„Katastrophe für die Silzer Anrainer“
Der Gemeinderatsbeschluss gegen den Lärmschutz sorgt für Empörung
Viele Züge rollen durch Silz – Tag für Tag, Nacht für Nacht. Ihr Dröhnen ist längst zur störenden Alltagskulisse geworden. Seit 1988 fordern Anrainer entlang der Bahnlinie eine Lärmschutzwand – bislang vergeblich. Auch dieses Mal bleibt der erhoffte Schutz aus: Der Silzer Gemeinderat hat jüngst in geheimer Abstimmung mit 9:6 Stimmen gegen das Projekt votiert.
22. April 2025
Ein ÖBB-Zug rauscht durch den Bahnhof Silz – einer von vielen, die täglich das Ortszentrum durchqueren. Foto: Hofer
Nächster Halt, next stop: Lärmschutzwand – oder? Die Fakten sprechen eine klare Sprache. Laut einer im Vorfeld präsentierten Schallstudie der ÖBB überschreiten die Lärmemissionen im Ortsgebiet von Silz im Tagesmittel die zulässigen Grenzwerte um durchschnittlich 15 Dezibel. Ein Wert, der laut Umweltmedizin als gesundheitsgefährdend einzustufen ist – insbesondere bei dauerhafter Belastung. Rund 180 Züge rauschen täglich durch das Oberinntal, viele mit bis zu 160 km/h direkt durch das Siedlungsgebiet. Die Finanzierung schien gesichert: 50 Prozent der Kosten wollte die ÖBB übernehmen, je 25 Prozent das Land Tirol und die Gemeinde. Doch das Projekt scheitert nun. Im Gemeinderat dominierte die Sorge um die Wirkung der Wand auf das Ortsbild. „Die Optik, die Höhe, das Gefühl, dass das Dorf geteilt wird – das waren die Hauptargumente der Gegner“, erklärt Bürgermeister Helmut Dablander im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Auf die Frage, wie er selbst abgestimmt habe, entgegnet Dablander: „Die Abstimmung wurde aufgrund der starken Polarisierung bewusst anonym durchgeführt.“ Persönlich habe er Verständnis für beide Seiten.
KLARE POSITIONEN. Für viele Bürgerinnen, die sich seit Jahrzehnten für Lärmschutz einsetzen, ist die Ablehnung des Projekts ein herber Rückschlag, und auch auf Landesebene sorgt das Ergebnis für Unverständnis. Markus Sint, Klub-obmann der Liste Fritz und Landtagsabgeordneter, findet im Gespräch mit der RUNDSCHAU deutliche Worte: „Es ist eine Katastrophe für die Anrainer. Die Gesundheitsbelastung ist eindeutig dokumentiert. Und trotzdem ignoriert der Gemeinderat diese Fakten – das ist eine bodenlose Frechheit.“ Sint begleitet das Thema seit Jahren, war mehrfach vor Ort und brachte dazu schon Anträge im Landtag ein. Die Gegenargumente aus dem Gemeinderat lässt Sint nicht gelten. „Die Gleise trennen das Dorf – nicht die Lärmschutzwand. Dass die Wand hässlich sei, ist schlicht vorgeschoben. Es gab eine gestalterisch ausgearbeitete Visualisierung, finanziert von ÖBB und Land.“ Auch die oft wiederholte Behauptung, dass die Wand in der zweiten Häuserreihe nichts bringe, sei durch die Expertise eines Physikers vor Ort längst widerlegt worden. Trotz der Enttäuschung will Sint nicht locker lassen: „Es geht um Haus und Hof, um Gesundheit und Lebensqualität. Lärm macht krank – das ist längst erwiesen. Deshalb können wir jetzt nicht einfach aufgeben.“
VIEL VERSTÄNDNIS, WENIG LÖSUNGEN. Bürgermeister Helmut Dablander sieht die Verantwortung für das Scheitern des Projekts in erster Linie bei der ÖBB. „Es gab keine Bereitschaft, über Alternativen zu sprechen – weder über andere Materialien noch über niedrigere Bauweisen.“ Dass viele im Ort die geplante Wand als zu massiv empfinden, sei ein ernstzunehmendes Argument. „Ich habe Verständnis für beide Lager – für jene, die dringend Lärmschutz wollen, genauso wie für jene, die sagen: Diese Betonmauer teilt unser Dorf.“ Für Dablander ist es nicht nur die Mauer selbst, sondern die Debatte darüber, die zu einer Spaltung geführt habe – in der Gemeinde ebenso wie in der Bevölkerung. „Wir waren früher schon einmal bei 15:0 dagegen. Dieses Thema schwirrt nun seit über 30 Jahren durch die Gegend. Es gibt viele Befürworter, aber eben auch viele Gegner – und ich verstehe beide Seiten.“ Auf die Nachfrage der RUNDSCHAU, ob es vonseiten der Gemeinde konkrete Kompromissvorschläge gegeben habe, bleibt er vage. Die Verantwortung liege weiterhin bei der Bahn: „Die ÖBB ist in dieser Frage zu stur. Sie lassen nicht mit sich sprechen, schicken Vertreter, die keine Entscheidungen treffen können – es kommt einfach zu keiner Annäherung.“ Eine Hoffnung habe er dennoch: „Vielleicht bewegt sich etwas, wenn der öffentliche Druck weiter steigt.“
APROPOS ÖFFENTLICHER DRUCK. Landespolitiker Markus Sint fordert den Landeshauptmann Anton Mattle zum Handeln auf: „Ich habe ihn persönlich gebeten, mit dem Bürgermeister zu reden. Wenn sich in einer Gemeinde keine sachorientierte Entscheidung durchsetzen lässt, dann muss die Landespolitik klar Position beziehen.“ Auch SPÖ-Bundesrat Daniel Schmid, selbst Lokführer, kritisiert die Entscheidung: „Verkehrsverlagerung auf die Schiene ist wichtig – aber sie braucht begleitende Schutzmaßnahmen. Alles andere ist unredlich.“ Für Sint geht es längst um mehr als ein einzelnes Projekt: „Wenn die Landesregierung im Oberland zweigleisig ausbauen will, dann dürfen wir die betroffenen Menschen nicht im Stich lassen.“
AM ABSTELLGLEIS. Besonders bitter: Silz ist längst zur Ausnahme geworden. Während andere Gemeinden entlang der Bahnlinie – etwa im nahen Oberhofen – auf Lärmschutz setzen, bleibt Silz ungeschützt. Und das in einer Zeit, in der die Bahn als Rückgrat der klimafreundlichen Mobilität gilt.
KLARE POSITIONEN. Für viele Bürgerinnen, die sich seit Jahrzehnten für Lärmschutz einsetzen, ist die Ablehnung des Projekts ein herber Rückschlag, und auch auf Landesebene sorgt das Ergebnis für Unverständnis. Markus Sint, Klub-obmann der Liste Fritz und Landtagsabgeordneter, findet im Gespräch mit der RUNDSCHAU deutliche Worte: „Es ist eine Katastrophe für die Anrainer. Die Gesundheitsbelastung ist eindeutig dokumentiert. Und trotzdem ignoriert der Gemeinderat diese Fakten – das ist eine bodenlose Frechheit.“ Sint begleitet das Thema seit Jahren, war mehrfach vor Ort und brachte dazu schon Anträge im Landtag ein. Die Gegenargumente aus dem Gemeinderat lässt Sint nicht gelten. „Die Gleise trennen das Dorf – nicht die Lärmschutzwand. Dass die Wand hässlich sei, ist schlicht vorgeschoben. Es gab eine gestalterisch ausgearbeitete Visualisierung, finanziert von ÖBB und Land.“ Auch die oft wiederholte Behauptung, dass die Wand in der zweiten Häuserreihe nichts bringe, sei durch die Expertise eines Physikers vor Ort längst widerlegt worden. Trotz der Enttäuschung will Sint nicht locker lassen: „Es geht um Haus und Hof, um Gesundheit und Lebensqualität. Lärm macht krank – das ist längst erwiesen. Deshalb können wir jetzt nicht einfach aufgeben.“
VIEL VERSTÄNDNIS, WENIG LÖSUNGEN. Bürgermeister Helmut Dablander sieht die Verantwortung für das Scheitern des Projekts in erster Linie bei der ÖBB. „Es gab keine Bereitschaft, über Alternativen zu sprechen – weder über andere Materialien noch über niedrigere Bauweisen.“ Dass viele im Ort die geplante Wand als zu massiv empfinden, sei ein ernstzunehmendes Argument. „Ich habe Verständnis für beide Lager – für jene, die dringend Lärmschutz wollen, genauso wie für jene, die sagen: Diese Betonmauer teilt unser Dorf.“ Für Dablander ist es nicht nur die Mauer selbst, sondern die Debatte darüber, die zu einer Spaltung geführt habe – in der Gemeinde ebenso wie in der Bevölkerung. „Wir waren früher schon einmal bei 15:0 dagegen. Dieses Thema schwirrt nun seit über 30 Jahren durch die Gegend. Es gibt viele Befürworter, aber eben auch viele Gegner – und ich verstehe beide Seiten.“ Auf die Nachfrage der RUNDSCHAU, ob es vonseiten der Gemeinde konkrete Kompromissvorschläge gegeben habe, bleibt er vage. Die Verantwortung liege weiterhin bei der Bahn: „Die ÖBB ist in dieser Frage zu stur. Sie lassen nicht mit sich sprechen, schicken Vertreter, die keine Entscheidungen treffen können – es kommt einfach zu keiner Annäherung.“ Eine Hoffnung habe er dennoch: „Vielleicht bewegt sich etwas, wenn der öffentliche Druck weiter steigt.“
APROPOS ÖFFENTLICHER DRUCK. Landespolitiker Markus Sint fordert den Landeshauptmann Anton Mattle zum Handeln auf: „Ich habe ihn persönlich gebeten, mit dem Bürgermeister zu reden. Wenn sich in einer Gemeinde keine sachorientierte Entscheidung durchsetzen lässt, dann muss die Landespolitik klar Position beziehen.“ Auch SPÖ-Bundesrat Daniel Schmid, selbst Lokführer, kritisiert die Entscheidung: „Verkehrsverlagerung auf die Schiene ist wichtig – aber sie braucht begleitende Schutzmaßnahmen. Alles andere ist unredlich.“ Für Sint geht es längst um mehr als ein einzelnes Projekt: „Wenn die Landesregierung im Oberland zweigleisig ausbauen will, dann dürfen wir die betroffenen Menschen nicht im Stich lassen.“
AM ABSTELLGLEIS. Besonders bitter: Silz ist längst zur Ausnahme geworden. Während andere Gemeinden entlang der Bahnlinie – etwa im nahen Oberhofen – auf Lärmschutz setzen, bleibt Silz ungeschützt. Und das in einer Zeit, in der die Bahn als Rückgrat der klimafreundlichen Mobilität gilt.





