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Landeck | Chronik | 30. November 2020 | Daniel Haueis

Ohne heiße Spur

Ohne heiße Spur<br />
Auf www.oesterreichfindeteuch.at ist auch der Fall des Adrian Lukas aus Görlitz dokumentiert, der vor drei Jahren in St. Anton verschwunden ist. RS-Foto: Haueis
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In den letzten 40 Jahren sind acht Menschen aus dem Bezirk Landeck verschwunden geblieben

Immer wieder kommt es vor, dass Menschen spurlos verschwinden. In den letzten vier Jahrzehnten hat die Polizei in acht sogenannten Langzeitabgängigen-Fällen im Bezirk Landeck ermittelt.
Von Daniel Haueis

Der letzte Fall eines sogenannten Langzeitabgängigen aus dem Bezirk Landeck ist Adrian Lukas aus Görlitz in Deutschland. Der 35-Jährige war in St. Anton tätig, als er am 25. September 2017 um ca. 14 Uhr verschwunden ist. Er hat dunkelblonde Haare und ist 175 bis 180 cm groß. Er trug Arbeitskleidung, eine Latzhose in Grau, Jacke in Blau mit einem schwarzen Streifen auf der Vorderseite. Besonders macht den Fall, da er im Vorfeld SMS-Nachrichten an seinen Vater geschickt hat: „Die wollen mich umbringen“ oder „Ich weiß nicht, ob ich heute überleben werde“. Mittlerweile hat die Familie einen Rechtsanwalt eingeschaltet, der bei der Suche juristischen Beistand bietet. RA Claus Meffert aus Görlitz sagt: „Ich habe die Vermutung, dass Adrian Lukas durch Dritte getötet wurde, was sich angesichts der SMS-Mitteilungen aufdrängt. Adrian arbeitete bis zum Verschwinden als Montagehelfer auf einer österreichischen Baustelle und war gemeinsam mit seinem Chef aus Görlitz angereist, welcher wohl seit Jahren auch in der Region tätig ist. Auf der Baustelle arbeiteten auch Mitarbeiter anderer Firmen, möglicherweise erklärt sich hieraus die Todesangst vor ‘den Personen‘ (in einer der SMS-Mitteilungen wurde von ‘die‘ gesprochen).“ Und auch der Verein „Österreich findet euch“ (www.oesterreichfindet-euch.at – dort sind auch Fotos und Medienberichte über mehr als 20 Vermisstenfälle in Österreich abrufbar) hat sich des Falls angenommen. Heike Lampert, Sektionsleiterin des Vereins in Vorarlberg und Tirol, ist u.a. mit Adrian Lukas’ Vater in Kontakt und kümmert sich auch vor Ort, hat etwa den Waldaufseher um Aufmerksamkeit gebeten, falls z.B. die beschriebenen Kleidungsstücke gefunden würden. Die Sektionsleiterin aus Götzis sieht den Verein als „Vermittler zwischen Polizei und Angehörigen“.

„AKTENZEICHEN XY … UNGELÖST“. Ebenfalls noch abgängig ist Dita Dolezalova. In den Morgenstunden des 10. Jänner 2015 ist die damals 39-Jährige nach einem Zimmerbrand in Kappl spurlos verschwunden. Sie hat dunkelblonde Haare und ist 160 bis 180 cm groß. Es gibt keine besonderen Merkmale. Ein weiterer Fall in Tirol hat sich in Reutte zugetragen: Tabita Cirvele ist dort seit 2016 abgängig. Die damals 49 Jahre alte Frau wurde am 24. September dieses Jahres zuletzt gesehen. Sie hat blonde Haare und ist 152 cm groß, ebenfalls keine besonderen Merkmale. Ihr Fall wurde bereits in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ neu aufgerollt. Das soll auch im Fall von Adrian Lukas geschehen. „Das ZDF hat soeben mitgeteilt, einen öffentlichen Fahndungsaufruf verlautbaren zu wollen, worüber wir uns weitere Hintergrund-Informationen über die Kontakte des Verschwundenen zum damaligen Zeitpunkt und mögliche Hinweise über seinen Verbleib versprechen“, sagt Rechtsanwalt Meffert. Auch das Landespolizeikommando Tirol setzt darauf Hoffnungen: „Ein Beitrag in ‚Aktenzeichen XY‘ bietet aufgrund der großen Reichweite des TV-Publikums für die Polizei immer die Möglichkeit, dass entsprechende Hinweise aus der Bevölkerung einlangen und sich dadurch neue Ermittlungsansätze ergeben“, sagt Oberst Manfred Dummer.

ACHT LANGZEITABGÄNGIGE. Aus dem Bezirk Landeck gelten allein seit dem Jahr 1980 acht Menschen als langzeitabgängig. Die Hoffnung geben nicht nur die Angehörigen nicht auf, auch „Österreich findet euch“ arbeitet an der Aufklärung dieser Vermisstenfälle. Und natürlich die Polizei – über die Fälle Adrian Lukas und Dita Dolezalova sagt Dummer: „Bei beiden Abgängigen handelt es sich um sogenannte Langzeitabgängige, bei denen jedem Hinweis, der dazu eingeht, akribisch nachgegangen wird. Es besteht jederzeit die Möglichkeit – auch noch nach vielen Jahren –, dass ein entsprechender Hinweis oder eine Information eingeht, die zur Klärung des Sachverhaltes führen kann.“ Derzeit gibt’s allerdings in beiden besagten Abgängigkeitsfällen keine konkreten Hinweise bzw. „heiße“ Spur. Hinweise zu den Abgängigen nimmt das Landeskriminalamt Tirol unter 05913370-3333 entgegen. Betroffene Angehörige können auf www.oesterreichfindeteuch.at u.a. ein Vermisstenprofil erstellen.


 
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