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„Möchte mitgestalten“

Mit Semi Zeran als Landesschulsprecher vertritt nun ein Imster Tirols Schüler

Große Freude an der BHAK/BHAS Imst: Semi Zeran wurde zum Landesschulsprecher der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen gewählt. In seiner neuen Funktion vertritt er künftig die Anliegen zahlreicher Schülerinnen und Schüler auf Landesebene und verleiht ihnen eine starke Stimme. Die RUNDSCHAU traf den engagierten Schüler kürzlich zu einem persönlichen Gespräch.

13. August 2026
„Möchte mitgestalten“
Semi Zeran von der HAK/HAS Imst ist Tirols Landesschulsprecher. Foto: Thurner
RUNDSCHAU: Welche Anliegen beschäftigen Schülerinnen und Schüler an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen derzeit besonders – und wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?
Semi Zeran: Durch die drei Schülerparlamente, die ich besuchen durfte, habe ich einen sehr guten Einblick bekommen, welche Themen Schülerinnen und Schüler an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen aktuell besonders beschäftigen. Ein großes Anliegen ist die Modernisierung unserer Lehrpläne, da viele Inhalte nicht mehr zeitgemäß sind und stärker an die Anforderungen der heutigen Gesellschaft und Arbeitswelt angepasst werden müssen. Auch bei den Pflichtpraktika gibt es Verbesserungsbedarf – Schülerinnen und Schüler wünschen sich faire Rahmenbedingungen und mehr Unterstützung. Ein weiteres wichtiges Thema sind transparente und nachvollziehbare Prüfungen. Diese Rückmeldungen aus den Schülerparlamenten werden auch durch verschiedene Befragungen bestätigt. Österreichweit zeigt auch die Bildungsumfrage des Bundesministeriums für Bildung mit 46.385 Teilnehmenden den klaren Wunsch nach einer Weiterentwicklung und Modernisierung des Bildungssystems.

RS: Welche konkrete Veränderung möchten Sie während Ihrer Amtszeit als Landesschulsprecher erreichen?
Zeran: Das Thema Schüler/innenrechte war bereits während meiner Kandidatur mein großes Herzensanliegen. Ich habe damals versprochen, mich dafür einzusetzen, dass Schülerinnen und Schüler ihre Rechte kennen und diese auch wahrnehmen können. Auch während meiner Amtszeit möchte ich diesem Thema die notwendige Aufmerksamkeit geben. Viele Schülerinnen und Schüler wissen noch nicht genau, welche Rechte sie haben oder welche Möglichkeiten ihnen bei Problemen offenstehen. Deshalb ist es mir wichtig, die Schüler/innenrechte sichtbarer zu machen und junge Menschen darin zu stärken, ihre Stimme zu nutzen.

RS: Wie können Schulen besser auf die zunehmende Belastung durch Prüfungen, Leistungsdruck und psychische Herausforderungen reagieren?
Zeran: Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil jede Schülerin und jeder Schüler Belastungen unterschiedlich wahrnimmt. Umso wichtiger ist es, dass Schulen die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit Leistung und Wohlbefinden im Gleichgewicht bleiben. Ich stelle mir den Schulalltag wie einen Rucksack vor: Prüfungen, Schularbeiten, Projekte, Praktika und der Druck, gute Leistungen zu erbringen, sind einzelne Dinge, die wir jeden Tag mittragen. Ein einzelner Gegenstand ist dabei kein Problem – aber wenn der Rucksack immer voller wird, ohne dass man Unterstützung bekommt oder auch einmal etwas ablegen kann, wird die Belastung irgendwann zu groß. Genau hier müssen wir ansetzen: Schülerinnen und Schüler brauchen nicht weniger Herausforderungen, sondern bessere Rahmenbedingungen, um mit diesen umgehen zu können. Dazu gehören mehr Unterstützungsmöglichkeiten, ein offener Umgang mit psychischen Belastungen und eine Schulkultur, in der es selbstverständlich ist, sich Hilfe zu holen. Denn Bildung bedeutet nicht nur, Wissen zu vermitteln, sondern auch, junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten.

RS: Was hat Sie persönlich motiviert, sich als Landesschulsprecher zu engagieren, und woran würden Sie am Ende Ihrer Amtszeit erkennen, dass Sie erfolgreich waren?
Zeran: Meine Motivation begann an meinem Geburtstag, dem 6. Oktober 2025. An diesem Tag wurde ich zum Schulsprecher gewählt. Kurz darauf bekam ich einen Einblick in die Arbeit der Landesschülervertretung und erkannte, wie viel man als Schüler tatsächlich bewegen kann. Rückblickend war das ein entscheidender Moment für meinen weiteren Weg. Ich bin jemand, der nicht einfach zusieht, sondern Verantwortung übernimmt und mitgestalten will. Durch mein Engagement in der Schülervertretung durfte ich viele inspirierende Menschen kennenlernen – besonders der damalige BMHS-Landesschulsprecher Marco Wehinger wurde für mich zu einem großen Vorbild. Er hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, die Stimme der Schülerinnen und Schüler ernst zu nehmen und sich mit voller Überzeugung für ihre Anliegen einzusetzen. Eine erfolgreiche Amtszeit ist für mich nicht nur daran messbar, was am Ende auf dem Papier steht. Viel wichtiger ist, ob Schülerinnen und Schüler das Gefühl haben, dass ihre Anliegen gehört wurden, sie sich stärker eingebunden fühlen und erkennen, dass ihre Stimme etwas bewirken kann. Wenn das gelingt, dann weiß ich, dass sich jede Stunde und jeder Einsatz gelohnt haben.

RS: Haben Sie die Wahl eigentlich angenommen bzw. kam das überraschend für Sie?
Zeran: Natürlich habe ich die Wahl mit großer Freude und Dankbarkeit angenommen. Ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit meiner LSV dieses Jahr zu gestalten und daraus ein unvergessliches Jahr zu machen. Bis zur Verkündung war ich immer sehr überzeugt von uns, weil ich wusste, wie viel Einsatz, Zeit und Herzblut wir als Team in unsere Kandidatur gesteckt haben. Ich war überzeugt davon, dass sich diese Arbeit auszahlen wird. Trotzdem muss ich ehrlich sagen, dass ich kurz vor der Verkündung natürlich ein wenig Herzklopfen hatte. Ich habe nicht nur für mich selbst mitgefiebert, sondern für jede einzelne Person aus unserem Team, weil es mein großer Wunsch war, alle 18 von 18 Mandaten zu erreichen. Umso größer war die Freude, als feststand, dass wir dieses Ziel gemeinsam erreicht haben. Team Osadía hat unglaublichen Einsatz gezeigt und ich darf heute stolz sagen, dass wir die LSV Tirol 2026/27 sind und diese Verantwortung gemeinsam übernehmen werden.

RS: Welche Chancen und Risiken sehen Sie im Einsatz von künstlicher Intelligenz und digitalen Hilfsmitteln im Unterricht?
Zeran: Ich bin der Meinung, dass künstliche Intelligenz und digitale Hilfsmittel eine große Chance für die Schule darstellen. Unsere Zukunft wird stark von diesen Technologien geprägt sein, weshalb es wichtig ist, Schülerinnen und Schüler darauf vorzubereiten. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, KI bewusst und verantwortungsvoll einzusetzen. Die größte Herausforderung sehe ich darin, dass KI nicht das eigene Denken, die Kreativität und die persönliche Auseinandersetzung mit Themen ersetzen darf. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen und diese Technologien sinnvoll zu nutzen.

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