Bürger haben die Nase voll

Dr. Klaus Schweitzer (Ärztekammer), Rechtsanwalt Markus Lechner, Sprengelarzt Dr. Richard Antwi und Bürgermeister Harald Bonelli (v.l.) beim Informationsabend in Pians zum Thema Hausapotheke. RS-Foto: Tiefenbacher

Hausapotheke in Pians: Gemeindepolitiker wollen der Politik mit Arztpraxisverlegung ein Schnippchen schlagen

 

Seit Mai 2014 haben die 4000 Bürger der Orte Pians, Tobadill, Grins und Strengen wieder einen Arzt – der darf aber keine Hausapotheke führen. Jetzt ist Widerstand angesagt.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Die Pianner, Tobadiller, Grinner und Strenger haben die Nase voll und wollen die unsinnige Hausapotheken-Regelung nicht mehr länger hinnehmen. Diese will man nun mit der Verlegung der Arztpraxis umgehen. Zudem soll der Druck auf die Politik verstärkt werden – das ist das Resümee der Informationsveranstaltung zum Thema „Gibt es eine Chance für eine Hausapotheke in Pians?“ am Dienstag der Vorwoche im gut besetzten Pianner Gemeindesaal. Was besonders wütend macht, ist, dass der Haus- und Sprengelarzt in Pians Dr. Richard Antwi aufgrund der Stichtagsregelung in Bezug auf die Nachbesetzung von Arztstellen und des Apotheken-Gebietsschutzes keine Hausapotheke führen darf. Antwis Antrag wurde abgelehnt, weil die Distanz zwischen Hausapotheke in Pians und Stadtapotheke Landeck „nur“ 5,8 statt sechs Kilometer – 200 Meter zu wenig (!) – beträgt und weil er nach der Neuregelung die Praxis ein Jahr zu früh übernommen hatte. Dr. Antwi erklärte eingangs, dass er durch das Fehlen einer Hausapotheke einen Wettbewerbsnachteil erleide. „Es gibt schon Patienten, die meine Praxis deshalb meiden. Sie suchen andere Ordinationen auf, wo sie gleich ihre Medikamente bekommen“, sagte er. Für Dr. Antwi stellt dies aber kein wirtschaftliches Problem dar. „Ich habe ohne Hausapotheke ein ausreichendes Einkommen“, betonte der Arzt. Die durchschnittliche Anzahl seiner Kassenpatienten ist bei 700 bis 800 pro Quartal.

 

BITTER FÜR DIE BEVÖLKERUNG. Das Fehlen einer Hausapotheke ist aber sehr bitter für die Bevölkerung. Im Laufe der Diskussion wurden die Probleme in teils hochgradig emotionalen Wortmeldungen aufgeworfen. Der Tenor war: Die Situation ist unzumutbar und unmenschlich, weil den Patienten das notwendige Medikamentenangebot bei ihrem Arzt vor Ort nicht zur Verfügung steht und das bedeutet, dass sie deshalb erst zur Stadtapotheke nach Landeck fahren müssen. Aber viele Patienten seien nicht in der Lage, mit dem Auto zu fahren. Sei es, weil sie zu alt sind. Sei es, weil sie zu krank sind. Sei es, weil sie die Kinder nicht alleine lassen können. Oder sei es, weil sie einfach kein Auto zur Verfügung haben. Besonders grotesk ist die Situation bei Hausbesuchen. Die Patienten sind so alt, krank oder immobil, dass Dr. Antwi zu ihnen nach Hause kommen muss. Um an ihre verordneten Medikamente zu kommen, müssen die Patienten dann aber enorme Strapazen auf sich nehmen. Dr. Antwi berichtete, dass ihn viele Patienten darauf ansprechen und fragen, warum sie bei ihm keine Medikamente bekommen. „Ich kann sie nur auf die Politik verweisen“, sagte Antwi.

 

 

GESETZESÄNDERUNG. Der anwesende Ärztekammervertreter Klaus Schweitzer will eine Gesetzesänderung erwirken, weil „die beste Versorgung am Land, die Versorgung aus erster Hand ist.“ Eine Gesetzesänderung strebt auch, wie Michael Dihlmann berichtete, die Plattform „Einarztgemeinde“ an. Sie fordert konkret die Abschaffung der Kilometergrenzen und sonstigen Einschränkungen bei Hausapotheken. Nachdruck verliehen wird dem mit einem Pakte mit in Praxen gesammelten Unterstützungsunterschriften für eine Gesetzesänderung, die noch vor dem Sommer nach Wien ins Ministerium gebracht werden. Dihlmann forderte die Zuhörer und Gemeindepolitiker auf, Druck auf die Politiker (National- und Bundesräte) zu machen.

 

SCHNELLE LÖSUNG. Bürgermeister Harald Bonelli ist der Ansicht, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, weil es um die Qualität der medizinischen Versorgung gehe. „Es braucht eine schnelle Lösung für die Problematik“, sagte Bonelli. Die einfachste und schnellste Lösung bestünde darin, den Standort der Arztpraxis um 200 Meter Richtung Fußballplatz auf der Pianner Höhe (Taleinfahrt ins Paznaun) zu verlegen. „Somit wird der Mindestabstand von sechs Kilometer zur Stadtapotheke eingehalten“, erklärte der Pianner Bürgermeister. Der Obmann des Infrastrukturausschusses, Gemeinderat Thomas Pichler ist der selben Meinung und will auch nicht mehr lange zuwarten, bis das Parlament die entsprechende gesetzliche Regelung geändert hat. „Wir sollten dem System mit einer Standortverlegung ein Schnippchen schlagen. Diese Möglichkeit werden wir nun im Rahmen der Dorfentwicklung prüfen. Wir müssen für die Bevölkerung etwas bewegen“, sagte Pichler.

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