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Zweigleisigkeit durch Wohngebiet gestoppt

Zweites Gleis durch Imsterberg vorerst vom Tisch - ÖBB muss neue Varianten prüfen

Seit der Gemeindeversammlung im April dieses Jahres sorgt das geplante ÖBB-Projekt für erheblichen Unmut in der Bevölkerung von Imsterberg. Nun ist es Landeshauptmann Anton Mattle gemeinsam mit dem Bürgermeister von Imsterberg gelungen, die umstrittene Trassenführung zu stoppen. Ob die bevorzugte Tunnelvariante tatsächlich umgesetzt wird, ist derzeit offen – doch die Gemeinde bringt eine alternative Trassenführung ins Spiel, die zahlreiche Vorteile vereint.
15. Juli 2025 | von Harald Gstrein
Zweigleisigkeit durch Wohngebiet gestoppt<br />
Mit großer Beteiligung der Bevölkerung fand Mitte Mai eine Protestaktion gegen das umstrittene Projekt statt - auch der ORF berichtete darüber. Foto: Gstrein
Die unermüdlichen Bemühungen der Gemeinde Imsterberg, auf Landes- und Bundesebene gegen die ursprünglichen ÖBB-Pläne zur Zweigleisigkeit durch das Wohngebiet vorzugehen, zeigen nun Wirkung. Beim Gespräch am Dienstag zwischen Landeshauptmann Anton Mattle und dem Gemeindevorstand von Imsterberg wurde diesen bekannt gegeben, dass die umstrittene Trassenführung durch das Siedlungsgebiet gestoppt wurde. Wie vonseiten der ÖBB gegenüber dem Landeshauptmann zugesichert wurde, sollen nun Alternativvarianten für die Bahntrasse geprüft werden. Dabei sollen sowohl die Gemeinde als auch die Bevölkerung aktiv eingebunden werden. „Die bevorzugte Lösung bleibt weiterhin eine Tunnelführung“, betont Bürgermeister Richard Bartl, „doch es gibt noch eine weitere Variante, die wir nicht als unrealistische Alternative ins Auge fassen möchten.“ 
Kein stopp für Bahnhof Imst-Pitztal. Ein wesentlicher Auslöser für den Stopp der Zweigleisigkeit durch das Wohngebiet war eine unzulässige Stückelung im UVP-Verfahren (Umweltverträglichkeitsprüfung), welche von Bürgermeister Richard Bartl aufgezeigt wurde. Darüber hinaus wurde in der beim Bundesministerium eingereichten UVP-Erklärung der ÖBB lediglich die Notwendigkeit der Bauphasen 1 und 2 zum Umbau des Bahnhofs Imst und der Anpassung der bestehenden Infrastruktur von den ÖBB begründet. Die Bauphase 3, die die Zweigleisigkeit durch das Wohngebiet von Imsterberg betrifft, wurde darin jedoch als nicht notwendiger Bestandteil erachtet, was letztlich den rechtlichen Spielraum für ein Einschreiten des Landeshauptmanns ermöglichte. Wichtig ist dabei: Die nun gestoppte Bauphase 3 hat keine Auswirkungen auf den laufenden Ausbau des Bahnhofs Imst. Die Bauphasen 1 und 2 können wie geplant umgesetzt werden. Damit ist sichergestellt, dass der dringend benötigte Infrastrukturausbau für den Bahnhof Imst weiterläuft – unabhängig von der weiteren Entwicklung der Trassenführung in Richtung Imsterberg.

Trassenführung entlang des Inns. Neben der Tunnelvariante hält Bürgermeister Bartl vor allem eine Trassenführung entlang des Inns, auf der orografisch rechten Seite, bei vorausgesetzter Akzeptanz der Bevölkerung für sinnvoll und umsetzbar. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU erklärt er: „Diese Variante wäre schneller realisierbar, bringt zusätzliche Vorteile mit sich und wäre aus Sicht der Gemeinde grundsätzlich akzeptabel.“ Die neue Streckenführung bleibt vollständig auf der orografisch rechten Seite des Inns und beginnt unterhalb der TIWAG. Von dort wird sie in Richtung der Siedlung Erlenau, nördlich von dieser vorbeiführend, fortgesetzt. Kurz vor der Autobahnbrücke ist eine Bahnunterführung geplant, die das Gleis in Richtung des Gewerbegebietes (Lagerhalle Fa. Pfeifer) leitet. Ab hier verläuft die neue Trasse weiter entlang des Inns, wobei im Bereich des Schattenbergs eine Galerie notwendig wäre, um die Strecke sicher in das Gelände einzubetten. Ein entscheidender Vorteil dieser Variante ist, dass sie das empfindliche Gebiet in der Milser Au (Natura 2000) auf der gegenüberliegenden Innseite vollständig unberührt lässt – ein Punkt, der Bürgermeister Bartl besonders wichtig ist. Darüber hinaus ließe sich diese Trassenführung mit dem dringend notwendigen Hochwasserschutz entlang des Inns kombinieren. Zusätzlich könnte im Zuge der Maßnahmen auch eine Fuß- und Radwegbrücke über den Inn errichtet werden, die eine direkte Verbindung zum bestehenden Radwegenetz in Richtung Imst sowie nach Mils schaffen würde. Die Gemeinde zeigt sich vorsichtig optimistisch, dass mit der Abkehr von der ursprünglichen Planung ein erster, wichtiger Schritt in Richtung einer tragbaren Lösung für alle Beteiligten gelungen ist.

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