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„Weidezone Tirol“-Chef will Taten, nicht Worte

Stefan Brugger kritisiert Studie der BOKU Wien: „Das Ergebnis hilft dem Wolf, nicht der Almwirtschaft!“

Die vorläufige Bilanz der Almsaison 2025 in Tirol zeigt trotz vereinzelter Wetterkapriolen und der zunehmenden Präsenz von Großraubtieren insgesamt stabile Entwicklungen auf. Gleichzeitig bleibt der Schutz der Nutztiere vor großen Beutegreifern eine zentrale Herausforderung. Die vorläufige Zahl der Nutztierrisse ist höher als im Vorjahr. Mit Stand Mitte Oktober sind heuer auf Tirols Weiden insgesamt 217 Nutztiere von Bären oder Wölfen gerissen worden, viele Nutztiere werden noch vermisst. „Weidezone Tirol“-Obmann Stefan Brugger kritisiert indessen die sogenannte „BOKU-Studie“, die vom Landwirtschaftsministerium in Auftrag gegeben und kürzlich veröffentlicht wurde.

18. November 2025
„Weidezone Tirol“-Chef will Taten, nicht Worte<br />
Eine Studie der BOKU Wien zeigt nun, wo in Österreich ein Zusammenleben zwischen Wolf und Mensch möglich ist. Foto: AdobeStock
Mit Stand Mitte Oktober waren es insgesamt 217 gerissene Nutztiere, die einem Großraubtier zuordenbar sind. Auf Wölfe entfallen 172 Schafe, sechs Rinder, ein Alpaka und eine Ziege, auf Bären 21 Schafe, ein Pferd und zwei Esel. Zudem wurden durch einen Bären zwei Wildfütterungen und ein Bienenstand beschädigt. Dreizehn Schafe wurden von Schakalen gerissen. Die finalen Zahlen zu den durch große Beutegreifer verursachten Schäden, insbesondere zu verletzten und vermissten Tieren, liegen derzeit noch nicht vor und werden im Jahresbericht des Landes bekannt gegeben. „Alles in allem können wir mit Blick auf die Tiergesundheit und die Futterlage auf eine überwiegend positive Saison zurückblicken. Gesunde Tiere und gute Weiden sind ein zentraler Faktor für Tirols Almwirtschaft. Gleichzeitig machen die steigenden Risszahlen durch Großraubtiere deutlich, dass der Schutz unserer Nutztiere weiterhin konsequent verfolgt werden muss“, zieht LH-Stv. Josef Geisler eine erste Bilanz über den heurigen Almsommer. Durch das Tiroler Modell der Maßnahmenverordnungen wurden im heurigen Jahr bis dato insgesamt 26 Abschussverordnungen für einen Wolf erlassen, sechs davon konnten bisher von der Jägerschaft erfüllt werden.

MEHR WÖLFE, MEHR RISSE... Die Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg der Risse durch Wölfe im Vergleich zum Vorjahr, auch die Gesamtzahl der genetisch nachgewiesenen Wölfe mit 25 Individuen ist gestiegen. Die meisten dieser Tiere stammen aus der italienischen Quellpopulation, zusätzlich wurde ein Wolf aus der dinarischen Population nachgewiesen. Die höchste Wolfspräsenz war mit jeweils sieben Individuen in den Bezirken Innsbruck-Land und Lienz zu verzeichnen, gefolgt vom Bezirk Landeck mit fünf Individuen. Insgesamt wurde in Tirol in den Bezirken Imst, Landeck und Lienz im heurigen Jahr 22-mal ein Bär nachgewiesen – zuletzt Anfang Oktober mittels Wildkamera im Gemeindegebiet von Pfunds. Anhand der bisher vorliegenden Ergebnisse von weiterführenden genetischen Untersuchungen von Proben im heurigen Jahr wurden zumindest zwei männliche Bären nachgewiesen. Einer davon im Oberland – es handelt sich dabei um dasselbe Individuum, das bereits im letzten Jahr im Oberland nachgewiesen werden konnte und ein weiteres Individuum in
Osttirol.

BOKU-STUDIE POLARISIERT. Die Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien hat nun im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums erstmals das Konfliktpotenzial des Wolfes in Österreich erhoben und kürzlich das Ergebnis der mehr als 63.000 Euro teuren Studie veröffentlicht. Vor allem der Westen und der Süden sollen vom Konfliktpotenzial betroffen sein. Die Studie zeigt aber auch potenzielle Lebensräume für den Wolf auf. Beim Verein „Weidezone Tirol“ stößt die Studie auf Kritik. Obmann Stefan Brugger zweifelt die Sinnhaftigkeit der Studie an. Er will von der Politik endlich Taten, mit denen die vielen Almbauern vor Beutegreifern wie Bär und Wolf  geschützt werden. Der Ötztaler, der selbst ein Schafbauer ist, verlangt, dass der Kärntner Weg eingeschlagen wird: „Dort ist es schneller möglich, einen Wolf zu entnehmen, als bei uns. Hinhaltetaktik und leere Versprechungen, wie sie derzeit bei der Politik an der Tagesordnung stehen, helfen den Tiroler Landwirten nicht. 2027 ist ein Wahljahr, da könnte es eventuell sein, dass im Almsommer 2026 gegen das Problem mit Wolf und Bär ernsthaft etwas unternommen wird!“

AUSTRITT AUS DEM BAUERNBUND. Die nun vorgestellte BOKU-Studie „LeKoWolf: Lebensraum- und Konfliktpotenzialmodell für den Wolf (Canis lupus) in Österreich“ beantwortet Fragen wie „Welcher Lebensraum ist in Österreich für Wölfe aus ökologischer Sicht potenziell geeignet?“, „Wo ergeben sich Konfliktpotenziale mit Wölfen in Österreich aus sozio-ökonomischer Sicht?“ und „Welche Flächen sind durch Habitat- und Konfliktpotenzial besonders betroffen?“. Stefan Brugger zweifelt die Sinnhaftigkeit der Studie an: „Die Studie ist pro Wolf und nicht pro Almwirtschaft ausgerichtet. Die Politik sollte sich endlich ernsthaft mit dem Problem der großen Beutegreifer auseinandersetzen und nicht sündteure Gutachten in Auftrag geben.“ Brugger wurde übrigens am vergangenen Freitag bei der Jahreshauptversammlung der „Weidezone Tirol“ einstimmig in seiner Funktion als Obmann bestätigt. Beim RUNDSCHAU-Gespräch verrät er, dass er bereits vor einem Jahr die Mitgliedschaft beim Bauernbund aufgekündigt hat. „Nicht einmal meine Frau wusste davon. Ich wollte es nicht breittreten, weil mir damals wahrscheinlich viele Bauern gefolgt wären.  So kann man mir nichts nachsagen!“ Den Kampf um das Wohl der Almwirtschaft will er mit aller Kraft weiterführen. 

 

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