Konsequenter Kinderschutz
Forderung der Kinder- und Jugendanwaltschaft, Kinderschutzmaßnahmen zu stärken
Angesichts der Gewaltvorfälle im SOS-Kinderdorf Imst weist die Kinder- und Jugendanwaltschaft Tirol darauf hin, dass sie allen jungen Menschen bis 21 Jahren als unabhängige Anlaufstelle zur Verfügung steht. Dies gilt auch für Kinder und Jugendliche, die in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe betreut werden. Die KiJA fordert eine Stärkung der Kinderschutzmaßnahmen. Derweil stellt das SOS-Kinderdorf die Reformkommission neu auf. Aufsichtsratsmitglied Willibald Cernko hat sein Mandat im Aufsichtsrat zurückgelegt. Zudem wurde Geschäftsführer Christian Moser vom Aufsichtsrat von seinen Aufgaben entbunden.
7. Oktober 2025
„Kinderrechte dürfen nicht verhandelbar sein! Es ist die Pflicht von Politik und Gesellschaft, Strukturen so auszugestalten, dass alle Formen von Gewalt weder begünstigt noch ermöglicht werden“, so Kinder- und Jugendanwalt Lukas Trentini. Foto: Land Tirol/Dominik
„Hiermit möchte ich das Leid der Kinder und Jugendlichen anerkennen, das ihnen im Kinderdorf Imst widerfahren ist. Das vor Kurzem bekannt gewordene gewaltvolle Verhalten steht im Widerspruch zum Gewaltverbot und unseren Grundrechten und ist kategorisch abzulehnen“, führt Lukas Trentini, Kinder- und Jugendanwalt für Tirol, aus. Jedes Kind hat ein Recht darauf, frei von allen Formen von Gewalt aufzuwachsen. Insbesondere „Kinder und Jugendliche, die nicht bei ihren Familien aufwachsen können, haben das Recht auf besonderen Schutz und Beistand des Staates.“ (UN-Kinderrechtskonvention, Art. 20) Die Kinder- und Jugendanwaltschaft (KiJA) Tirol ist eine weisungsfreie Einrichtung des Landes Tirol. Ihre gesetzlich verankerte Aufgabe ist es, die Rechte von Kindern und Jugendlichen zu schützen, zu vertreten und zu fördern. „Das Team der KiJA ist schockiert über die öffentlich bekannt gewordenen Gewaltvorfälle in mehreren Einrichtungen von SOS-Kinderdorf. Zudem sind wir tief betroffen, dass auch Übergriffe im Kinderdorf Imst stattgefunden haben. Diese neu zutage gebrachten Vorfälle aus der nahen Vergangenheit machen wiederholt deutlich, dass konsequenter und professioneller Kinderschutz unumgänglich ist“, ist Trentini überzeugt.
DIE ROLLE DER EXTERNEN VERTRAUENSPERSONEN DER KIJA. Auf Basis der Erkenntnisse aus der Aufarbeitung der Heimerziehung in ehemaligen Tiroler Heimen bietet die KiJA seit 2015 mit ihren externen Vertrauenspersonen jungen Menschen, die fremd untergebracht sind, eine niederschwellige Anlaufstelle für ihre Sorgen und Anliegen. Mit ihren regelmäßigen Sprechstunden direkt in den Wohngemeinschaften leisten die Vertrauenspersonen einen Beitrag zum Schutz vor Gewalt und unterstützen junge Menschen in schwierigen Situationen. „Das vorherrschende System von Gewalt, Angst und Vertuschung im Kinderdorf Imst und die damit einhergehenden Kindeswohlgefährdungen waren für die KiJA und deren externe Vertrauenspersonen nicht ersichtlich“, informiert Trentini. „Die KiJA wird im Zuge der Überarbeitung ihres Kinderschutzkonzepts reflektieren, wie es gelingen kann, das Vertrauensverhältnis der externen Vertrauenspersonen hin zu den Bewohnerinnen und Bewohnern noch mehr zu stärken.“
VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN. „Neben der Verantwortung des Vereins SOS-Kinderdorf, diese Vorfälle gründlich aufzuarbeiten und verantwortungsvoll die eigenen Strukturen radikal zu hinterfragen und weiterzuentwickeln, sehen wir auch das Land Tirol bzw. den österreichischen Staat in der Pflicht, zu prüfen, welche Strukturen derartiges Fehlverhalten begünstigen bzw. ermöglichen“, so Kinder- und Jugendanwalt Trentini. „Als Kinder- und Jugendanwalt spreche ich mich dafür aus, sowohl die öffentlichen als auch die privaten Träger der Kinder- und Jugendhilfe mit adäquaten finanziellen Mitteln und qualifiziertem Personal auszustatten. Kleine und gut ausgestattete Wohneinheiten sollen gefördert und hierfür ausreichend Budget für die Kinder- und Jugendhilfe vorgesehen werden. Es müssen bundesweit einheitliche und verbindliche Qualitätsstandards für die stationäre Kinder- und Jugendhilfe erarbeitet werden. Gesetzlich verpflichtende Kinderschutzkonzepte sind für alle Träger der Kinder- und Jugendhilfe vorzusehen, die einer externen Qualitätsüberprüfung unterliegen und in der Praxis gelebt werden. Zudem soll ein professionelles Beschwerdemanagement für Träger der Kinder- und Jugendhilfe eingerichtet werden. Und die Aufgabe der externen Vertrauensperson ist mit ausreichend Personal ausgestattet zu werden, damit auch alle anderen Einrichtungen, in denen junge Menschen stationär betreut werden, regelmäßig besucht werden können. Unter anderem sind dies Einrichtungen für geflüchtete Kinder und Jugendliche, Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sowie die Kinder- und Jugendpsychiatrie, Justizvollzugsanstalt und Internate“, stellt Trentini eine Reihe von Forderungen auf. „Kinderrechte dürfen nicht verhandelbar sein! Es ist die Pflicht von Politik und Gesellschaft, Strukturen so auszugestalten, dass alle Formen von Gewalt weder begünstigt noch ermöglicht werden“, schließt der Kinder- und Jugendanwalt.
CERNKO LEGT AUFSICHTSRATMANDAT ZURÜCK, GESCHÄFTSFÜHRER MOSER WURDE DIENSTFREI GESTELLT. Die Reformkommission von SOS-Kinderdorf wird künftig ausschließlich aus unabhängigen, externen Mitgliedern bestehen. Neben einer Juristin, einer Psychologin und einer Sozialarbeiterin/Soziologin werden auch eine Expertin bzw. ein Experte für Wirtschaft sowie eine Fachperson mit medizinisch-therapeutischem Hintergrund berufen. Um die volle Unabhängigkeit zu gewährleisten, wird kein Mitglied des Aufsichtsrats Teil der Kommission sein. Aufsichtsratsmitglied Willibald Cernko legt sein Aufsichtsratsmandat mit sofortiger Wirkung zurück und wird künftig auf Bitte und im Auftrag der Geschäftsführung ehrenamtlich in beratender Funktion unterstützen. Zudem hat der Aufsichtsrat von SOS-Kinderdorf beschlossen, Geschäftsführer Christian Moser bereits jetzt von allen Geschäftsführungstätigkeiten zu entbinden und ihn dienstfrei zu stellen, bis die Ergebnisse der Reformkommission vorliegen.
DIE ROLLE DER EXTERNEN VERTRAUENSPERSONEN DER KIJA. Auf Basis der Erkenntnisse aus der Aufarbeitung der Heimerziehung in ehemaligen Tiroler Heimen bietet die KiJA seit 2015 mit ihren externen Vertrauenspersonen jungen Menschen, die fremd untergebracht sind, eine niederschwellige Anlaufstelle für ihre Sorgen und Anliegen. Mit ihren regelmäßigen Sprechstunden direkt in den Wohngemeinschaften leisten die Vertrauenspersonen einen Beitrag zum Schutz vor Gewalt und unterstützen junge Menschen in schwierigen Situationen. „Das vorherrschende System von Gewalt, Angst und Vertuschung im Kinderdorf Imst und die damit einhergehenden Kindeswohlgefährdungen waren für die KiJA und deren externe Vertrauenspersonen nicht ersichtlich“, informiert Trentini. „Die KiJA wird im Zuge der Überarbeitung ihres Kinderschutzkonzepts reflektieren, wie es gelingen kann, das Vertrauensverhältnis der externen Vertrauenspersonen hin zu den Bewohnerinnen und Bewohnern noch mehr zu stärken.“
VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN. „Neben der Verantwortung des Vereins SOS-Kinderdorf, diese Vorfälle gründlich aufzuarbeiten und verantwortungsvoll die eigenen Strukturen radikal zu hinterfragen und weiterzuentwickeln, sehen wir auch das Land Tirol bzw. den österreichischen Staat in der Pflicht, zu prüfen, welche Strukturen derartiges Fehlverhalten begünstigen bzw. ermöglichen“, so Kinder- und Jugendanwalt Trentini. „Als Kinder- und Jugendanwalt spreche ich mich dafür aus, sowohl die öffentlichen als auch die privaten Träger der Kinder- und Jugendhilfe mit adäquaten finanziellen Mitteln und qualifiziertem Personal auszustatten. Kleine und gut ausgestattete Wohneinheiten sollen gefördert und hierfür ausreichend Budget für die Kinder- und Jugendhilfe vorgesehen werden. Es müssen bundesweit einheitliche und verbindliche Qualitätsstandards für die stationäre Kinder- und Jugendhilfe erarbeitet werden. Gesetzlich verpflichtende Kinderschutzkonzepte sind für alle Träger der Kinder- und Jugendhilfe vorzusehen, die einer externen Qualitätsüberprüfung unterliegen und in der Praxis gelebt werden. Zudem soll ein professionelles Beschwerdemanagement für Träger der Kinder- und Jugendhilfe eingerichtet werden. Und die Aufgabe der externen Vertrauensperson ist mit ausreichend Personal ausgestattet zu werden, damit auch alle anderen Einrichtungen, in denen junge Menschen stationär betreut werden, regelmäßig besucht werden können. Unter anderem sind dies Einrichtungen für geflüchtete Kinder und Jugendliche, Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sowie die Kinder- und Jugendpsychiatrie, Justizvollzugsanstalt und Internate“, stellt Trentini eine Reihe von Forderungen auf. „Kinderrechte dürfen nicht verhandelbar sein! Es ist die Pflicht von Politik und Gesellschaft, Strukturen so auszugestalten, dass alle Formen von Gewalt weder begünstigt noch ermöglicht werden“, schließt der Kinder- und Jugendanwalt.
CERNKO LEGT AUFSICHTSRATMANDAT ZURÜCK, GESCHÄFTSFÜHRER MOSER WURDE DIENSTFREI GESTELLT. Die Reformkommission von SOS-Kinderdorf wird künftig ausschließlich aus unabhängigen, externen Mitgliedern bestehen. Neben einer Juristin, einer Psychologin und einer Sozialarbeiterin/Soziologin werden auch eine Expertin bzw. ein Experte für Wirtschaft sowie eine Fachperson mit medizinisch-therapeutischem Hintergrund berufen. Um die volle Unabhängigkeit zu gewährleisten, wird kein Mitglied des Aufsichtsrats Teil der Kommission sein. Aufsichtsratsmitglied Willibald Cernko legt sein Aufsichtsratsmandat mit sofortiger Wirkung zurück und wird künftig auf Bitte und im Auftrag der Geschäftsführung ehrenamtlich in beratender Funktion unterstützen. Zudem hat der Aufsichtsrat von SOS-Kinderdorf beschlossen, Geschäftsführer Christian Moser bereits jetzt von allen Geschäftsführungstätigkeiten zu entbinden und ihn dienstfrei zu stellen, bis die Ergebnisse der Reformkommission vorliegen.
Harald Gstrein





