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300 Millionen vor Imster Traumkulisse

Das Testspiel zwischen dem SC Freiburg und Derby County in der Velly Arena

Knapp 300 Millionen Euro an Kaderwert, ein Weltmeister auf dem Rasen und britische Fangesänge vor Tiroler Bergkulisse: Das Testspiel zwischen dem deutschen Bundesligisten SC Freiburg und dem englischen Traditionsverein Derby County verwandelte die Imster Velly Arena am vergangenen Freitag in eine Bühne des internationalen Fußballs. Nach vier intensiven Spielabschnitten zu je 30 Minuten setzten sich die Breisgauer mit 3:1 durch. Die rund 700 Zuschauer bekamen dabei weit mehr geboten als einen sommerlichen Testlauf.

29. Juli 2026
300 Millionen vor Imster Traumkulisse
Freiburgs Kapitän Vincenzo Grifo im direkten Duell mit einem Verteidiger der „Rams“. Foto: Hofer.
Noch bevor der Ball rollte, schrieb die Begegnung eine persönliche Geschichte. SC-Imst-Trainer Jens Scheuer traf auf zahlreiche ehemalige Weggefährten aus Freiburg. Scheuer hatte einst selbst in der Nachwuchsabteilung des Sport-Clubs unter der späteren Trainerlegende Christian Streich gespielt und war anschließend mehrere Jahre für die Frauenmannschaft der Freiburger verantwortlich – von 2016 bis 2019 als Cheftrainer in der Bundesliga. Die Herzlichkeit, mit der er bei diesem Wiedersehen in seiner neuen sportlichen Heimat konfrontiert wurde, ließ erkennen, welche Wertschätzung er im Breisgau bis heute genießt.

GROSSE NAMEN, GROSSE GESCHICHTE. Sportlich schienen die Rollen zunächst klar verteilt. Der aktuelle Freiburger Kader wird auf knapp 250 Millionen Euro taxiert, jener von Derby County auf gut 50 Millionen. Die Breisgauer hatten die abgelaufene Bundesligasaison auf dem siebten Tabellenplatz beendet und mit dem erstmaligen Einzug ins Finale der Europa League das größte internationale Kapitel ihrer Vereinsgeschichte geschrieben. Auch personell brachte der Bundesligist reichlich Prominenz mit nach Imst. In der Startelf stand mit Matthias Ginter ein Weltmeister von 2014. Hinzu kamen der langjährige deutsche Nationalspieler und SC-Kapitän Christian Günter sowie Vincenzo Grifo, der längst zu den prägenden Figuren der jüngeren Freiburger Vereinsgeschichte zählt. Der englische Zweitligist hielt weniger Marktwert, dafür aber umso mehr Tradition entgegen. Derby County wurde bereits 1884 gegründet und gehörte vier Jahre später zu den zwölf Gründungsmitgliedern der English Football League – der weltweit ersten nationalen Fußballliga. Seine erfolgreichste Epoche erlebte der Klub in den 1970er-Jahren, als die „Rams“ 1972 und 1975 englischer Meister wurden. Bereits 1946 hatte Derby County den FA Cup gewonnen. In Imst traf damit einer der bemerkenswertesten deutschen Entwicklungsvereine auf ein echtes Stück englischer Fußballgeschichte.

KRÄFTEMESSEN. Um möglichst allen Kaderspielern Einsatzzeit zu geben und verschiedene taktische Varianten zu erproben, war die Begegnung auf vier Spielabschnitte zu je 30 Minuten angesetzt. Dass es sich lediglich um ein Testspiel handelte, war den Akteuren allerdings kaum anzumerken. Von Beginn an lag Feuer in der Partie: intensive Zweikämpfe, gefährliche Strafraumszenen und manches Einsteigen, das die Grenzen eines freundschaftlichen Kräftemessens auslotete. Lange mussten die Zuschauer nicht auf den ersten sehenswerten Moment warten. In der neunten Minute nahm Cyriac Irie am Strafraum Anlauf, ließ gleich zwei Gegenspieler mit einer geschmeidigen Bewegung stehen und zirkelte den Ball mit dem linken Fuß ins lange Eck. Derby County ließ sich davon jedoch nicht aus dem Tritt bringen. Nur fünf Minuten später nutzten die Engländer einen Freiburger Ballverlust vor dem eigenen Strafraum eiskalt: Carlton Morris vollendete zum 1:1. Die „Rams“ hielten mit großer körperlicher Präsenz dagegen, verdichteten die Räume und machten es dem technisch versierteren Bundesligisten lange schwer. Nach 60 Minuten wechselte Freiburg seine Mannschaft nahezu vollständig durch. Zwar kontrollierten die Breisgauer in der Folge über weite Strecken den Ball, gegen die robuste Defensive des englischen Zweitligisten fehlte zunächst jedoch die letzte Präzision. Erst in der Schlussphase wurde die qualitative Tiefe des Freiburger Kaders sichtbar. In der 109. Minute drang Maximilian Eggestein entschlossen in den Strafraum ein und konnte nur regelwidrig gestoppt werden. Vincenzo Grifo übernahm Verantwortung und verwandelte den fälligen Elfmeter souverän zum 2:1. Den Schlusspunkt setzte Nachwuchsspieler Leon Catak in der 120. Minute: Aus rund 30 Metern überhob er den gegnerischen Torhüter und krönte den Nachmittag mit einem sehenswerten Treffer zum 3:1-Endstand.

THE BEAUTIFUL GAME. Der sportliche Sieg ging damit an den SC Freiburg. Im Wettstreit um Lautstärke und Ausdauer hatten jedoch die Anhänger von Derby County die Nase vorn. Über die gesamten 120 Minuten wurden die mitgereisten Briten nicht müde, ihre „Rams“ mit den für den englischen Fußball so charakteristischen Gesängen anzutreiben. Immer wieder hallte ein kräftiges „Let’s go, Rams!“ durch die Velly Arena. Nach dem Schlusspfiff gingen die Derby-Spieler geschlossen zu ihren Anhängern und holten sich deren Applaus ab. Die Fans erhoben sich von ihren Plätzen und verabschiedeten ihre Mannschaft mit Standing Ovations. So durfte sich am Ende nicht nur der SC Freiburg als Sieger fühlen. Vier Tore, 120 intensive Minuten und zahlreiche sportliche wie menschliche Momente vor eindrucksvoller Bergkulisse: Viel mehr kann man von einem sommerlichen Fußballnachmittag kaum verlangen.

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