„In der goldenen Kügel“
Peter Linser
24. August 2026
Pfarrkirche Grän.Foto: TLM Ferdinandeum
„In der goldenen Kügel“. Bei gründlichen Kirchenrenovierungen werden in der Turmkugel besondere Ereignisse und Lebensumstände der jeweiligen Zeit festgehalten. Das älteste Dokument in der Turmkugel der Pfarrkirche in Grän stammt von „Johann Rief, erster Benefiziat dahier“ und wurde von ihm am 7. August 1816 verfasst. Langen Ausführungen über den Kirchenbau folgen Alltagssorgen: „Wir hatten drei schreckliche Missjahre – Schnee und Frost verdarben alles, öfters und immer vor der Zeit musste man aus den Alpen fahren – 1815 wurde das Vieh und Ross schrecklich teuer. 1816 wurde das Getreide, die Frucht sehr teuer. Der Roggen gegen 5 Gulden und das Korn gegen 6 Gulden. […] So teuer und gar kein Verdienst macht es, dass bereits fast in der ganzen Pfarre kein Brot und kein Mehl anzutreffen ist. Man nährte sich mit Milch und Zieger und Kräutern. Heuer ist es noch am fürchterlichsten. Es ist der 7. August und ist bereits noch nichts als die „Bainden“ eingeheuet. Die gute Gerste fängt hin und wieder zu sprießen an und Kornhalm ist noch keiner zu sehen. Gott sei uns gnädig. Am 13. Juni am Feste Corporis Christi (Fronleichnam) schlug das Wetter in die Kirche und Turmkugel, die dann gedeckt werden musste. Bei dieser Gelegenheit ließ ich Turmknopf und Kreuz in Oberdorf um 22 Gulden vergolden. Johann Wieser in Haldensee war Werkmeister. Je größer die Straf, je drückender die Not, desto boshafter, ausgeschämter und gottloser die Leute. Randbemerkung: Ein kleiner Eimer Mus-Mehl mit halb Grisch und Nachmehl gemischt kostete 3 Gulden. Kein Bäcker backet mehr Brot. Man kauft das Brot im Ausland, wenn sie es bekommen. Doch ist die Hoffart ohne Brot so groß, dass man nicht mehr weiß, wie man sich kleiden soll. Dieser geht russisch, jener tirolerisch, die Weibsbilder gar ausgeschämt. Gott sei gnädig! (Quelle: Niederschrift v. Expositus Albert Schedler).“




