„Black.Ice“ geht in die nächste Runde

Birgit Sattler erklärte den Schülern die spannende Welt eines wissenschaftlichen Labors und ließ die Jungforscherherzen höherschlagen. Foto: Reisch

Schüler der NMS Königsweg schnuppern Laborluft an der Uni Innsbruck

Sparkling Science ist ein Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung, das einen unkonventionellen und in Europa einzigartigen Weg der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung beschreitet.

In den geförderten spannenden Projekten arbeiten Wissenschaftler Seite an Seite mit Schülern an aktuellen Forschungsfragen.

Das von einem Schüler entworfene Logo zum Projekt „Black.Ice“. Foto: Archiv

An der NMS Königsweg wurden unter der Leitung der engagierten Lehrerin Gerda Bubendorfer Schüler aus allen zweiten und dritten Klassen ausgewählt, um gemeinsam mit Forschern der Universität Innsbruck am Projekt „Black.Ice“ zu arbeiten. „Black.Ice“ beschäftigt sich mit der Reflektivität (Albedo) von Schnee und Eis als einer der Schlüsselfaktoren, die die Eisschmelze bestimmen.
Vergangenen Sommer waren die Schüler auf Exkursion am Jamtalgletscher und sammelten dort Bodenproben (die RUNDSCHAU berichtete). Diese Proben wurden im Labor der Uni Innsbruck konserviert. Kurz vor den Weihnachtsferien folgte nun der nächste spannende Projektteil – die Auswertung der Proben im Labor vor Ort.

Vorbereitung.

Birgit Sattler, Klemens Weisleitner und Sabrina Obwegeser von der Universität Innsbruck kamen nach Reutte und bereiteten die wissbegierigen Schüler auf die Laborarbeit vor. In eigenen Schatullen hinterließen die Schüler jeweils ihren individuellen Abdruck (vom Finger, von der Zunge oder einem anderen Träger), der dann genau beobachtet und alle drei Tage fotografiert und dokumentiert wurde. „Es war sehr spannend zu beobachten, wie Bakterien arbeiten und welche Veränderungen dabei vor sich gehen. Eine Schülerin hat sich die Mühe gemacht, jede Probe einzeln zu dokumentieren. Mit dieser ,Fleißaufgabe’ hat sie auch die Wissenschaftler begeistert“, erzählt Gerda Bubendorfer.

Im Herzen der Forschung.

Am 17. Dezember war es endlich soweit. Die Fahrt nach Innsbruck zum Uni-Labor stand auf dem Programm, das mit der Präsentation der Schülerdokumentation im großen Hörsaal auch gleich mit einem Paukenschlag begann. „Die eifrige Schülerin und wir alle konnten mächtig Eindruck schinden“, verbirgt auch Gerda Bubendorfer ihren Stolz nicht.
Gleich sollten die Schüler dann auch erfahren, was aus ihren Gletscherproben des Sommers geworden war. Diese waren eingefroren worden und konnten nun in kleinen Vier- und Fünf-Mann-Teams weiterbearbeitet werden. Begleitet von den Wissenschaftlern der Uni analysierten die Jungforscher in einem Stationenbetrieb ihre Proben.
„Ich bin begeistert von den tollen Leistungen der Schüler. Es ist faszinierend, wie groß das Interesse bei Schülern dieses jungen Alters ist und wie ehrlich sie dies auch ausdrücken. Die Schüler stellten Fragen und gaben Antworten, mit denen ich oft nicht gerechnet hätte“, so Gerda Bubendorfer.
Erwähnt werden soll an dieser Stelle auch die großartige Begleitung des Projekts durch die Wissenschaftler der Universität Innsbruck, die sehr kindgerecht das Interesse der Schüler weckten.

Auch der Besuch des Christkindlmarkts gefiel – und die Kiachla schmeckten wunderbar! Foto: Reisch

Nach getaner Arbeit dürfen Spaß und Ablenkung nicht zu kurz kommen. Am Nachtmittag stand ein Bummel durch den Innsbrucker Christkindlmarkt auf dem Programm. Schuldirektor Hanspeter Wagner hat dazu auch jedem ein „Kiachla“ spendiert. Der spontane, von Herzen kommende Dank der Schüler sei der beste Ausdruck dafür, dass dieses Projekt ein rundum gelungenes ist, meint Gerda Bubendorfer abschließend.

Im Laborkittel.

(Text Birgit Sattler). Auch Birgit Sattler, eine der begleitenden Wissenschaftlerinnen der Universität Innsbruck, ist vom Projekt begeistert. „Seit bereits über einem Jahr kooperieren die interessierten Schüler der NMSK Reutte, unter der Leitung von Gerda Bubendorfer, nun schon mit der Universität Innsbruck. Bei mehreren Besuchen wurden sie in die Materie eingeführt und zu einer aktiven Mitarbeit am Projekt motiviert. Im Sommer konnten sich die Schüler über zwei Tage endlich selbst ein Bild des Jamtalferners machen: das Gletschereis wurde mit einem Team des Instituts für Ökologie und mit Hilfe eines Galtürer Bergführers beprobt und die Kinder stellten somit ihr eigenes Probenset zusammen. Diese Proben mussten jedoch über die Sommerferien in den Gefriertruhen der Universität auf die Untersuchung durch die Jungforscher warten. Kurz vor Weihnachten wurden die Schüler aus Reutte am Institut in einem Hörsaal, der für alle ein neues Metier war, willkommen geheißen und es wurden ihnen recht schnell Verantwortungen – wie bereits Studierenden – übertragen. Den meisten waren die Labormäntel zwar um einige Nummern zu groß, aber sie standen ihren älteren Kollegen an Geschicklichkeit und Geduld um nichts nach. Die Analysen umfassten eingehende mikroskopische Untersuchungen von Gletscherbachbewohnern und die Sichtbarmachung der speziellen Anpassungen an Strömung und Kälte. Bei der nächsten Station wurde der Maßstab bereits kleiner: hier wurden Bakterien aus dem Schnee betrachtet und auch ausgezählt. Wie viele Bakterien leben wohl in einem Milliliter Schmelzwasser-Gletschereis? Für die Kinder ist es schwer vorstellbar, dass sich in dieser winzigen Menge an Wasser weit über zehntausende Zellen befinden. Im nächsten Labor wurde der Maßstab ein weiteres Mal nach unten gedreht: Am Elektronenmikroskop konnten die Kinder einzelne Zellen aus dem Gletscher-eis sehen – mehr noch: sie konnten einen Blick in die Zelle werfen, was sie fasziniert hat.
Bei der letzten Station durften die Schüler nochmals Hand anlegen, indem sie klassische mikrobiologische Methoden erlernten und an diesem einen Nachmittag gemeinsam die Bakterien und Pilze aus dem Jamtalferner zu kultivieren versuchten, indem sie selbstständig Kulturplatten gossen und ihre Proben ausplattiert haben. Wir sind schon sehr gespannt, was die Jungwissenschafter heranzüchten!
Die Kinder gingen mit großem Ernst, Verantwortungsgefühl und Wissbegierde an ihre Untersuchungen heran und es zeigte sich auch der mehr als engagierte Einsatz der leitenden Lehrperson Gerda Bubendorfer, die während der Schulstunden, aber auch in ihrer Freizeit den Schülern das Fachwissen aufbereitet hat. Nur mit Lehrkräften, die die Begeisterung weitergeben und Mehrarbeit in diese Projekte stecken, können diese Schulkooperationen mit universitären Forschungsprojekten erfolgreich funktionieren. Und es ist wohl auch die Verantwortung der Wissenschaftler, ihr Wissen an die nächste Generation weiterzugeben und ihnen auch speziell in unserem Lebensraum Alpen zu zeigen, was durch den Klimawandel vor unseren Augen geschieht.“

Es geht weiter.

Das Zweijahresprojekt „Black.Ice“ läuft noch bis 2020. Demnächst ist ein Vorstellungsabend in Reutte geplant, bei dem Schüler, Uni-Leute und die begleitende Lehrerin den Eltern das Projekt vorstellen.
Im April werden die Jungforscher aus Reutte zum „Tag der Wissenschaft“ wieder zur Uni Innsbruck fahren und dort eine weitere spannende Zeit erleben. Wenn das Wetter mitspielt und die Verhältnisse es erlauben, ist für Juni noch einmal eine Exkursion zum Jamtalgletscher geplant. Auch ein weiteres Treffen mit den Uni-Leuten aus Innsbruck soll es geben.
Im Jänner 2020 findet das Projekt „Black.Ice“ dann bei einer großen Veranstaltung seinen Abschluss. Die Schüler der NMS Königsweg besuchen dann bereits die vierte Klasse/die Abschlussklasse und können auf vier spannende Jahre im Dienste der Wissenschaft zurückblicken. Möglich, dass sich aus diesen Erfahrungen auch der ein oder andere Berufs- und Weiterbildungswunsch entwickelt.