Artikel teilen
Artikel teilen >

Lieber reparieren, statt wegwerfen

Die Reparaturkultur in Tirol ist groß: Die RUNDSCHAU sprach dazu mit Thomas Garber vom Tiroler Bildungsforum

Ein defekter Toaster, eine Lieblingshose mit Löchern oder die kaputte Nähmaschine der Oma: Reparieren statt wegwerfen lautet das Motto in den tirolweiten Repair Cafés. Und das seit gut zehn Jahren funktionierende Konzept kommt sehr gut an. Die Reparaturkultur in Tirol ist groß: Bis Ende 2024 fanden 490 Repair Cafés in 73 Tiroler Gemeinden mit 20.000 Reparaturen und über 36.000 Besucher statt. Die RUNDSCHAU sprach mit Thomas Garber vom Tiroler Bildungsforum über die Entstehung des Projekts auf Tiroler Boden, welcher Gedanke dahinter steckt und das nächste Repair Café in Zirl.

21. Jänner 2025
Lieber reparieren, statt wegwerfen
Reparieren, statt wegwerfen: Gemeinsam werden bei den Repair Cafés Gegenstände begutachtet und repariert. Foto: Kresser Fotografie
RUNDSCHAU: Seit wann gibt es die Repair Cafés?
Thomas Garber: Am Freitag, dem 18. Oktober 2009, fand das erste Repair Café in Amsterdam statt, als Initiative der damals als Journalistin tätigen Martine Postma. Sie fand es schade, dass wir so viele Dinge wegwerfen, die noch einfach zu reparieren sind. Martine wollte eine Alternative anbieten: einen geselligen Ort in der Nachbarschaft, wo du deinen kaputten Gegenstand reparieren kannst, gemeinsam mit Freiwilligen, die sich damit auskennen. Das wurde das Repair Café. Das niederländische Erfolgsmodell wurde in Tirol erstmals am 8. März 2014 umgesetzt.

RS: Wie kam es zur Entstehung dieses Projekts auf Tiroler Boden?
Garber: Michaela Brötz suchte für die Erwachsenenschule Pill ein neues Format. Die seit Jahrzehnten aktive Um(welt)denkerin entdeckte das niederländische Repair Café und nahm es in das Programm der Erwachsenenschule auf. 80 Reparaturinteressierte strömten nach Pill und die Erfolgsgeschichte in Tirol begann. Ein großes Danke gilt schlussendlich allen Gastgebern, Experten und Mithelfenden bei allen Repair Cafés, die ehrenamtlich mit dabei sind und ihre Zeit und Wissen mit anderen teilen und somit Hilfe zur Selbsthilfe möglich machen.

RS: Das Konzept kommt sehr gut an. Bis Ende 2024 fanden 490 Repair Cafés in 73 Tiroler Gemeinden mit 20.000 Reparaturen und über 36.000  Besuchern statt. Die Reparaturkultur in Tirol ist groß. Warum wollen die Menschen deiner Meinung nach lieber reparieren, statt wegwerfen?
Garber: Vielen geht es natürlich um den ökologischen Gedanken, das Thema Nachhaltigkeit spielt für immer mehr Menschen eine zunehmendere Rolle. Viele wollen somit ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen. Der finanzielle Gedanke spielt auch für einige eine Rolle und oft werden beim Repair Café Lieblingsstücke repariert, die man einfach nicht wegwerfen mag und versucht gemeinsam zu reparieren. Daneben gibt es auch noch den sozialen Charakter bei den Repair Cafés. Es bietet die Möglichkeit andere Personen aus dem Dorf und der Region zu treffen und ins Gespräch zu kommen.

RS: Was können die Besucher zur Reparatur bringen? Also, gibt es eine Grenze an Reparaturen?
Garber: Angenommen wird alles, was leicht transportiert werden kann. Angefangen von den üblichen Haushaltsgeräten, elektrischen Geräten bis Spielzeug, Textilien, Fahrräder und Kleinmöbel. Bei einigen Repair Cafés gibt es auch Zusatzangebote, wie in Zirl den Messerschleifer oder die Möglichkeit kleine Reparaturen an Büchern durchführen zu können. Bei großem Andrang kann es sein, dass man nur eine Reparatur durchführen kann. Sollte man schon wissen, welches Ersatzteil notwendig ist, ist es am Besten dieses gleich mitzubringen, da es nicht möglich ist, ein Ersatzteillager vor Ort bei allen Repair Cafés zu haben.

RS: An wen können sich Menschen wenden, wenn sie mithelfen und als Expertin oder Experte unterstützen möchten?
Garber: Sie können sich an die gastgebende Organisation wenden, diese werden in den Aussendungen immer angeführt. Die Organisation ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Oder sie wenden sich an die Servicestelle Repair Cafés unter: repaircafes@tsn.at (www.repaircafe-tirol.at)

RS: Das nächste Repair Café findet in der Gemeinde Zirl statt. Was kann man hier erwarten?
Garber: Es wird einen Flohmarkt in Kooperation mit dem Eltern-Kind-Zentrum geben. Speziell in Zirl gibt es die Möglichkeit, kleinere Reparaturen bei Büchern durchzuführen und die Bastelecke mit Recycling-Basteln für Kinder. Ebenfalls kann man sich Hilfe bei Problemen mit dem Handy bzw. Smartphone an der „ErklärBar“ holen und Messer schärfen. Das Repair Café in Zirl findet in Kooperation der Erwachsenenschule Zirl und dem Verein „Perspektiven für Kinder“, der auch einen Verkaufsstand vor Ort hat, statt.

RS: Vielen Dank für das Gespräch!
Lieber reparieren, statt wegwerfen
Letztes Jahr besuchte LR Zumtobel das Repair Café in Zirl. Peter Berger und Johanna Neges (Verein Perspektive für Kinder), Maria Schneider (Erwachsenenschule Zirl), Elisabeth Fuchs (Verein Perspektive für Kinder), Lukas Kaufmann (Vize-Bgm. Zirl), LR René Zumtobel und Thomas Garber (Tiroler Bildungsforum) (v.l.). Foto: Land Tirol/ Feuersinger

Aktuelle Artikel

Kommentare

0 Posts
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.