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Frauenpower im Bundeskanzleramt

Anja Brugg und Susanne Vrhovac im Porträt

Wer den Security-Check des Bundeskanzleramts passiert, über die Feststiege schreitet und durch den ehrwürdigen Leopold-Figl-Saal flaniert, hat gute Chancen, der österreichischen Politspitze in die Arme zu laufen. Im Herzen der Republik – dort, wo Bundeskanzler Christian Stocker, Ministerin Claudia Plakolm und Staatssekretär Alexander Pröll agieren – wirken zwei Frauen aus dem Tiroler Oberland: Anja Brugg und Susanne Vrhovac. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU erzählen sie von politischen Alltagen, außergewöhnlichen Begegnungen und warum es daheim dann doch am schönsten ist.

18. Dezember 2025
Frauenpower im Bundeskanzleramt<br />
Im Leopold-Figl-Saal des Bundeskanzleramts: Anja Brugg (l.) und Susanne Vrhovac (r.).
RS-Foto: Hofer
Zu Beginn unseres Gesprächs erinnern sich beide mit leuchtenden Augen an ihre Kindheit. Susanne Vrhovac, aufgewachsen in Längenfeld, erzählt von der prägenden Vorbildfunktion ihrer Mutter, die in den 1980er-Jahren von Bosnien ins Ötztal kam: „Meine Mama hat Tag und Nacht im Tourismus gearbeitet – mit der Überzeugung, dass man mit Fleiß alles erreichen kann. Ihr war wichtig, dass ich integriert bin und mich anstrenge.“ Nach der Matura an der Tourismusschule und zwei Jahren Berufserfahrung in einem Hotel in Sölden entschied sie sich für ein Jusstudium. Über die Jugendorganisation der Tiroler Volkspartei führte ihr Weg nach Wien, wo sie ein Verwaltungspraktikum im Innenministerium absolvierte. Dieses legte den Grundstein für den Einstieg in das Kabinett – im Jänner 2020 unter dem damaligen Innenminister Karl Nehammer. Auch Anja Brugg schwärmt von ihrer Herkunft: „Wildermieming – das Tiroler Oberland überhaupt – ist für mich der schönste Ort zum Aufwachsen.“ Seit sie in Wien arbeitet, wächst die Wertschätzung für das Vertraute: die Berge, die klare Luft, das unvergleichliche Heimkehrgefühl. Wann immer es die Arbeit erlaubt, pendelt sie nach Tirol. Ihre Verwurzelung in Familie, Freundeskreis, Vereinsleben und Gemeindepolitik holt sie fast jedes Wochenende in die Heimat zurück. Während ihres Masterstudiums nahm sie an einem Mentoring-Programm des Wirtschaftsbunds Tirol teil. Dort lernte sie den damaligen Bundesgeschäftsführer der Volkspartei und heutigen Staatssekretär Alexander Pröll kennen, der sie ermutigte, sich nach der Masterprüfung bei der Bundespartei zu bewerben. 2023 und 2024 arbeitete sie intensiv im Wahlkampfjahr mit, wo sie erstmals auf den damaligen Generalsekretär Christian Stocker traf. Als dieser zum Parteiobmann und später zum Bundeskanzler bestellt wurde, wechselte sie ins Bundeskanzleramt. 

Berufsalltag im BKA. Susanne Vrhovac verantwortet die Themen Asyl, Migration und Integration. Ihr Tag beginnt mit Kaffee und dem Morgenjournal – „um auf dem neuesten Stand zu bleiben“. Danach geht es um die Umsetzung konkreter Projekte: „Ich verhandle Gesetzestexte mit den Koalitionspartnern – das ist mein Schwerpunkt.“ Sie empfindet ihre Tätigkeit als Privileg: „In so jungen Jahren der Republik dienen zu dürfen, mitgestalten zu können – das ist für mich eine große Ehre.“ Anja Brugg betreut die sogenannten Bundesländertage des Kanzlers. „Diese Tage beginnen sehr früh und enden spät – gefüllt mit einer Vielzahl unterschiedlicher Termine“, erklärt sie. Planung, Organisation und Kommunikation mit zahlreichen Schnittstellen gehören zu ihren Aufgaben. Besonders schätzt sie die Abwechslung: „Man trifft so viele unterschiedliche, tolle Menschen, erhält Einblicke in Unternehmen und Prozesse – das ist unglaublich spannend und eine sehr große Ehre.“ Die Zusammenarbeit mit Bundeskanzler Christian Stocker beschreiben sie als „professionell und souverän, dabei stets herzlich, nahbar und von großer Wertschätzung geprägt – ein Chef, wie man ihn sich nur wünschen kann“. 

Von Merz bis Erdogan. Wenig verwunderlich: Über die Jahre in den politischen Büros haben sich zahlreiche Anekdoten angesammelt. Anja Brugg beschreibt die Angelobung von Christian Stocker zum Bundeskanzler, den sie noch als Generalsekretär kennenlernte, als „einen Moment, den ich nie vergessen werde“. Susanne Vrhovac erinnert sich an die Migrationskonferenz mit Viktor Orbán, Aleksandar Vučić und Karl Nehammer – ebenso wie an eine Dienstreise in die Türkei, bei der sie Präsident Erdogan persönlich traf. Auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz taucht in den Anekdoten der beiden auf – etwa bei seinem Treffen mit Bundeskanzler Christian Stocker, bei welchem auch die Gattinnen anwesend waren. Die Gespräche entwickelten sich rasch zu einem lebhaften und ausgesprochen humorvollen Austausch, der deutlich machte, wie gut die persönliche Ebene zwischen den Beteiligten funktionierte. Und dann gibt es noch das legendäre Delegationsessen mit dem serbischen Außenminister, der zu serbischen Ständchen ansetzte. Beide resümieren: Spitzenpolitiker erscheinen oft entmenschlicht – doch im persönlichen Kontakt zeigen sie sich nahbarer, als viele vermuten würden.

„Dahoam is dahoam“. „Wenn ich nach Hause komme, schaue ich zuerst durch unser Küchenfenster auf den Lehner Wasserfall“, erzählt Susanne Vrhovac lächelnd. „Und wenn es dann noch Tiroler Käse und Speck gibt – dann ist das Heimatgefühl perfekt.“ Gemeinsam mit ihrer Mutter betreibt sie in Längenfeld ein Apartmenthaus, wo sie jedes zweite Wochenende vor Ort mithilft. Auch bei Anja Brugg sind die heimischen Wochenenden fest verplant: Zeit mit ihren Eltern, ihrer Oma und mit ihren Freunden, Spielnachmittage mit dem Patenkind, Gemeinderatssitzungen, Vereinsverpflichtungen und Veranstaltungen im Dorf – „alles eng getaktet“, sagt sie. „Aber wenn ich in Wildermieming aussteige, hole ich zuerst einmal tief Luft und genieße das Gefühl des Heimkommens – dann warten schon meine Mama oder Oma mit einem herrlichen Essen auf mich.“ Ihr Fazit: „Dahoam is halt dahoam.“

Von Tirol nach Wien – und wieder zurück? Auf die Frage nach zukünftigen Zielen zögert Susanne Vrhovac nicht: „Ich möchte irgendwann mein Doktorat in Jus absolvieren – an der Universität Innsbruck. Der Magister dort hat mir große Freude gemacht.“ Derzeit lasse sich das mit der Arbeit nicht vereinbaren, „aber irgendwann ist es dran“. Anja Brugg sagt: „Ich liebe meinen Job und bin privat sehr glücklich. Ich genieße die Zeit in Wien – aber langfristig sehe ich mich wieder in Wildermieming.“ Für Anja Brugg bleibt eines zentral: die Unterstützung ihrer Familie. Sie betont, wie dankbar sie ihren Eltern und ihrem Partner für ihren Rückhalt ist – und dass „Zuhause doch immer am schönsten“ bleibt. Und sieht man die beiden zwischen Interview und Verabschiedung noch kurz mit Minister und Kabinettschef plaudern, ahnt man: Wohin ihre Wege auch führen – sie gehen sie mit jener Authentizität und Leichtigkeit, die Türen öffnet und Menschen verbindet.

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