Kunstwerke der Natur – Pilze, die Herrscher des Waldes
Wir können etwas vom Wood Wide Web lernen: Teamgeist!
Sie sind weder Tier noch Pflanze. Sie leben im Verborgenen, sind aber allgegenwärtig und uralt. Geheimnisvolle Wesen und Multitalente in vielen Gebieten – Pilze sind weit mehr als nur Hut und Stil. Sie sind das große Reich der Funga.
Christine Schneider
2. Oktober 2026
Der Fliegenpilz gehört zu den Mykorrhiza-Pilzen.Foto: Schneider
Wir sind uns einig: Der Boden ist zu trocken! Ich bin mit zwei Freundinnen im Frauenwald unterwegs, um ein paar Pilze für das Mittagessen zu sammeln. Wir finden Reizker, von denen viele wurmig sind, und ein paar Champignons. Doch dann lassen wir es bleiben und warten auf den nächsten Regen.
Eigentlich wissen wir kaum etwas über das Pilzreich. Der eigentliche Pilz ist nämlich das für unsere Augen unsichtbare, riesige Myzelgeflecht im Boden. Dieses Myzel arbeitet Tag und Nacht als Geburtshelfer, als Totengräber und Tauschpartner der Pflanzen. Bitte nicht erschrecken: Mit jedem Atemzug inhalieren wir Tausende Sporen. Auch in unserem Darm leben Pilze. Einige können töten, andere versetzen uns in andere Bewusstseinszustände.
Das Wunder Pilzmyzel. Das unterirdische Wurzelwerk, das sogenannte Myzel, durchwächst die Wurzeln der Bäume. Die Fäden sind hundertmal dünner als ein menschliches Haar. Dieses dichte Netz aus Wurzeln und Pilzhaaren wird als „Wood Wide Web” bezeichnet. Das bisher größte gefundene Pilzgeflecht ist ein Hallimasch in Oregon, USA. Es ist mindestens 2.400 Jahre alt und erstreckt sich über rund zehn Kilometer. Viele Pilze aus dem Wald lassen sich nicht züchten, da sie in Symbiose mit Bäumen leben. Die Pilze liefern Mineralien, Phosphat und Nitrat. Die Bäume revanchieren sich mit Zucker. Dieser wird mittels Photosynthese in den Blättern produziert und hinunter in die Wurzeln transportiert. Dort trifft der Zucker auf das Pilzmyzel. Dieses hat wiederum Totholz und Pflanzenreste verwertet und daraus Mineralien, Phosphate und Nitrate gewonnen. Auch Orchideen können ohne die Pilze nicht keimen, wie wir von unseren Frauenschuhen in Martinau wissen. Darum bringt Ausgraben und zu Hause im Garten anpflanzen nichts. Das führt nur zum Tod der Pflanze.
Das Wood Wide Web. Fast alle unsere Waldbäume sind von sogenannten Mykorrhiza-Pilzen umwachsen. Mykorrhiza bedeutet übersetzt schlicht „Pilzwurzel”. In Mitteleuropa gibt es mehr als tausend Mykorrhiza-Pilzarten, darunter so bekannte wie Fliegenpilze, Knollenblätterpilze, Pfifferlinge, Steinpilze und Trüffel. Es heißt ja: Wo der Fliegenpilz wächst, wächst auch der Steinpilz. Doch ich finde immer nur den Fliegenpilz. Die leidenschaftlichen Pilzsammler waren vielleicht schneller ...
Schutz und Filter. Das Pilzgeflecht ist so ausgedehnt, dass über diesen Vermittler auch Nahrung von einem Baum zum anderen transportiert wird. Vor allem aber durchdringen die feinen Pilzfäden den Boden viel dichter als Baumwurzeln. Dadurch vervielfacht sich die aktive Oberfläche zur Wasser- und Nährstoffaufnahme. Bäume mit Mykorrhiza-Partnern werden wesentlich besser versorgt als solche, die allein auf ihre eigenen Wurzeln angewiesen sind. Von diesem Netzwerk kann man für die Zusammenarbeit in Teams und Firmen viel lernen. Beide Partner geben und nehmen voneinander. In Dürrezeiten helfen sie sich gegenseitig, der Pilz schützt den Baum vor Krankheitserregern oder dient als Schwermetallfilter – ob am Straßenrand oder in der Nähe von Fabriken.
Der Nachteil aus menschlicher Perspektive. Zurückgehaltene Schwermetalle wie Cadmium oder Blei reichern sich besonders in den Fruchtkörpern von Pilzen an. Das gilt auch für radioaktive Stoffe wie Cäsium. Da die Halbwertszeit von Cäsium 30 Jahre beträgt, sind von lang zurückliegenden Atombombentests und von der Atomkatastrophe in Tschernobyl (1986) noch erhebliche Strahlungsmengen aktiv.
Doch nicht alles vertragen Mykorrhizapilze: Auf Stickstoffdüngung reagieren sie empfindlich. Wenn es ihnen schlecht geht, geht es auch ihren Partnern, den Bäumen, schlecht.
Eigentlich wissen wir kaum etwas über das Pilzreich. Der eigentliche Pilz ist nämlich das für unsere Augen unsichtbare, riesige Myzelgeflecht im Boden. Dieses Myzel arbeitet Tag und Nacht als Geburtshelfer, als Totengräber und Tauschpartner der Pflanzen. Bitte nicht erschrecken: Mit jedem Atemzug inhalieren wir Tausende Sporen. Auch in unserem Darm leben Pilze. Einige können töten, andere versetzen uns in andere Bewusstseinszustände.
Das Wunder Pilzmyzel. Das unterirdische Wurzelwerk, das sogenannte Myzel, durchwächst die Wurzeln der Bäume. Die Fäden sind hundertmal dünner als ein menschliches Haar. Dieses dichte Netz aus Wurzeln und Pilzhaaren wird als „Wood Wide Web” bezeichnet. Das bisher größte gefundene Pilzgeflecht ist ein Hallimasch in Oregon, USA. Es ist mindestens 2.400 Jahre alt und erstreckt sich über rund zehn Kilometer. Viele Pilze aus dem Wald lassen sich nicht züchten, da sie in Symbiose mit Bäumen leben. Die Pilze liefern Mineralien, Phosphat und Nitrat. Die Bäume revanchieren sich mit Zucker. Dieser wird mittels Photosynthese in den Blättern produziert und hinunter in die Wurzeln transportiert. Dort trifft der Zucker auf das Pilzmyzel. Dieses hat wiederum Totholz und Pflanzenreste verwertet und daraus Mineralien, Phosphate und Nitrate gewonnen. Auch Orchideen können ohne die Pilze nicht keimen, wie wir von unseren Frauenschuhen in Martinau wissen. Darum bringt Ausgraben und zu Hause im Garten anpflanzen nichts. Das führt nur zum Tod der Pflanze.
Das Wood Wide Web. Fast alle unsere Waldbäume sind von sogenannten Mykorrhiza-Pilzen umwachsen. Mykorrhiza bedeutet übersetzt schlicht „Pilzwurzel”. In Mitteleuropa gibt es mehr als tausend Mykorrhiza-Pilzarten, darunter so bekannte wie Fliegenpilze, Knollenblätterpilze, Pfifferlinge, Steinpilze und Trüffel. Es heißt ja: Wo der Fliegenpilz wächst, wächst auch der Steinpilz. Doch ich finde immer nur den Fliegenpilz. Die leidenschaftlichen Pilzsammler waren vielleicht schneller ...
Schutz und Filter. Das Pilzgeflecht ist so ausgedehnt, dass über diesen Vermittler auch Nahrung von einem Baum zum anderen transportiert wird. Vor allem aber durchdringen die feinen Pilzfäden den Boden viel dichter als Baumwurzeln. Dadurch vervielfacht sich die aktive Oberfläche zur Wasser- und Nährstoffaufnahme. Bäume mit Mykorrhiza-Partnern werden wesentlich besser versorgt als solche, die allein auf ihre eigenen Wurzeln angewiesen sind. Von diesem Netzwerk kann man für die Zusammenarbeit in Teams und Firmen viel lernen. Beide Partner geben und nehmen voneinander. In Dürrezeiten helfen sie sich gegenseitig, der Pilz schützt den Baum vor Krankheitserregern oder dient als Schwermetallfilter – ob am Straßenrand oder in der Nähe von Fabriken.
Der Nachteil aus menschlicher Perspektive. Zurückgehaltene Schwermetalle wie Cadmium oder Blei reichern sich besonders in den Fruchtkörpern von Pilzen an. Das gilt auch für radioaktive Stoffe wie Cäsium. Da die Halbwertszeit von Cäsium 30 Jahre beträgt, sind von lang zurückliegenden Atombombentests und von der Atomkatastrophe in Tschernobyl (1986) noch erhebliche Strahlungsmengen aktiv.
Doch nicht alles vertragen Mykorrhizapilze: Auf Stickstoffdüngung reagieren sie empfindlich. Wenn es ihnen schlecht geht, geht es auch ihren Partnern, den Bäumen, schlecht.





