Artikel teilen
Artikel teilen >

Weinbaukultur in Zirl soll bald neu aufleben

Historischer Weinberg und der „Weinhof“ stehen vor der Rekultivierung, für die der Investor viel Geld ausgibt

Bereits im 14. Jahrhundert wurde in Zirl Wein angebaut. Darauf weist auch ein Weinstock im Gemeindewappen hin. Missernten und die Konkurrenz durch die Südtiroler Weine brachten den Anbau jedoch im Laufe des 18. Jahrhunderts völlig zum Erliegen. In den 1930er-Jahren baute der Südtiroler Anton Mederle aus Eppan wieder Wein in Zirl an. Nach 1945 pachtete der engagierte Winzer den Zirler Weinberg von der Gemeinde, ehe 1958 der Zirler Kaufmann Karl Reinhart die Anlage erwarb und den „Weinhof“ errichten ließ (Quelle: „Der Winzer“). Das seit dem Tod von Reinhart brach liegende Weingut hat inzwischen den Besitzer gewechselt und soll nun rekultiviert werden.

Von Gebi G. Schnöll
6. Feber 2024
Weinbaukultur in Zirl soll bald neu aufleben
Dem historischen Weinberg und dem ehemaligen „Weinhof“ (Bild) soll neues Leben eingehaucht werden. RS-Foto: Schnöll
Nach dem Tod von Karl Reinhart hat Gernot Langes-Swarovski den „Weinhof“ erworben. Leider ist auch er am 21. Jänner 2021 verstorben, seither befindet sich das Anwesen im Besitz  seines Sohnes Markus. Dieser  möchte nun gemeinsam mit dem Projektpartner „obermoser+partner architekten zt gmbh“ die Rekultivierung des historischen Weinberges samt dem „Weinhof“  vorantreiben. Das Projekt war am vergangenen Donnerstag auch Thema im Zirler Gemeinderat, weil es für eine Rekultivierung des Weinberges eine Lösung für die Zu- und Abfahrten zur Seefelder Straße B177 sowie einen Grundtausch und Umwidmungen braucht. Ein entspechender Grundsatzbeschluss ist einstimmig gefallen, was Bürgermeister Thomas Öfner (SPÖ) ganz besonders freut. „Zirl war einst der erste Ort in Tirol, in dem Wein angebaut wurde. Der immerwährende Weinbau ist sogar grundbücherlich sichergestellt. Es ist erfeulich, dass dem Weinberg und dem Weinhof neues Leben eingehaucht werden soll“, so der Marktgemeindechef.

GENEHMIGTE RODUNG. Um den Weinberg zu aktivieren ist es  erforderlich, die bestehenden Rebstöcke zu roden und den Weinberg nördlich von Zirl neu zu bepflanzen. „Eine Rodungsbewilligung für die inzwischen teilweise verwaldete als Rebkultur gewidmete Fläche liegt vom Land Tirl bereits vor, für die zu rodende Waldfläche müssten in der Folge von der Marktgemeinde Zirl Erstbepflanzungen auf Kosten des Investors im Ausmaß des vom Land Tirol festgelegten Rahmens durchgeführt werden. Die Weinanbaufläche soll gegenüber der derzeitigen Fläche annähernd verdoppelt  werden und so weit wie möglich die gesamte als Rebkultur gewidmete Fläche für den Weinbau genutzt werden“, erklärt man von Seiten der Projektbetreiber.

GROSSE PLÄNE. Nach der Rekultivierung und der Neubepflanzung des Weinberges könnten zwar jährlich 7.000 bis 10.000 Flaschen Wein erzeugt werden, ein wirtschaftliches Überleben wäre damit aber nicht gegeben. Deshalb seien noch zusätzliche Maßnahmen im Bereich des „Weinhof-Areals“ notwendig. Aus einer Studie  der „obermoser+partner architekten zt gmbh“ geht hervor, dass die alten Stuben und der Veranstaltungssaal des „Weinhofes“ renoviert und saniert werden müssten, damit er wieder zu einem attraktiven und bodenständigen Gastronomiebetrieb wird. Der Trakt mit den Gästezimmern müsste überhaupt abgerissen und durch ein Wirtschaftsgebäude mit Gästezimmern ersetzt werden. Um die Eigenprodukte präsentieren zu können, sollen im neuen Wirtschaftsgebäude zudem ein Hofladen, eine Schnapsbrennerei und Verkostungsräume integriert werden. Weiters heißt es, dass die landwirtschaftlich wertvolle Freihaltefläche in Richtung Osten mit den Streuobstwiesen erhalten bleibe und die bereits verdorrten Obstbäume entfernt würden. Das Obst neu gepflanzter Bäume  könnte in der Schnapsbrennerei und im Hofladen verwertet bzw. angeboten werden. Im Bereich der derzeitigen Parkplatzflächen bis zum Sendemasten sind ein „Garni-Hotel“, eine Tierklinik mit Untersuchungs-, OP- und radioligischen Untersuchungsräumen geplant. Im Zuge der Neuordnung der Grundparzellen  und Umwidmungen würden auf Kosten der Investoren zwei neue Auf- und Zufahrten errichtet. Das sei nur möglich, weil ein privater Grundeigentümer einem notwendigen Grundtausch zugestimmt hat und die Gemeinde rund 200 Quadratmeter Grund an den Investor abtritt. Dabei handelt es sich um eine in das „Weinhof-Areal“ integrierte Wegparzelle, die seit vielen Jahren nicht mehr genutzt wird.

Aktuelle Artikel

Kommentare

0 Posts