten Tag kündigte ich meinen Job, zwei Wochen später saß ich in Monaco.

RS: Wie groß war der Kontrast zwischen Längenfeld und Monaco?
Brugger: Riesig. Gerade am Anfang war es beeindruckend. Du gehst aus dem Haus und begegnest Formel-1-Fahrern oder anderen Spitzensportlern. Mit der Zeit merkte ich aber, dass dieser Lebensstil nicht zu mir passt. In Monaco dreht sich sehr viel um Geld und Status. Unser Team bei Nico war großartig. Wir waren motiviert und sind bis heute befreundet. Außerhalb dieser Blase ging es aber häufig nur um Geld, Luxus und Yachten.

RS: Mit dem „15 Love Podcast“ betreibst du mittlerweile ein eigenes Format über Wirtschaft und Unternehmertum. Wie entstand die Idee?
Brugger: Die Idee war schon länger in meinem Kopf. Ich hörte immer den OMR-Podcast aus Deutschland, einen der größten Business-Podcasts im deutschsprachigen Raum. Unternehmertum hat mich schon immer begeistert, weil ich selbst Unternehmer sein wollte, beziehungsweise gerade dabei war, einer zu werden. In Österreich gab es zwar kleinere Wirtschaftsformate oder Podcasts mit Business-Nachrichten. Mir fehlte aber ein Format, bei dem sich jede Woche jemand mit hochkarätigen Unternehmern hinsetzt und ausführlich über deren Geschichte spricht. Irgendwann dachte ich mir: Dann mache ich das einfach selbst.

RS: Wie bekommt man Dominic Thiem, Leo Hillinger oder Michael Altrichter – Menschen mit vollen Terminkalendern und vergleichsweise wenig Bedarf an zusätzlicher Öffentlichkeit – vor das Mikrofon?
Brugger: Gerade am Anfang ist das wahnsinnig viel Klinkenputzen. Für die ersten zehn Gäste habe ich sicher rund 150 Menschen angeschrieben. Nach außen sieht es später locker aus: Da sitzt plötzlich ein Dominic Thiem im Podcast. Aber für diese eine Zusage hat man vielleicht 99 andere Menschen angeschrieben, die abgesagt oder gar nicht geantwortet haben.

RS: Gibt es einen gemeinsamen Nenner hinsichtlich Mentalität oder Mindset, der diese erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmer verbindet?
Brugger: Das Durchhaltevermögen. Praktisch alle sagen: „Wenn du von etwas überzeugt bist, dann zieh es durch.“ Der Podcast ist dafür das beste Beispiel. Die erste Folge hatte in der ersten Woche ungefähr 70 Aufrufe. Dann denkst du dir natürlich: Wie soll ich den nächsten bekannten Gast davon überzeugen, zu mir zu kommen? Zu Beginn veröffentlichte ich 120 Videos, von denen kein einziges mehr als 1.000 Aufrufe hatte. Oft hatten die Videos drei Likes: von meiner Freundin, einem Kollegen und meiner Schwester. Das 121. Video ging plötzlich durch die Decke und erreichte mittlerweile fast eine Million Aufrufe. Danach ging es bergauf. Innerhalb weniger Monate kamen mehr als 15.000 Follower hinzu. Alleine im Mai hatten unsere Inhalte in den sozialen Medien rund 4,6 Millionen Aufrufe, und der Podcast wurde etwa 80.000-mal gehört.

RS: Was muss ein Gast mitbringen, damit du ihn unbedingt in deinem Podcast haben möchtest: einen bekannten Namen, eine außergewöhnliche Geschichte oder eine besondere Haltung?
Brugger: Vor allem eine gute Geschichte. Der Name ist gar nicht so entscheidend. Natürlich braucht man zwischendurch bekannte Persönlichkeiten wie Leo Hillinger oder Dominic Thiem, die viele Menschen sofort erkennen. Es gibt aber auch Gäste wie den Chirurgen Christian Fink, den außerhalb seines Fachbereichs vielleicht nicht jeder kennt. Er ist unglaublich erfolgreich und ein wahnsinnig spannender Mensch, der viel zu erzählen hat. Genau darauf kommt es an: eine außergewöhnliche Geschichte.

RS: Wer steht noch ganz oben auf deiner Wunschliste?
Brugger: Zwei Menschen: Mark Mateschitz und Arnold Schwarzenegger.

RS: Obwohl du online sehr präsent bist, findet man vergleichsweise wenig über deine Kindheit und deine Wurzeln. Was hat dich am Aufwachsen in Längenfeld geprägt?
Brugger: Vor allem die Werte, die mir meine Familie mitgegeben hat. Dazu gehört beispielsweise Handschlag-Qualität. Mein Vater brachte mir immer bei: Wenn du etwas vereinbarst, dann hältst du es auch ein. Diese Verlässlichkeit ist etwas, das ich stark mit Tirol verbinde. Auch die Arbeitseinstellung spielt eine Rolle. Erst kürzlich sagte ein Podcast-Gast zu mir, Tiroler und Vorarlberger seien für ihn besonders gute Mitarbeiter, weil sie „hackeln“ und etwas weiterbringen wollen.

RS: Was würde der 19- oder 20-jährige Marco, der immer wieder an Nico Rosbergs Team geschrieben hat, über den heutigen Marco denken?
Brugger: Ich glaube nicht, dass er in erster Linie auf die großen Namen oder die Aufrufzahlen stolz wäre. Ich hoffe vielmehr, dass er darauf stolz wäre, dass ich derselbe geblieben bin. Zumindest sagen mir meine Familie und meine Freunde, dass ich mich nicht grundsätzlich verändert habe. Es besteht schon die Gefahr, dass man sich für etwas Besseres hält, wenn man mit bekannten Menschen unterwegs ist oder plötzlich selbst erkannt wird. Aber genau das möchte ich vermeiden. Wenn ich nach Hause komme, freut sich meine Familie natürlich über meine Erfolge. Vielleicht sind sie auch stolz. Dann redet man zehn Minuten darüber – und danach bin ich wieder einfach der Marco, der Blödsinn macht und den man aufziehen kann. Ich glaube, genau darauf wäre mein jüngeres Ich am meisten stolz.

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