Artikel teilen
Artikel teilen >

Tausend tanzende Laternen

Naturpädagogin Barbara Uhl im Gespräch über ihr erstes Buch

Barbara Uhl empfängt mich – wie könnte es anders sein – in ihrem zauberhaften Garten in Mieming. An einem prachtvollen Herbsttag, an dem die letzten Sonnenstrahlen wie vergessene Sommerfäden ihre Pflanzen, Sträucher und Gartenwiese in warmes Gold tauchen, entspinnt sich ein Gespräch über den Entstehungsprozess ihres Buches, ihre lebendige Social-Media-Community und die unerschöpfliche Kraft der Natur.

23. Oktober 2025
Tausend tanzende Laternen
Naturpädagogin Barbara Uhl lebt, was sie lehrt: In der Natur findet sie Inspiration, Ruhe und Kraft.
Barbara, du bist Naturpädagogin, Naturführerin, Bergwanderführerin sowie Bike- und Touring-Guide – kurzum: Du lebst und arbeitest mit und in der Natur. Was hat dich ursprünglich zu dieser Berufung geführt? 
Früher war ich in ganz anderen Bereichen tätig: Zuerst auf einem Kreuzfahrtschiff, dann in der Fliegerei und später im Reisebüro. Als ich Kinder bekam, wurde mir klar, dass ständiges Weltenbummeln keine Option mehr ist. Also fragte ich mich: Was tue ich wirklich von Herzen gern? Die Antwort war eindeutig – Bewegung und Natur. Den Anfang nahm alles mit der Ausbildung zur Bike-Guidein, es folgten jene zur Bergwanderführerin, Naturführerin – und schließlich zur Naturpädagogin.

Mit mehr als 150.000 Followern auf Instagram erreichst du mittlerweile eine riesige Community. Wie kam es dazu, dass du deine Leidenschaft für die Natur auch in den digitalen Raum getragen hast?
Vor den mehrtägigen Natur-Retreats hatte ich Waldbaden und kleine Naturprogramme angeboten. Die Teilnehmer kamen nach drei Stunden zurück und fragten: „Und wie geht’s jetzt weiter?“ Während der Corona-Pandemie dachte ich: Das braucht mehr Tiefenwirkung – mit abrufbaren Tipps und Anleitung nach den Einheiten. Man riet mir, eine Homepage zu erstellen oder auf Social Media aktiv zu werden. Schließlich meldete mich meine Tochter auf Instagram an – nach etwas Überredung, denn anfangs fand sie das ziemlich peinlich (lacht). Ich wusste damals nicht einmal, was Stories oder Reels sind, also belegte ich einen Kurs und lernte die Grundlagen. Es fing erst an zu laufen, als ich begann, so in die Kamera zu sprechen, wie ich es auch vor meinen Gästen tue. Ich hörte auf, mich sprachlich zu verstellen – und die ersten Videos erzielten über 100.000 Aufrufe.

Wie nimmst du den Austausch mit deiner Community wahr?
Der Austausch mit meiner Community ist mir unglaublich wichtig. Ich beantworte wirklich jede Nachricht – manchmal sind das bis zu 300 am Tag. Aber wenn sich jemand die Mühe macht, mir zu schreiben, bekommt er auch eine Antwort. Das war mir von Anfang an wichtig. Bei einem Retreat war vor Kurzem eine Frau dabei, mit der ich seit zwei Jahren fast täglich über Instagram schreibe. Wir hatten uns zuvor nie gesehen und doch so viel Herzlichkeit geteilt. Solche Begegnungen berühren mich immer wieder.

Am 1. Oktober ist dein erstes Buch „Tausend tanzende Laternen“ erschienen. Darin schreibst du von der Heilkraft der Natur, von Begegnungen, Ritualen und Emotionen. Gleich zu Beginn erzählst du, in welchem Moment die Idee für das Buch entstanden ist. Von dieser ersten Eingebung bis hin zur konkreten Schreibarbeit – wie hast du den Entstehungsprozess erlebt?
Schon lange hatte ich das Gefühl, dass die Geschichten, die ich draußen erlebe, zu wertvoll sind, um sie für mich zu behalten. Oft verändert sich bei Menschen in nur wenigen Stunden so viel – Entscheidungen werden klar, es entstehen Aha-Momente. Das wirkt fast wie Zauberei, ist es aber nicht. Der Verlag wurde über Instagram auf mich aufmerksam. Ich sagte zu – typisch ich: schneller zugesagt, als zu Ende gedacht – und wusste dann, dass ich liefern musste. Beim Schreiben merkte ich, wie gut es mir tat. Ich tauchte richtig ab – so wie beim Tourengehen oder beim stillen Arbeiten im Freien.
Hast du beim Schreiben auch etwas Neues über dich selbst gelernt?
Dass ich mehrere Stunden sitzen kann (schmunzelt) – und dass es mir guttut. Zwei bis drei Stunden konzentriert an einem Text zu arbeiten und danach erfüllt aufzustehen, war für mich eine schöne neue Erfahrung.

Dein Buch ist nun seit zwei Wochen auf dem Markt. Wie haben die ersten Leserinnen und Leser reagiert?
Am Veröffentlichungstag durfte ich in der Tyrolia Innsbruck die vorbestellten Exemplare signieren. Ich kam hinein, ohne zu wissen, ob da fünf, zehn oder vielleicht gar keine Exemplare warten – und da türmte sich ein großer Stapel Bücher. Das hat mich zu Tränen gerührt. Die Rückmeldungen sind sehr emotional: Viele finden im Buch genau jene Geschichte, die ihr eigenes Leben berührt. Eine Frau, die ihr Kind verloren hat, rief mich an – sie will ein Feuerritual ausprobieren, von dem ich erzähle. Solche Momente sind sehr bewegend.

Im ersten Kapitel erzählst du von einem magischen Moment im Mieminger Wald, als dich und eine Gruppe Kinder plötzlich tausend Glühwürmchen umtanzen. An anderer Stelle beschreibst du, wie ihr gemeinsam Naturmandalas auf einer Almwiese legt. Beim Lesen dieser Passagen stellte sich mir eine Frage zu deinem Berufsalltag: Hast du den schönsten Job der Welt?
Absolut. Und eigentlich ist es kein „Job“ – es ist meine Leidenschaft. Auch in meiner Freizeit mache ich dasselbe: Ich bewege mich und bin draußen. Selbst beim „Garteln“ beobachte ich aufmerksam, welche Insekten unterwegs sind. Am schönsten ist es für mich, Menschen zu begleiten und zu sehen, wie sich in nur wenigen Stunden etwas in ihnen löst. Bei Retreats erleben viele, wie sie mit etwas Abstand ihr Leben von außen betrachten, neue Perspektiven gewinnen und Entscheidungen treffen. Das erfüllt mich jedes Mal aufs Neue.

Wenn du unseren Leserinnen und Lesern eine Empfehlung geben könntest, um ihre Verbindung zur Natur zu stärken oder wiederzufinden – außerhalb der Empfehlung, dein Buch zu lesen (augenzwinkernd) – welche wäre das?
So einfach wie wirkungsvoll: jeden Tag kurz hinausgehen. Einmal ums Haus – notfalls frühmorgens oder spätabends. Bevor man sich auf die Couch setzt und die Nachrichten einschaltet, lieber noch eine Runde nach draußen. Das tut unglaublich gut. Und wir haben das große Glück, dass es hier leicht möglich ist.

Und abschließend – Was war für dich persönlich das schönste Geschenk, das dir die Natur gemacht hat?
Ich habe gelernt, mit echter Freude ins Leben zurückzufinden. Unser kleiner Sohn ist gestorben, da war er vier Jahre alt. Das war eine sehr schwere Zeit – es fühlte sich an, als würde es einem die Kehle zuschnüren. Und doch durften wir bis zum Schluss viele schöne Tage in der Natur erleben. Auch danach, als er nicht mehr da war, hat mir das tägliche Hinausgehen geholfen. Am Ende jedes Tages war wieder etwas Schönes im Herzen. So bin ich Schritt für Schritt dorthin zurückgekehrt, wo ich heute bin.

Anmerkung: Am 11. Dezember 2025 um 18 Uhr lädt das Greenvieh im Rahmen von „Schwarz Stays“ zu „MUT BEGINNT IM HERZEN“ ein – einem Vortrag mit Lesung ausgewählter Geschichten aus dem Buch.

 
Tausend tanzende Laternen
„Tausend tanzende Laternen“ – Barbara Uhls neues Buch über die Heilkraft der Natur.

Aktuelle Artikel

Kommentare

0 Posts
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.